Neue Pfarrei in Hasbergen und Osnabrück „Fusion von Kirchengemeinden ist kein Eintopf“

Von Stefan Buchholz

Eine Pfarrei, drei Gemeinden aber kein Eintopf - Das war das Rezept, das die Fusion der katholischen Kirchengemeinden gelingen ließ, meint Pfarrer Christoph Baumgart. Foto: Stefan BuchholzEine Pfarrei, drei Gemeinden aber kein Eintopf - Das war das Rezept, das die Fusion der katholischen Kirchengemeinden gelingen ließ, meint Pfarrer Christoph Baumgart. Foto: Stefan Buchholz

Hasbergen. Bald 100 Tage ist die katholische Kirchengemeinde St. Josef mit den Osnabrücker Gemeinden St. Wiho und St. Elisabeth fusioniert. Pfarrer Christoph Baumgart über die Abwesenheit von Masterplänen, Hakeleien und kritische Massen.

„Wir haben früh angefangen, uns auf den Weg zu machen“, sagt der Theologe. Als vormaliger Studentenpfarrer kam er 2007 zu dem Zeitpunkt in die damals noch selbstständige Pfarrei St. Elisabeth, als Bischof Franz Bode just verfügt hatte, dass diese Gemeinde mit den Katholiken in Hellern und Hasbergen fusionieren müsse.

Eine Vorgabe, wie sich bislang selbstständige Kirchengemeinden unter einem Dach zusammenfinden können, gab es nicht. „Ich habe viel gelesen“, erzählt Pfarrer Baumgart rückblickend. Doch ein Masterplan entwickelte sich aus der Lektüre nicht. Aber schon bald die Erkenntnis, dass man sich am besten erst mal kennenlernt.

„Erst Begegnung, dann Strukturen ändern

Das gelang etwa bei der gemeinsamen Firmvorbereitung, weil sich einige Jugendliche der drei Gemeinden schon vom gemeinsamen Besuch der Osnabrücker Schulen kannten. Zudem beförderten gemeinsame Fahrten nach Rom und Polen das Kennenlernen. Im Aufeinanderzugehen tagten alle 60 Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte der Gemeinden an einem Wochenende gemeinsam, besuchten zusammen ihre jeweiligen Kirchen, berichtet Baumgart. Die Formel „Erst Begegnung, dann Strukturen ändern“ sei in dem zehnjährigen Fusionsprozess „das A und O“ für die drei Gemeinden gewesen.

Natürlich hakte es auch zwischendurch. Die Veränderung lieb gewonnener Gottesdienstzeiten gefiel nicht allen. Wie kann aber ein Gottesdienst pro Kirche garantiert werden, wenn bei nur zwei Geistlichen einer krank wird und eine Vertretung nicht da ist? „Also haben wir die Zeiten ändern müssen, damit zur Not einer von uns alle drei Gottesdienste halten kann“, erklärt Baumgart.

Familienfreundliche Zeiten für Gottesdienste

Bei der Veränderung der Zeiten habe er offen um Vorschläge gebeten. Doch die kamen nicht. „Dann habe ich mir angeschaut, wie viele Sitze sind in der Kirche, welche Altersstruktur ist da, und wie viele Kinder gibt es.“ Danach wurden familienfreundliche Zeiten für die Gottesdienste festgelegt.

Erste Versuche, jede der drei Gemeinden für sich zu belassen und noch etwas Viertes, Gemeinsames zu schaffen, zeigten sich als nicht tauglich. „Da haben wir schnell gemerkt: Das schaffen wir nicht.“ Stattdessen legt man zusammen. Im Alltag: wenn für die Feste der anderen die eigenen Bierbänke zur Verfügung gestellt werden. Und finanziell: Ab jetzt gibt es für alle drei Gemeinden nur noch ein Konto. Behalten haben die Hasberger ihr Pfarrbüro. Zentrale Chroniken, wie etwa das Führen des Taufregisters, werden ab jetzt aber von St. Elisabeth für alle gemanagt. Dennoch ist in der neuen Pfarrei klar: „Fusion bedeutet nicht Eintopf, sondern Differenzierung“, so der Theologe

Vorteile des Zusammenschlusses

Chancen biete der Zusammenschluss, weil bei Veranstaltungen nun schneller eine „kritische Masse“ zusammenkomme, wie Baumgart es nennt. Sein Beispiel: Aus dem zentralen Abend für die Väter der Kommunionkinder ist ein Väterkreis entstanden. Der hätte sich bei drei Terminen in den jeweiligen Gemeinden vielleicht nicht so rasch gebildet. Die Fusion wird im Sommer an zwei Tagen gefeiert. Am Samstag, 16. Juni, mit einer Abendmesse um 18 Uhr in St. Wiho. Anschließend gibt es einen Dämmerschoppen, Live-Musik und ein Kickerturnier. Am Sonntag, 17. Juni, feiert Bischof Franz-Josef Bode um 11.15 Uhr eine Open-Air-Messe in St. Elisabeth. Anschließend geht es in einem Fahrradkorso zur St.-Wiho-Gemeinde, wo das Pfarrfest inklusive WM-Public-Viewing weitergeht.