Miss Spiri & The Cottage Club Stimmgewaltiger Blues und Jazz am Hüggel

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Hasbergen. Welche Wurzeln der Rock’n’Roll hat, demonstrierten in der Töpferei Niehenke „Miss Spiri & The Cottage Club“. Das Quartett nahm das Publikum mit zu einem musikalischen Ausflug in den nordamerikanischen Blues und Jazz des 20 Jahrhunderts.

Wer der Ansicht ist, dass Weiße sich niemals in den Soul der Schwarzen hineinmusizieren können, sollte schleunigst ein Konzert der münsterländischen Formation „Miss Spiri & The Cottage Club“ besuchen. Festzustellen ist dann, dass es nicht auf die Hautfarbe und Herkunft ankommt, um „den Blues“ zu haben, sondern auf Talent und lange Beschäftigung mit dieser unter die Haut gehenden Musik.

Aus diesem Schatz können alle vier Musiker des Quartetts schöpfen, das in der bewährten Form mit Martin Spoerel (Keyboards), Carsten Hölscher (Kontrabass), Ansgar „Oskar“ Niemöller (Saxofon, Blues-Harp) und Claudia Spiridigliozzi (Gesang) auftrat.

Klangbilder vor dem geistigen Auge

Zunächst ohne Sängerin spielten sich die Instrumentalisten warm. Zum Klassiker „My Baby“ wechselte Niemöller von seinem originalen King-Saxofon (Modell: Super 20) auf das sogenannte Mississippi-Saxofon: eine Blues-Harp. Damit erzeugte er etwa Klangbilder von den überlangen Zügen des nordamerikanischen Westens. Wie viel der Rock’n’Roll aus dem Blues und Jazz aufgesogen hat, demonstrierten die Musiker auch etwa bei Stücken wie „Rocket 88“, das als erste Rock’n’Roll-Nummer gilt.

Fließende Übergänge statt starrer Genregrenzen

Über die Sinnhaftigkeit solcher Zuschreibungen darf sicher spekuliert werden, schöner dagegen ist’s, der Stimme von Miss Spiri zu lauschen. Mit ihrem persönlichen Lieblingslied „At last“ offenbarte die Sängerin den tiefen Soul ihrer Stimme. Die dominierte übrigens auch nicht die hervorragend ausgesteuerte Musik, sondern passte sich gefühlvoll in die Klangfarben der Cottage-Club-Mitglieder ein. Wird sich der Klassiker „Summertime“ je anders interpretieren lassen als in der atemberaubenden Version, die am Samstagabend am Rande des Hüggels zu hören war?

Ausflug in die souligen 60er

Im zweiten Set des über zweistündigen Konzertabends ging die musikalische Reise von den 1950er hinein in auch soulgeprägte 1960er Jahre. „Hallelujah, I love her so“ (Ray Charles), „Sittin‘ on a dock of the bay“ und fulminant: „Ball and Chain“, das zwar dem strengen Zwölftaktschema gehorchte, aber durch Stimme und Blues-Harp wunderbar leicht daraus entfliehen konnte.

Thematisch-musikalisch schließt sich am nächsten Samstag, 3. März, um 20 Uhr das Konzert von „The Silverettes“ an. Die sogenannten Real Rock’n’Roll-Chicks im Stil der Andrew Sisters gastieren zum ersten Mal in der Töpferei Niehenke.


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