Schulbustransfer im Landkreis Hasberger fordert freie Fahrt für alle Oberstufenschüler

Von Andre Partmann

Der Hasberger Fynn Brackmann besucht das Gymnasium an der Wüste in Osnabrück. Er fordert einen kostenfreien Bustransfer. Foto: André PartmannDer Hasberger Fynn Brackmann besucht das Gymnasium an der Wüste in Osnabrück. Er fordert einen kostenfreien Bustransfer. Foto: André Partmann

Hasbergen. Im Landkreis Osnabrück werden mit dem Beginn des neuen Schuljahres am Donnerstag wieder etliche Schüler tagtäglich den Bus nutzen. Der Transfer ist bis zur Klasse 11 kostenfrei, Oberstufen- und Berufsschüler müssen unabhängig davon monatlich in die Tasche greifen. Geht gar nicht, sagt ein Betroffener aus Hasbergen. Er fordert gleiches Recht für alle.

23,60 Euro: So viel kostet einen Oberstufen- und Berufsschüler im Landkreis Osnabrück unabhängig von der Fahrtstrecke pauschal das Monatsticket für den Bus, um zur Schule zu kommen. Schüler bis zur Klasse 11, die mehr als vier Kilometer von der Schule entfernt wohnen, also, über die Schülersammelzeitkarte verfügen, zahlen gar nichts. Des Weiteren gibt es für alle Schüler einschließlich der zehnten Klasse die Möglichkeit, nachmittags ab 15 Uhr und in den Ferien kostenfrei im Landkreis Osnabrück den Bus zu nutzen. 

Regelung gerade in Kraft getreten

Die neue Regelung ist gerade erst in Kraft getreten. Zum 1. August dieses Jahres hat der Landkreis Osnabrück das "Landkreis-Ticket" auf den Markt gebracht. Die Einführung geht auf einen Mehrheitsbeschluss des Osnabrücker Kreistages im März zurück. Er plant für die Umsetzung des Beschlusses rund 1,86 Millionen an Mehrausgaben im Haushalt ein. 

Für die Oberstufen- und Berufsschüler geht damit eine spürbare finanzielle Entlastung einher: Bislang mussten sie im schlimmsten Fall mehr als 90 Euro monatlich für ihre Fahrkarte bezahlen. Die tatsächlichen Kosten errechneten sich bis dato anhand der Entfernung zum Fahrtziel. Die Preise für das Monatsticket waren gestaffelt. All das spielt jetzt keine Rolle mehr. 

Motto "Gleiches Recht für alle Schüler"

Einem allerdings geht dieser Beschluss noch nicht weit genug: Fynn Brackmann, 18 Jahre, angehender Abiturient aus Hasbergen. Er besucht die Jahrgangsstufe 12 des Gymnasiums in der Wüste in Osnabrück – und er wirbt seit Monaten bei den Parteien, sich weiter für ein kostenfreies Busticket einzusetzen, das auch Oberstufenschüler mit einschließt. "Gleiches Recht für alle Schüler" lautet Brackmanns Leitsatz. 

Brackmann selbst ist einer jener Oberstufenschüler aus dem Landkreis Osnabrück, die monatlich für den Transfer zur Schule zur Kasse gebeten werden. Im vergangenen Schuljahr waren es rund 48 Euro, die er von  Hasbergen monatlich für das Busticket zur Haltestelle am Gymnasium in der Wüste zahlen musste. Im neuen Schuljahr kostet das Ticket nur noch 23,60 Euro, also mehr als 50 Prozent weniger. Doch das reicht noch nicht, meint der Hasberger.

Chancengleichheit für Stadt-und Landkreisschüler

"Jeden Monat kommen enorm hohe Kosten auf die Schüler und ihre Eltern zu", sagt Brackmann. "Wenn man Chancengleichheit in der Bildung haben möchte, sollte es doch ein Anliegen sein, dass der Transfer auch für Oberstufenschüler einheitlich, besser aber kostenfrei ist", so der angehende Abiturient. Bislang zahlen Schüler ab Klasse 11, die im Stadtgebiet von Osnabrück wohnen, deutlich weniger als Schüler, die aus dem Landkreis anreisen müssen. 

Unterstützung von den Grünen

Unterstützung erhält Fynn Brackmann von dem Osnabrücker Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen. Der Kreisgeschäftsführer Johannes Bartelt, erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion: "Vor dem Hintergrund, dass viele Schüler in der Oberstufe mittlerweile mit dem Auto oder dem Roller den Schulweg antreten, spielen auch ökologische Gedanken eine große Rolle." Mit der Einführung des kostenfreien Bustickets würden viele motorisierte Fahrzeuge wieder aus dem Verkehr verschwinden, so Bartelt. Damit könne man auch parteiübergreifend einen ökologischen Akzent setzen und etwas für die Luftreinheit tun.

CDU zog Vorhaben zurück

Dem Beschluss des Kreistages für die Einführung des "Landkreis-Tickets" gingen seinerzeit viele Diskussionen voraus. Die Linke, Grüne und AfD votierten am Ende geschlossen für ein kostenloses Busticket für alle Schüler im Landkreis Osnabrück. Dabei erinnerten sie die CDU an ihr Versprechen aus dem Wahlkampf, das kostenlose Busticket ebenfalls einführen zu wollen. Doch soweit kam es nicht. Denn die Christdemokraten zogen ihr Vorhaben nach Rücksprache mit einzelnen Unternehmen zurück. Die Kosten seien zu hoch, hieß es in der Begründung. "Wir sind jetzt dabei, darauf zu drängen, dass die Ankündigung durchgesetzt wird", sagt Bartelt. 

Mehrkosten von 18 Millionen Euro

Sollte es tatsächlich zur Einführung des kostenfreien Bustickets für alle Schüler im Landkreis Osnabrück kommen, also auch die derzeit bestehende Grenze von vier Kilometern obsolet werden, damit eine Schülersammelzeitkarte ausgehändigt wird, würden Mehrkosten in Höhe von 18 Millionen Euro entstehen. Das hat der Landkreis errechnet. Bartelt und seiner Partei erscheinen diese Kosten allerdings zu hoch. Man warte weiter darauf, dass die Kreisverwaltung eine seriöse Berechnung vorlegt. 

Die nächste Kreistagssitzung findet am 17. September statt. Dann wollen die Grünen einen neuen Anlauf für die Einführung des kostenfreien Bustickets vornehmen. Bis dahin bleibt es erst einmal bei der zusätzlichen Mehrbelastung für Brackmann und seine Mitschüler. Allein in Hasbergen sind pro Oberstufenjahrgang rund 30 Schüler betroffen. 


Das neue Landkreis-Ticket

Der Landkreis Osnabrück hat zum 1. August das neue „Landkreis-Ticket“ eingeführt. Ab sofort wird eine Monatskarte für Oberstufen- und Vollzeitschüler der Berufsbildenden Schulen pauschal 23,60 Euro kosten.  Zudem ist es unabhängig von Mindestentfernungen zur Schule ganztägig - auch Nachtbusse sind inbegriffen - und ganzjährig im gesamten Gebiet der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) gültig. 

Auch Schüler der Klassen 5 bis 10 erhalten zum kommenden Schuljahr eine kostenlose Schülersammelzeitkarte (SSZK). Damit können sie an Schultagen ab 15 Uhr und an den Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien ganztägig die Busse im gesamten VOS-Netz nutzen. Bislang kostete die Schülerfreizeitkarte mindestens 13 Euro. Schüler ohne SSZK erhalten einen Schülerausweis, der auch als Fahrausweis in der Freizeit im gesamten Netz der gültig ist.

Das monatliche Bus-Abo kostete für Oberstufenschüler bislang nur in der Preisstufe 1 den heute vorgesehenen Preis von 23,60 Euro. In der zweiten Preisstufe kostete es bislang 36,50 Euro, in der dritten 46,80 Euro und in darüber hinausgehenden Preisstufen mehr als 50 Euro. Das Ticket kann online unter www.vos.info/jungunterwegs bestellt werden.

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