Gedenkfeier am Augustaschacht in Ohrbeck „Erinnerungskultur darf nicht zur Floskel werden“

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Hasbergen. Der Befreiung des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck vor 73 Jahren gedachten Teilnehmer einer Veranstaltung in der Gedenkstätte Augustaschacht. In seinem Vortrag ging der Bremer Historiker Marcus Meyer auf die Verquickung von bremischen Unternehmen mit dem dortigen Lager Bunker Valentin ein.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Gedenkstättenvereins Augustaschacht und Gestapokeller Georg Hörnschemeyer hatte Anette Meyer zu Strohen, Beigeordnete der Stadt Osnabrück, Grüße von Rat und Verwaltung überbracht. Infolge intensiver historischer Forschung sei es gelungen, aufzudecken, wie die Lager funktioniert haben. „Wir wissen ganz genau, was sich dort abgespielt hat“. Dieses Wissen sei fester Bestandteil der heutigen Erinnerungskultur.

„Erinnerungskultur darf aber nicht zur Floskel werden, sondern muss ein Stachel im Fleisch bleiben“ – so lautete das Resümee des Bremer Historikers Meyer im Nachklang seines Vortrags, den er anlässlich der Gedenkfeier im Augustaschacht gehalten hatte. Der wissenschaftliche Leiter des Denkorts „Bunker Valentin“ in Bremen war unter anderem der Frage nachgegangen, in welchem Ausmaß bremische Unternehmen am Betreiben des dort angesiedelten Arbeiterziehungslagers beteiligt waren und zu einer bestürzenden Antwort gekommen.

Unternehmer als treibende Kraft

„Das Lager ist auf Betreiben lokaler Firmen entstanden, die sich über die Arbeitsmoral der bei ihnen beschäftigten Zwangsarbeiter beschwerten“, erklärte er. Daran sei auch die Bremische Handelskammer beteiligt gewesen, die sich eine „abschreckende Wirkung auf Bummelanten und Arbeitsscheue davon erwartete“ und dabei wohl nicht enttäuscht worden ist. Bis zu 8000 Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge waren beim Bau des Bunkers Valentin eingesetzt, einer U-Boot-Werft im Stadtteil Farge, zu der auch das Lager gehörte. Entbehrungen, Hunger, Folter und andere Grausamkeiten für die dort Untergebrachten hatten sich schnell herumgesprochen und der Spruch „„Wenn du nicht gehorchst, dann kommst du nach Farge“, hatte sich noch nach Kriegsende gehalten.

Meyer schlug einen Bogen zum Lager in Ohrbeck, das damals ähnliche Ergebnisse hatte zeigen sollen. Hier war es das Stahlwerk, in dem die Zwangsarbeiter unter heute kaum mehr vorstellbaren Bedingungen eingesetzt wurden. Ob es allerdings direkte Verbindungen zwischen diesen beiden Orten innerhalb des Unrechtstaates gegeben hat, wie der Historiker zumindest vermutet, darüber hat die Forschung noch keine Anhaltspunkte liefern können.

Nachhaltig brutal

Beklemmend für die Anwesenden war anschließend der Inhalt eines Briefes, den der Sohn eines an den Folgen der Lagerhaft verstorbenen Niederländers verfasst hat. Der Enkelsohn des Verfassers, Vincent van der Meer, trug den Text in seiner Muttersprache vor, Michael Gander, Geschäftsführer der Gedenkstätte, las die Übersetzung ins Deutsche. Hierbei wurde deutlich, wie nachhaltig die Brutalität der Bewacher auf die Lagerinsassen eingewirkt hatte. Vincent van der Meer hat bisher bereits zweimal am internationalen Sommercamp an der Gedenkstätte in Ohrbeck teilgenommen. Zum Abschluss der Gedenkfeier begaben sich die Anwesenden zum Mahnmal, wo eine Schweigeminute abgehalten und Blumen niedergelegt wurden.


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