Spielraum Natur Konzept Waldkindergarten für Hasbergen geeignet?

Von Carolin Hlawatsch


Osnabrück/Hasbergen. Die Kinder im Sutthausener Waldkindergarten Hörner Bruch der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) spüren den herannahenden Frühling. Sie haben „feine Antennen“ für die Natur, schließlich spielen sie täglich unter Bäumen, inmitten von Laub oder Vogelgezwitscher. Waldkindergärten verfolgen ein besonderes Konzept – möglicherweise auch in Hasbergen?

„Das ist das Mädchen-Tippi. Hier dürfen nur wir rein. Das Jungs-Tippi ist dort drüben“, rufen Mili (3) und Ilvie (3) ihren Kindergarten-Freunden zu. Zusammen mit Erzieherin Christiane Wessel toben alle auf dem „Budenplatz“, einem der fünf Spielräume im Hörner Bruch. „Wie der Name schon verrät, werden hier Buden aus Naturmaterialien wie Ästen und Laub gebaut“, erklärt Christiane Wessel. Die Tages-Entdeckertour geht weiter zum „Moosplatz“, später zur „Großen Kuhle“, in der die Kinder klettern und kullern können. Ein weiterer Spielraum des Waldkindergartens wird „Erdhügel“ genannt. Der Name ist Programm, hier wird gebuddelt, Archäologe gespielt oder eine Murmelbahn für Kastanien angelegt. Die Spielräume sind weder durch Wände noch durch Zäune eingegrenzt. Blaue, an die Bäume gemalte Häschen zeigen den Kindern den jeweiligen Raum an, indem sie sich frei bewegen dürfen. Aber eigentlich steht ihnen ja der gesamte, fünf Hektar große Mischwald zum Entdecken und Erleben zur Verfügung, eine Fläche so groß wie sieben Fußballfelder. Je nach Wetter, Temperatur, Lust und Laune durchwandern sie das Gebiet oder bleiben den Vormittag über an einem der Spielorte.

Getakteter Alltag

Treffpunkt für den Start in den Waldkindergarten-Vormittag ist stets das Lager mit zwei gemütlichen, möblierten und im Winter beheizten Bauwagen, Biotoilette und Lagerfeuerstelle mit Brotbackofen. Hierher bringen die Eltern ihre Kinder gegen 8.30 Uhr und holen sie um 12.30 Uhr wieder ab. „Als Waldkindergarten dürfen wir nicht länger als vier Stunden öffnen, plus jeweils eine halbe Stunde Sonderöffnungszeit“, erklärt Annette Kobbe-Liekam von der HHO die gesetzlichen Vorschriften. Die Eltern geben ihren Sprösslingen einen Rucksack mit Trinkflasche mit auf den Weg, eine Isomatte, festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung. Dann steht den Tierbeobachtungen, Naturbasteleien oder Waldwege-Wettrennen nichts mehr im Weg. Gefrühstückt wird zweimal im Laufe des Morgens, denn so viel Bewegung an der frischen Luft macht hungrig. Doch auch ruhige Vorlesestunden und vorschulische Lese-Schreib- und Hörübungen im Bauwagen gehören dazu. Regelmäßig besucht Bezirksförster Frank Berstermann die Kinder und führt sie an verschiedene Naturthemen heran und mehrmals im Jahr geht es hinaus aus dem Wald, hinauf auf das nahe Erdapfelfeld, zum Pflanzen oder Ernten im Rahmen des Kartoffelacker-Projekts des Vereins Weidelandschaften.

Umwelterziehung bei Wind und Wetter

Alle 15 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren sind wahre Frischluftfans, genau wie das pädagogische Team mit Kindergartenleiterin Nicole Wilhelm, Erzieherin Christiane Wessel und Sozialpädagogin Astrid Laumann. Nur bei Sturmwarnung, anhaltendem Gewitter oder Temperaturen ab minus 12 Grad nutzen sie die Ausweichmöglichkeiten in Räume der Grundschule Sutthausen. Ob sie das viele Draußensein „abhärtet“, sie nicht so anfällig für Erkältungen macht, vermag das Waldkindergarten-Team nicht genau zu sagen. Gesund und Immunsystem-stärkend seien die Vormittage auf dem „Spielplatz Wald“ sicherlich. Sie stärken zudem soziale Kompetenz und Umweltbewusstsein. Schwere Hölzer für den Bau von Buden und Wippen können nur gemeinschaftlich getragen werden, der Duft des feuchten Waldbodens, die Geräusche eines klopfenden Spechts schärfen die Sinne für die Natur. Das „Begreifen“ und Kennenlernen des Waldes im Spiel sei, so die Pädagogen, die einfachste Form der Umwelterziehung.

Betreuungsplätze schaffen und Kosten sparen

Am 12. März besuchte eine Delegation der CDU Hasbergen die Einrichtung, da eventuell ein ähnliches Angebot in ihrer Gemeinde entstehen soll. „Wir haben den Eindruck, dass die Begeisterung der Eltern für ein solches, naturnahes Kindergartenmodell auch in Hasbergen groß sein kann“, meint Fraktionsvorsitzende Susanne Breiwe nach dem Besuch im Hörner Bruch. Hasbergen benötige weitere Kindergartenplätze. Insbesondere die vom Land Niedersachsen beschlossene Beitragsfreiheit ab Sommer, könne den Druck auf die Plätze erhöhen. Mit der Einrichtung eines Waldkindergartens ergäben sich nicht nur Betreuungsplätze, es würden auch Kosten gespart. „Die große Investition für einen Neubau fiele weg“, erklärt Breiwe. Ob sich der Hüggel als Areal für einen Waldkindergarten eigne, sei ungewiss, denn sein Gebiet gehöre vielen privaten Waldbesitzern. (Weiterlesen: Hohn und Spott für CDU-Vorschlag)

Infoveranstaltung am 12. April

Nachdem die HHO zusagte, auch für einen Waldkindergarten in Hasbergen die Trägerschaft zu übernehmen, soll nun erstmal ein Meinungsbild der Eltern eingeholt werden. Dafür veranstaltet die CDU am Donnerstag, 12. April um 19.30 Uhr einen öffentlichen Informationsabend in der „Wulfskotten Diele“, Osnabrücker Straße 46 in Hasbergen. Als Referenten sind Erlebnispädagogin Wiebke Stenzel, deren Sohn früher den Waldkindergarten Hörner Bruch besuchte und Franz-Josef Schwack, ehemaliger Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses der Stadt Osnabrück eingeladen.