Nach 28 Jahren Bagger reißt Hasberger Flüchtlingsbaracke ab

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Hasbergen. Die Holzunterkunft für Flüchtlinge am Bahnhof ist Geschichte: Ein Bagger machte dem Gebäude am Mittwochmorgen den Garaus. Nach 28 Jahren war der Holzbau schlichtweg abgängig.

Der DX 255 kann rabiat und filigran sein. Zwar nicht gleichzeitig, aber immerhin. Das traut man dem 25-tonnenschweren Bagger auf den ersten Blick gar nicht zu. Die Kunst, mal in Sekunden ein klaffendes Loch in die Holzunterkunft zu reißen, dann eine kleine Heizung aus dem Gewirr von Wand-, Boden- und Dämmmaterial mit der badewannengroßen Schaufel herauszuklauben, liegt im Vermögen von Günther Schürmann. Der Baggerführer der Firma Heitbrink sortiert mit seinem Koloss schon mal vor. Eigentlich braucht Schürmann für den reinen Abriss höchstens einen Vormittag. „Es wird aber noch nach Holz und Müll getrennt“, erklärt er. 

Was er mit der Baggerschaufel nicht trennen kann, erledigen zwei seiner Kollegen. Der Müll komme danach in eine Verbrennungsanlage. Entweder nach Bielefeld oder ins deutsch-niederländische Grenzgebiet. Je nachdem, welche Kapazitäten die Firmen gerade haben, sagt Schürmann. Beim Holz sei es genauso: Das bringe er entweder nach Engter oder nach Preußisch-Oldendorf. „Dort macht man noch Spanplatten daraus.“

Holzbau war abgängig

Ein letztes Bild von der Holzunterkunft macht Manfred Landwehr mit der Handykamera. Der Hausmeister sieht nicht traurig aus, dass der DX 255 der Holzunterkunft zu Leibe rückt. Landwehr nickt nur auf die Frage, ob die Unterkunft zum Schluss tatsächlich nicht mehr zumutbar war. Er zeigt etwa auf die dünnen Böden – und beginnt zu erzählen, wie er über den Fußball und eine passende Ansprache die Flüchtlinge dazu bewegen konnte, dass gemeinschaftlich erledigte Aufgaben die Wohnqualität in der Unterkunft verbessern.

Dennoch: Der Holzbau war abgängig, sagt Bürgermeister Holger Elixmann. „Holz und Wasser gehen nicht über Jahrzehnte zusammen.“ Und wäre es nicht zu den großen Zuwanderungswellen von 2015 gekommen, der Bagger hätte das heute 28 Jahre alte Gebäude vermutlich schon eher abgerissen.

Ehemalige Bewohner in der Rothenburg untergebracht

Einige ehemalige Bewohner sind in der sogenannten Rothenburg untergekommen. Die ehemalige Hotelgaststätte wird aber auch geschlossen. „Bei einer Anwohnerversammlung im Pfarrgemeindehaus habe ich den Teilnehmern versprochen, dass die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft bei halbwegs kalkulierbarer und kontrollierbarer Zuwanderung mit dem 31. Juli beendet wird. Diesen Termin werden wir halten können.“

Bis dahin soll dann – idealerweise – eine neue Unterkunft just an der Stelle stehen, wo derzeit der Bagger Tabula rasa macht. In Containerform: mit neun Wohneinheiten für 18 Menschen.


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