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Im Clinch mit IG Metall Landmaschinenbauer Amazone erwägt Tarifaustritt - Gewerkschaft: Gesetzeswidrige Arbeitsverträge

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Made in Gaste: Eine Amazone-Landmaschine aus dem Werk im Osnabrücker Land. Hier laufen derzeit Gespräche zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat, aus dem Tarifvertrag auszusteigen. Foto: Hermann PentermannMade in Gaste: Eine Amazone-Landmaschine aus dem Werk im Osnabrücker Land. Hier laufen derzeit Gespräche zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat, aus dem Tarifvertrag auszusteigen. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück/hasbergen. Wenn heute die Verhandlungen zur Übernahme des Metall-Tarifvertrages für die 16000 Beschäftigten im Raum Osnabrück/Emsland und Grafschaft Bentheim in die entscheidende Phase gehen, sitzen auch zwei Parteien am Tisch, die seit Wochen im Clinch liegen: die IG Metall und die Amazone-Werke. Der Landmaschinenbauer aus Hasbergen bei Osnabrück überlegt, aus dem Tarifvertrag auszutreten. Die Gewerkschaft ist entsetzt.

Nach Informationen unserer Zeitung führt Amazone vor allem ein Argument für den umstrittenen Schritt ins Feld: die Zukunft des Standorts Hasbergen-Gaste. Bei einem Tarifaustritt wird eine Sicherung der Produktionsstätte bis 2017 zugesagt, obwohl an anderen Standorten wie Hude und Leipzig Expansionsmöglichkeiten bestünden und Kostenvorteile realisiert werden könnten.

Die Gewerkschaft läuft Sturm. Dabei könnte auch die Sorge eine Rolle spielen, bei Amazone ganz ausgebootet zu werden. Nichts Neues für die Arbeitnehmervertreter: In Hude und Leipzig ist die Christliche Gewerkschaft Metall aktiv – eine Konkurrenzgewerkschaft zur IG Metall.

Die fährt schwere Geschütze auf und kritisiert die Situation bei Amazone. Zum einen biete das Unternehmen Auszubildenden seit Jahren sogenannte Folgeverträge, zunächst auf ein Jahr befristet. Mittlerweile sind nach Angaben der IG Metall rund 150 Amazone-Mitarbeiter mit einem solchen Einzelarbeitsvertrag ausgestattet. Das sei gesetzeswidrig. Der Lohn liege zum Teil bis zu 500 Euro unter Tarif.

Das Unternehmen sieht das anders: Die Verträge seien zu marktgerechten Konditionen abgeschlossen worden und rechtsgültig. „Bei Neueinstellungen können wir in aller Regel den Entgeltwünschen unserer Bewerber entsprechen.“ Einzelverträge, so Amazone in den Austrittsverhandlungen, seien die einzige Möglichkeit, den Standort Gaste dauerhaft zu halten. Versuche der IG Metall, gegen die Vertragspraxis juristisch vorzugehen, verliefen bislang im Sand. Auf Mitarbeiter, die sich beschwert hätten, habe die Geschäftsführung massiven Druck ausgeübt, heißt es bei der Gewerkschaft.

Kritikpunkt zwei: Laut IG Metall arbeiten in Gaste insgesamt 320 Menschen in der Produktion, davon 250 Zeitarbeiter (78 Prozent). Das Unternehmen nennt unserer Zeitung andere Zahlen. Die Geschäftsführung verweist auf die stark schwankende Nachfrage auf dem Landmaschinenmarkt. Auftragsspitzen würden mit Zeitarbeitern abgefedert. „Während wir derzeit am Standort Gaste circa 20 Prozent der Gesamtarbeitsplätze durch Zeitarbeitskräfte besetzt haben, waren es beispielsweise Ende 2009 lediglich circa fünf Prozent.“

Zum Vergleich: Laut Agentur für Arbeit liegt der Gesamtanteil der Zeitarbeiter an den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in Stadt und Landkreis Osnabrück bei rund fünf Prozent, niedersachsenweit bei 3,4 Prozent.

Um dem Betriebsrat den Tarifausstieg in Gaste schmackhaft zu machen, hat Amazone noch zwei Asse im Ärmel: Das Unternehmen teilt zum Angebot an die Arbeitnehmerseite mit. Der Plan sehe „unter anderem die Schaffung weiterer 75 Arbeitsplätze sowie umfangreiche Investitionen an unserem Standort Gaste vor“. Nach Informationen unserer Zeitung sollen die 75 Neuanstellungen aus dem Pool der 250 Zeitarbeiter gewonnen werden.

Wann die Verhandlungen zum Tarifaustritt in die heiße Phase gehen, ist unklar. Amazone verweist darauf, dass kein Zeitdruck bestehe.


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