Veränderungen im Schulsystem Mittelpunktschulen in Bad Rothenfelde und Hasbergen vor 50 Jahren eröffnet

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Hasbergen/Bad Rothenfelde. Ende der 1960er Jahre wurden bundesweit und auch im Osnabrücker Land kleine Dorfschulen aufgelöst und die Kinder an sogenannten Mittelpunktschulen zentral unterrichtet.

Nachdem 1964 der Pädagoge, Philosoph und Theologe Georg Picht angesichts des Zustands des deutschen Schulsystems vor einer „Bildungskatastrophe“ gewarnt hatte, kam recht schnell Bewegung in die Bildungslandschaft. Im Bemühen, das Schulsystem zu reformieren und mehr Kindern den Zugang zu umfassender Bildung zu ermöglichen, gewannen zunehmend Zentralisierungsbestrebungen an Gewicht. Der Prozess vollzog sich parallel zur Gebietsreform, die ebenfalls die Zusammenlegung kleiner Orte zu größeren Kommunen zum Ziel hatte: Es waren reformbewegte Zeiten, deren kategorischer Fortschrittsglaube auch Unruhe und Unsicherheit mit sich brachte.

Auflösung einklassiger Schulen

Schulgesetzliche Änderungen verlangten ab 1965 die Zentrierung der Oberstufen an sogenannten Mittelpunktschulen. Allerorten wurden Schulzweckverbände gegründet, die den Bau größerer Schulen in Angriff nahmen. Bad Rothenfelde tat sich zu diesem Zweck mit seinen Nachbargemeinden Erpen, Strang und Aschendorf zusammen und begann umgehend mit den Planungen für einen Schulneubau. Die Sicherung der Finanzierung dauerte etwas länger als die nur 13-monatige Bauzeit. Am 13. März 1968 wurde Einweihung gefeiert.

Schulfreudige Gemeinde

In Hasbergen war bereits am 6. Februar 1968 eine neue Mittelpunktschule eingeweiht worden, Träger war der Schulzweckverband Hasbergen/Ohrbeck. Und auch aus Gaste kamen die Schüler der Jahrgänge 7 bis 9 nach Hasbergen. Insgesamt 350 Schüler besuchten den Neubau an der Schulstraße, dessen „modernen Zweckstil und elegante Form“ die Neue Osnabrücker Zeitung ausdrücklich lobte. Acht neue Klassenräume im Obergeschoss, naturwissenschaftliche Fachräume, Lehrerzimmer, Verwaltung und eine öffentliche Leihbibliothek im Erdgeschoss sowie im Keller eine Lehrwerkstatt und eine Schulküche beseitigten vorerst die bis dahin bestehende „arge Schulraumnot“ der alten Volksschule, so Rektor Heinz Kallert bei der Einweihungsfeier. Die fand mit vielen Honoratioren in der kombinierten Pausen- und Feierhalle statt, deren Größe von 240 Quadratmetern dem Bau nach damaligen Empfinden den besonderen „Pfiff“ gab.

Hasbergen wurde bei der Einweihung der neuen Mittelpunktschule als „schulfreudige Gemeinde“ gelobt, die dritte Schule in Hasbergen werde nicht die letzte sein, versprach im Fortschrittsoptimismus jener Tage Bürgermeister Bardelmeier. Tatsächlich folgten etliche Gebäude an der Schulstraße. Anlass zur Freude gab 1968 auch die Unterschreitung der geplanten Baukosten, die Architekt Dieter Kunisch vermelden konnte. Weil gleichwohl die Finanzierung der Baukosten von 1,2 Millionen DM nicht ganz einfach war, hatte die Elternschaft ein Spendenkonto eingerichtet, damit die Eltern durch Einzahlung ihrer Freude über die neue Schule Ausdruck verleihen konnten.

„Schule mit Kurortcharakter“

Auch in Bad Rothenfelde gelang dem Architekten Werner Rehage, was seinen Kollegen heute nur noch selten gelingt: Er blieb knapp unter der angesetzten Baukostensumme von 990 000 DM. Schulleiter Wilhelm Lindemann lobte die hellen, lichten Räume und die ansprechende Gartengestaltung mit beleuchtetem Springbrunnen, die Zeitung nannte das Ganze eine „Schule mit Kurortcharakter“, die sich vorteilhaft vom benachbarten „Uraltgebäude“ abhebe. Das zweigeschossige Gebäude mit vier Klassenräumen und mehreren Fachräumen inklusive Lehrküche sollte auch für die Erwachsenenbildung genutzt werden.

Die Hälfte der 320 Bad Rothenfelder Schüler durfte sogleich in den Neubau umziehen; im Sommer 1968 folgten die Kinder der 5. und 6. Klasse der Volksschule Aschendorf. Die einklassige Grundschule Aschen/Strang wurde im Sommer 1970 aufgelöst, die zweiklassige Grundschule Aschendorf ein Jahr später. Edmund Tesch, ab 1976 Rektor der Grundschule Bad Rothenfelde: „Diese schulpolitische Maßnahme war nicht unproblematisch, denn viele kleine Gebietskörperschaften verloren ihren identitätsstiftenden Mittelpunkt.“

Die Administration hingegen war vollständig von der sich mit großer Schnelligkeit vollziehenden Umstrukturierung des Schulwesens überzeugt: Anlässlich der Einweihung in Bad Rothenfelde sagte Schulrat Pagel aus Osnabrück, die „verträumte Dorfschule unter der Linde“ habe sich überlebt, Bildung vollziehe sich fortan in größeren Bereichen, und nur wenige Wochen zuvor hatte Schulrat Hamann sich in Hasbergen ähnlich geäußert, als er die „alte Dorfschule“ als „von der Entwicklung überholt“ bezeichnete.

Und die Entwicklung ging rasant weiter: In Hasbergen stand die Einführung der Förderstufe bevor, 1973 und 1977 wurden Erweiterungsbauten für steigende Schülerzahlen und zunehmende Differenzierung, unter anderem für die Orientierungsstufe, errichtet. Bad Rothenfelde hingegen beschult seit 1974 nur noch die Grundschüler. Alle Schüler ab der 5. Klasse besuchen seitdem das Schulzentrum in Dissen.


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