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12.09.2018, 14:30 Uhr KOLUMNE

Wie ich in der Mittagspause in Osnabrück beinahe verhaftet wurde

Von Andre Partmann

Unser Kollege ist während seiner Mittagspause in eine Polizeikontrolle geraten. Symbolfoto: Imago/Florian GaertnerUnser Kollege ist während seiner Mittagspause in eine Polizeikontrolle geraten. Symbolfoto: Imago/Florian Gaertner

Osnabrück. Die Auswahl des perfekten Mittagssnacks bereitet unserem Kollegen regelmäßig Kopfzerbrechen. Gestern wurde ihm die Entscheidung freundlicherweise abgenommen: Es gab ein Krimidinner in Osnabrück – allerdings nicht gänzlich freiwillig.

Jeden Mittag dasselbe Dilemma. Was kommt auf den Teller? Zugegeben: Entscheidungsfreude ist, was das angeht, nicht unbedingt etwas, womit ich glänzen kann. Etwas Leichtes, ein Salat vielleicht? Nicht optimal an diesem langen Arbeitstag. Asiatisch? Gab es vorgestern schon. Also mal wieder der Klassiker: Entscheidung vertagen. Die beste Lösung findet sich bestimmt auf dem Weg in die Stadt.

Sechs Beamte sprangen aus dem Auto

Und das tat sie dann auch – allerdings etwas anders, als ursprünglich erhofft. Beim Grübeln muss ich wohl derart verzweifelt gewirkt haben, dass es jene auf den Plan rief, die als „Freunde und Helfer“ bezeichnet werden: Vier Streifenwagen eilten mir, dem Unentschlossenen, zur Hilfe, sechs Beamte sprangen aus ihren Dienstfahrzeugen und kreisten mich ein. Ein schönes Gefühl, dachte ich mir, dass man sich freundlicherweise um mein Wohlbefinden sorgt. Dass die Frage nach dem perfekten Mittagssnack von derart fundamentaler Bedeutung sein könnte, fand ich dann doch etwas befremdlich. Auch die forsche Aufforderung der Beamten, die Hände auf dem Rücken zu verschränken, nachdem sie den Ausweis gefordert hatten, konnte ich nicht gänzlich nachvollziehen. Naja, wenn es hilft.

Kein Trinkgeld für die Polizei

Schade nur, dass sich die ganze Hilfsaktion schließlich als Verwechslung herausstellte. Die Polizei handelte im Glauben, einen Ladendieb zu fassen, der zuvor bei Galeria Kaufhof auf Beutezug gewesen war. Die Täterbeschreibung der Verkäuferin („graue Strickjacke“) traf wohl ziemlich genau auf mich zu, der aber selbstverständlich unschuldig war. Und so wurde die Mittagspause tatsächlich zum Krimidinner. Danke dafür, Polizei! Das stand ohnehin schon länger auf der To-Do-Liste.

Trinkgeld für die Beamten gab es dann allerdings keins. Dass sie einen fremden Passanten stumpf geduzt hatten? Geschenkt. Aber eine klitzekleine Entschuldigung für den doch nicht ganz unwesentlichen Schrecken hätte ich schon ganz nett gefunden...


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