Fünf Jahre Haft für Babysitter gefordert Hasberger missbrauchte Kinder und filmte die Taten

Von Erhard Kurlemann

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Münster/Hasbergen/ Tecklenburger Land. Ein 24-jähriger Mann aus Hasbergen hat zugegeben, mehrfach zwei damals zwei und vier Jahre alte Mädchen, die er als Babysitter betreut hatte, sexuell missbraucht zu haben. Die Ankläger in Münster fordern fünf Jahre Haft.

Scheinbar regungslos schaut der Angeklagte Hasberger zu, als der Vorsitzende Richter der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Münster mit einem Zeugen die Bilder durchblättert, die Gegenstand dieses Verfahrens sind. Der 24-jährige Mann aus Hasbergen hat zugegeben, mehrfach zwei damals zwei und vier Jahre alte Mädchen, die er als Babysitter betreut hatte, sexuell missbraucht zu haben. Er hatte sich auf eine Kleinanzeige der Eltern im Internet gemeldet. Von seinen Taten machte der Angeklagte auch Handyfotos und -videos. All das stritt der 24-Jährige nicht ab. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er die Bilder ins Internet gestellt habe, antwortete er allerdings mit einem entschiedenen „Nein“.

Vertrauen für eigenen Trieb benutzt

Fünf Jahre soll der Mann dafür ins Gefängnis, forderte die Staatsanwältin am Mittwoch in ihrem Plädoyer. Zugunsten des Angeklagten wertet sie sein umfassendes Geständnis und die tatkräftige Mithilfe bei der Aufklärung. Klar gegen ihn spreche die „hohe Tatfrequenz an sehr kleinen Mädchen“. Insgesamt acht Fälle schweren sexuellen Missbrauchs und fünf Fälle sogenannten einfachen sexuellen Missbrauchs müssten bestraft werden.

Die Vertreter der Nebenkläger – die betroffenen Familien aus dem Tecklenburger Land – stellen die Höhe des Strafmaßes in das Ermessen des Gerichts. „Zwei kleine Mädchen mussten in sehr jungen Jahren schon etwas sehr Schlimmes mitmachen“, sagt der Anwalt der Nebenklage. „Was da passiert ist, ist unvorstellbar.“

Seine Kollegin nennt die Taten mehr als verwerflich. Die Mädchen seien zum Teil noch keine zwei Jahre alt gewesen. Sie habe auch kein Verständnis dafür, dass der Angeklagte sich nicht zu seinen Motiven äußere. „Es geht hier nicht um Sie, sondern um die Familien, die mit diesen Taten und den möglichen Konsequenzen für die Kinder klarkommen müssen.“ Dazu habe sie noch „kein Wort der Reue“ gehört. Der Angeklagte habe genau gewusst, wie wichtig er in seiner Funktion als Babysitter für die Familie gewesen sei. „Sie haben die Familie benutzt.“

Ein „Vorzeigeangeklagter“

Die Verteidiger plädierten für eine Strafe von „höchstens vier Jahren“. Der Angeklagte habe „erheblich daran mitgearbeitet, sich selbst zu überführen“. Er sei gleichsam ein „Vorzeigeangeklagter“ gewesen, der weitere Informationen offenbart habe, die die Staatsanwaltschaft indes nicht weiterverfolgt habe. Der Angeklagte habe zudem zu erkennen gegeben, dass er bereit sei, sich einer Therapie zu unterziehen.

An dem zweiten Prozesstag haben zunächst Polizeibeamte als Zeugen Einblicke in ihre Ermittlungsarbeit gegeben. Der Angeklagte sei dabei durchaus kooperativ gewesen, als es um Passwörter oder andere Codes für die Datenträger ging, auf denen er „mehrere Tausend kinderpornografische Bilder“ gespeichert habe. Die Ermittlungen hatten unter anderem den Verdacht bestätigt, dass der 24-Jährige Fotos und Videos von den Mädchen in eindeutigen Posen gemacht habe. Ein psychiatrischer Gutachter führt als Sachverständiger aus, er habe keine Hinweise auf irgendeine Art von Psychose gefunden. Er müsse aufgrund der Aktenlage davon ausgehen, dass der Angeklagte schon mehrere Jahre Kinderpornografie konsumiert habe.

Intensive Psychotherapie empfohlen

Der 24-Jährige hatte bei der Untersuchung keine Angaben zu den Anklagevorwürfen und seinen möglichen Motiven gemacht. Der Gutachter hielt eine intensive Behandlung für erforderlich, ohne die aus seiner Sicht keine positive Prognose entwickelt werden könne. Dazu sei auch die Offenlegung der sexuellen Fantasien unverzichtbar. Dazu empfehle er eine Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie. Ein „Feedback von außen“ sei notwendig, damit der Angeklagte „das Fehlverhalten und die Grenzüberschreitungen selbst einordnen kann“.

Der Vorsitzende Richter greift die Anregung auf. „Pädophilie ist keine Krankheit. Da müssen Sie schon an sich arbeiten.“ Das Urteil soll am 11. Juli verkündet werden. Weiterlesen: Berichte aus den Gerichtssälen


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