Ausstellung regt zur Reflexion an Briefe gegen das Vergessen in Hasbergen

Von Lea Birke

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lbi Hasbergen. Am Sonntag wurde die Wanderausstellung „Warum schreibst du mir nicht? – Post aus dem Vergessen“ in der Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen eröffnet.

„Warum schreibst du mir nicht?“ Diese Frage begegnet Besuchern der Gedenkstätte Augustaschacht seit Sonntag, 24. Juni. Die Wanderausstellung „Post aus dem Vergessen“ zeigt Briefe aus den Jahren 1933 bis 1945 und bietet persönliche Einblicke in das Leben einiger Opfer des Nationalsozialismus.

Dr. Michael Gander ist Geschäftsführer der Gedenkstätte, die sich in den Gebäuden des ehemaligen Arbeitserziehungslagers Ohrbeck in Hasbergen befindet. Gemeinsam mit weiteren Rednern eröffnete er am Sonntag die Ausstellung.

Was Menschen Menschen antun

Die Idee dazu hatte die Niederländerin Mirjam Huffener im Jahr 2004. Sie entstand im Austausch mit dem Briefmarkensammler Bennie Vlaskamp, der auf Flohmärkten Briefe und Briefmarken aus der Zeit des Nationalsozialismus gefunden hatte. Huffeners Mutter diente als Inspiration und als Namensgeberin der Lotty Veffer Foundation, welche die Ausstellung organisiert. Lotty Veffer hatte als junge Frau die Gefangenschaft in Auschwitz überlebt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen fünf Personen, „mit deren Briefmarken allein sich ganze Geschichten erzählen lassen“, so Mirjam Huffener. Die Briefe erzählen von ihrer Inhaftierung, ihrer Zeit im Lager, Flucht und Widerstand, aber auch von ihren Familien und Beziehungen. Henk Willem Gaertman ist der Sohn eines Gefangenen, der in Ohrbeck ums Leben kam. Im Rahmen der Eröffnung berichtete er von der Geschichte seiner Eltern und sagte: „Es ist erschreckend, was Menschen anderen Menschen antun. Wir müssen das Geschehene reflektieren, damit wir daraus lernen und weiterhin in Freiheit leben können.“

Über aktuelle Bezüge nachdenken

In der Form, in der sie heute in Hasbergen zu besichtigen ist, fand die Ausstellung zum ersten Mal 2015 in den Niederlanden statt, seit 2017 gibt es sie auch auf Deutsch. „Die Zweisprachigkeit erweitert die nationale Erinnerungskultur und ermöglicht den gemeinsamen Besuch für Menschen aus verschiedenen Ländern“, erklärte Michael Gander.

Besucher haben nach einem Rundgang die Gelegenheit, in einer kleinen Kabine allein ein wenig Zeit zum Nachdenken zu finden und sich mithilfe von Videos eine Meinung zu aktuellen Themen wie Flucht, Diskriminierung und Mobbing zu bilden. „Es geht darum, dass Menschen darüber nachdenken, was um sie herum geschieht. Das passiert heute vor allem in den sozialen Medien oft zu wenig“, sagte Huffener. So habe die Ausstellung einen engen Bezug zur aktuellen politischen Gegenwart.

Durch Projekte mit Schulklassen und mithilfe von Zeitzeugenberichten sollen laut Gander auch in den nächsten Monaten „immer wieder neue Wege entwickelt werden, die Erinnerungen an den Nationalsozialismus an gegenwärtige Generationen weiterzugeben.“

Ausstellung bis 31. Oktober

Die Wanderausstellung ist noch bis zum 31. Oktober in der Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen zu sehen.


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