„Davon könnten wir mehr gebrauchen“ Ministerpräsident Weil lobt integrativen Markt in Hasbergen

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Hasbergen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat sich beim Besuch des Hasberger Supermarkts „nah & frisch“ am späten Dienstagnachmittag begeistert vom integrativen Konzept gezeigt und betonte: „Davon könnten wir mehr gebrauchen.“

Beim Gespräch mit dem ersten der 14 fest angestellten Mitarbeiter war Weil gleich auf einer Wellenlänge. Der Grund lag auf der Hand: Rollstuhlfahrer Ergün Alkan eröffnete ihm, dass er selbst SPD-Parteimitglied ist, und bot ihm daher direkt das „Du“ an, weil man sich unter Genossen eben duze. Weil schmunzelte und fragte ihn, wie lange er täglich arbeite. Alkan entgegnete wie selbstverständlich: „Acht Stunden, aber eine halbe Stunde mache ich auch Pause.“ Am Anfang sei die Arbeit noch etwas gewöhnungsbedürftig gewesen, aber mit der Zeit werde er immer schneller.

Der Prokurist der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO), Jörg Richter, erläuterte, dass beide Kassen für einen fünfstelligen Betrag so eingerichtet wurden, dass sie barrierefrei zu erreichen sind. Versorger Markant hatte bei der Suche nach der passgenauen Einzelanfertigung geholfen, weil der Lebensmittelhändler in Niedersachsen schon andere integrative Supermärkte betreibt, in denen es auch bereits Sonderanfertigungen gibt.

„Menschen werden für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht“

Der Wallenhorster SPD-Landtagsabgeordnete Guido Pott stellte heraus, dass der Hasberger Markt für ihn eine Vorbildfunktion für das Land habe. Er sprach von einer „Win-win-Situation“, weil einerseits die Nahversorgung für die Bürger in Hasbergen-Gaste sichergestellt werde und andererseits „Menschen für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden“. Pott erinnerte daran, dass die Eröffnung des Markts vor zwei Jahren ein Segen für Hasbergen gewesen sei, nachdem der vorherige Supermarkt „NP“ aufgrund zu geringer Verkaufsfläche und der zu schwachen Nachfrage keine Zukunft mehr an dem Standort gesehen hatte.

( Weiterlesen: Hasbergen-Gaste bekommt einen neuen Supermarkt)

„Warum gibt es das denn nicht öfter?“

Weil stellte heraus, dass ihm das Konzept neu sei. So habe er bereits Dorfgenossenschaften besucht, die einen Dorfladen betreiben, wenn sich Supermärkte mangels Nachfrage aus dörflichen Regionen zurückziehen, aber diese Idee stelle für ihn ein Novum dar. „Toll“, lobte er und wollte in Erfahrung bringen: „Warum gibt es das denn nicht öfter?“ Ilona Schewe, Bereichsleiterin der Osna-Integ, die den Markt als Tochtergesellschaft der Heilpädagogischen Hilfe betreibt, antwortete: „Weil es so viel Geld kostet und weil es schwierig ist, so etwas umzusetzen.“ HHO-Prokurist Richter ergänzte: „Insgesamt werden weniger als zehn Prozent der Kosten vom Land erstattet.“ Ziel dieses Marktes sei, kostendeckend zu arbeiten. Es fehle nicht mehr viel, bis der Hasberger „nah & frisch die „schwarze Null“ erreiche.

Schewe machte deutlich, dass sieben der 14 angestellten Mitarbeiter Menschen mit Behinderungen sind. Zurzeit würden 30 Prozent des Gehalts dieser sieben Mitarbeiter von der sogenannten „Ausgleichsabgabe“ bezahlt. Das könne sich aber von Jahr zu Jahr ändern. „Daher würden wir uns wünschen, dass das Land für eine langfristige Planbarkeit sorgt“, ergänzte HHO-Prokurist Richter.

Weil versprach, die Forderung zu prüfen. Auf Nachfrage, warum er Dienstagnachmittag überhaupt den „nah & frisch“ besuchte und nicht bereits am Rundgang über die Landesgartenschau in Bad Iburg teilnahm, entgegnete der Ministerpräsident, er werde im kommenden halben Jahr noch oft genug in Bad Iburg sein und müsse sich nicht direkt alles beim ersten Besuch anschauen.

„Wir haben offenbar einiges richtig gemacht“

Richter zeigte sich begeistert, dass die Landespolitik dem integrativen Vorzeigeprojekt der HHO-Tochtergesellschaft eine solche Wertschätzung schenkt. Er verwies darauf, dass im vergangenen Jahr bereits die damalige Sozialministerin Cornelia Rundt vor Ort war: „Und jetzt auch noch der Ministerpräsident. Wir haben offenbar einiges richtig gemacht.“


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