Lernen durch Wahrnehmung Wenn das Häschen aus dem Säckchen hoppelt

Von Robert Schäfer


Hasbergen . Geschichten und Lieder in kleine Säckchen verpackt – das ist eine Möglichkeit, kleine Kinder spielerisch zu fördern, ihnen mathematische Grundbegriffe beizubringen und ihren Wortschatz zu stärken. Bei einem Seminar in Hasbergen stellte die Volkshochschule Osnabrück-Land ein Konzept dafür vor.

Wie kann man Kinder fördern, ohne sie zu überfordern? Darauf wollte Sanja Faustmann mit einem Seminar der VHS Osnabrück-Land in Hasbergen kreative Antworten geben. Erzieherinnen, Tagesmütter und Mütter interessierten sich für die Ideen, mit denen die Wahrnehmung und dadurch auch die kognitiven Fähigkeiten der Kinder verbessert werden sollen.

 

Bereits kleine Kinder und Babys lernen grundsätzlich sehr gern. Sie haben Spaß daran, Neues kennenzulernen. Am liebsten lernen sie ganz entspannt beim Spielen und Ausprobieren. Hier können sich Eltern und Erzieher einbringen. Sie haben die Kinder immer wieder in Situationen, in denen sie mit ihnen gezielt spielen und lernen können, während das Kind selbst nicht aktiv sein kann. Baden, Wickeln, Frühstück, der Morgenkreis – es gibt viele Momente im Alltag eines Kindes, die sich hierfür anbieten.

Mit Geschichten fördern

 

Doch wie macht man das am besten? „Mit Geschichten fördern“, schlägt Faustmann vor. Auch Lieder und kleine Spiele eignen sich dafür. Der Wortschatz lässt sich so beispielsweise sehr gut erweitern aber auch das mathematische Verständnis herausbilden. Vom „Häschen in der Grube“ bis hin zu kleinen Geschichten über Tiere und Menschen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Klassische Kindergeschichten funktionieren genauso gut wie selbst Ausgedachtes.

 

Ein Säckchen pro Geschichte

Damit sich die Inhalte noch besser einprägen, untermalt Faustmann ihre Geschichten mit Figuren und kleinen Settings. Alles, was gesungen oder erzählt wird, wird gleichzeitig vorgespielt. Die Requisiten lagert Faustmann in kleinen Säckchen. Für jede Geschichte eines. Diese können dann in den jeweiligen Bereichen gelagert werden, in denen die Geschichten erzählt werden sollen, am besten so, dass die Kinder die Säckchen sehen können. So können sie immer sagen oder zeigen, welche Geschichte oder welches Lied sie jetzt hören möchten. Natürlich funktioniert das mit kleinen Kästen oder anderen Päckchen genauso gut.

Wiederholungen prägen den Lernerfolg

 

Allerdings müssen sich die Erwachsenen immer genau an ihre Geschichte halten. „Die Kinder merken sich das ganz genau“, berichtet Faustmann. „Sie wissen ganz genau, welches Tier wann kommt und was als Nächstes passiert.“ Diese beständige Wiederholung prägt den Lernerfolg im kindlichen Gehirn ein. Wichtig sei auch, dass die Geschichten an die Aufnahmefähigkeit des Kindes angepasst sind. „Geschichten mit einer Person sind für Kinder mit einem Jahr geeignet, mit zwei Jahren können zwei Personen auftreten und bei Drei- bis Vierjährigen können die Geschichten komplexer werden und auch eine Moral enthalten“, gibt Faustmann als grobe Regel an. Mengenbezüge seien von Anfang möglich und sinnvoll. Kleine Zählspiele, beispielsweise mit Kühen auf einer Weide, machen den Kindern Spaß und schulen ganz nebenbei ihr Verständnis von Zahlen.

 

Bei den Spielmaterialien in den Säckchen ist die Kreativität der Eltern gefragt. Gekaufte Figuren aus Holz oder Kunststoff, Selbstgebasteltes aus Stoff, Papier oder anderen Materialien und auch Dinge, die man gerade zur Hand hat, können eine Geschichte erzählen. Ein grüner Waschlappen wird so zur Wiese, auf der ein kleines Holzschaf weiden kann. Allerdings sollten sich die Erwachsenen beschränken, meint Faustmann. „Weniger ist mehr“, empfiehlt sie. Auf zu komplexe Aufbauten sollte lieber verzichtet werden.