Urige Landschweine und Hochlandrinder ziehen zu den Schafen am Wilkenbach Die tierische WG ist nun komplett

Von Carolin Hlawatsch


Hasbergen/Osnabrück. Das in Niedersachsen, ja vielleicht sogar deutschlandweit einzigartige Beweidungsprojekt am Regenrückhaltebecken Wilkenbach auf der Grenze zwischen Osnabrück und Hasbergen hat nun richtig Fahrt aufgenommen. Am Donnerstag bekamen die, seit Februar dort grasenden Schafe Gesellschaft von zwei Schottischen Hochlandrindern und sechs Schwäbisch-Hällischen-Landschweinen.

„Dann wollen wir mal die Sau raus lassen“, meinte Jan-Philip Kunath, Geschäftsführer des Vereins Weidelandschaften e.V. augenzwinkernd und öffnete den Transporter. Vor den Augen der Projektpartner – Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde von Stadt und Landkreis Osnabrück sowie Hasbergens Bürgermeister Holger Elixmann – trippelten sechs quirlige Ferkel über die Rampe in das Gras. Neugierig inspizierten die Ende Januar 2018 auf dem Schulbauernhof Ummeln geborenen Schweinchen ihr neues Zuhause. „Die fangen direkt an zu arbeiten“, meinten die entzückten Beobachter als die Ferkel ihre Nasen in das Erdreich steckten und zu wühlen begannen.

Schweine suchen in der Erde nach Würmern und Wurzeln, lockern auf diese Weise die Bodendecke und sorgen für bereichernde Strukturen im Naturbild. „Sogar Samen lange verschollener Pflanzenarten, die sich im Boden gehalten haben, können so wieder zum Leben erweckt werden. Mit Spannung warten wir also darauf, was auf der Fläche demnächst wachsen wird“, berichtete Martin Schniederbernd von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Doch Schweine sind Allesfresser und nehmen auch, genau wie ihre Pflanzenfresser-Nachbarn, die Rinder und die Schafe, Gras und junge Triebe auf. „Die Tiere verhindern Verbuschung und Verbrachung dieses ursprünglich halboffenen Grünlands und natürlich auch das Zuwachsen des Regenrückhaltebeckens“, erläutert Ansgar Niemöller, Untere Naturschutzbehörde Stadt Osnabrück. „Sie erledigen die Arbeiten, die sonst wir mit schwerem Gerät übernehmen müssten, und sie machen das auf wesentlich naturschonendere Weise“.

Neben den Aspekten Naturschutz und Landschaftspflege kommt das Beweidungsprojekt auch dem Artenschutz zu Gute. Das Schwäbisch-Hällische-Landschwein ist eine der ältesten Schweinerassen Deutschlands und gehört zu den, vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen. Ihr Schutz, ihr Einsatz und ihre Zucht verhindert den Verlust von wertvollen genetischen Ressourcen und Kulturgut. Viele alte Nutztierrassen liefern nicht so viel Fleisch, Milch und Eier wie die modernen Züchtungen. Deswegen sind sie heute von den Höfen verdrängt und aus unserem Landschaftsbild verschwunden. Dabei sind Arten wie die am Wilkenbach lebenden Schwäbisch-Hällischen-Landschweine oder rauwolligen Pommerschen Landschafe robust und anspruchslos, langlebig und widerstandsfähig gegen Krankheiten, die Qualität ihrer Produkte hochwertig.

„Wir haben schon jetzt Vorbestellungen für das Fleisch der Schweine“, berichtet Jan-Philip Kunath. Sein Verein Weidelandschaften, zu dessen Anliegen auch die Umweltbildung gehört, plant mit Schülern die Schweine im Herbst mit Eicheln zu füttern. „Das beeinflusst den Fleischgeschmack positiv“, so Kunath. Noch bis in das 20. Jahrhundert hinein wurden Schweineherden zur Eichelmast stets in die Wälder getrieben. Doch bevor vier der sechs Schwäbisch-Hällischen-Landschweine im November geschlachtet werden, haben sie ein halbes Jahr artgerechtes Leben inmitten der Natur mit viel Auslauf vor sich. Zwei Sauen werden den Winter in Osnabrück in einem Stall von Weidelandschaften verbringen und im nächsten Jahr zur weiteren Zucht eingesetzt. „Es wäre toll, wenn es mit dem Nachwuchs klappt und wir dann eines der Schweinchen unserer Nachbargemeinde Hagen zum Ferkelmarkt 2019 überreichen könnten“, meinte Bürgermeister Elixmann.

Spaziergänger die die, mit ihrem schwarzen Kopf, hellen Bauch und schwarzem Hinterteil außergewöhnlich aussehenden Schwäbisch-Hällischen am Wilkenbach beobachten möchten, sollten sich auf die Kernzone des zirka dreieinhalb Hektar großen Areals konzentrieren. Kann es vorkommen, dass Schafe oder Hochlandrinder direkt am Weidezaun stehen, leben die Schweine quasi auf einer Insel innerhalb der Fläche. Durch einen Innenzaun sind sie von den anderen Tieren getrennt. Für das Beweidungsprojekt mussten strenge Auflagen des Veterinäramts eingehalten werden, vor allem um die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest auszuschließen. Ein elektrischer Doppelzaun soll verhindern, dass die Landschweine in Kontakt mit Wildschweinen kommen, die den Virus möglicherweise übertragen könnten.


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