Erste Tiere sind eingezogen Beweidungsprojekt an der Grenze Hasbergen-Osnabrück

Von Carolin Hlawatsch


Hasbergen/Osnabrück. Für Schafbock Hansi und seine vier Kumpel war der vergangene Mittwoch ein ganz hervorragender Tag. Als erste Weidetiere durften sie, das vor zwei Wochen neu eingezäunte Areal am Regenrückhaltebecken Wilkenbach in Hasbergen, erkunden – Auftakt zu einem neuen Beweidungsprojekt des Vereins Weidelandschaften zusammen mit der Gemeinde Hasbergen und der Stadt Osnabrück.

„Na kommt schon, auf geht’s“, lockte Jan-Philip Kunath, Geschäftsführer der Weidelandschaften e.V. die fünf Mischlingsschafe vom Transporter. Die wolligen Wiederkäuer zögerten ein wenig, wurden sie doch von einigen Zuschauern und Projektbeteiligten erwartungsvoll beobachtet, unter ihnen Markus Rolf, Untere Naturschutzbehörde Landkreis Osnabrück, Ansgar Niemöller, Untere Naturschutzbehörde Stadt Osnabrück, sowie Hasbergens Bürgermeister Holger Elixmann mit Ratsmitgliedern.

Tierische Landschaftspfleger

Eine dreieinhalb Hektar große Naturfläche, auf der die Grenze zwischen Osnabrück und Hasbergen verläuft, steht Hansi und den anderen Böcken nun zum Grasen und Knabbern zur Verfügung. Die Schafsköpfe ahnen wohl nicht, dass sie dabei nicht nur satt, sondern gleichzeitig auch zu Naturschützern und Landschaftpflegern werden. „Durch ihr Weide- und Laufverhalten verhindern die Nutztiere Verbuschung und Verbrachung dieses ursprünglich halboffenen Grünlands und natürlich auch das Zuwachsen des Regenrückhaltebeckens“, erklärte Markus Rolf. Offene Natur-Areale sind überlebenswichtig für viele Pflanzen- und Tierarten zu dehnen zum Beispiel der Steinkauz zählt, der Kurzrasigkeit braucht um ausreichend Nahrung am Boden zu finden.

Weiteres Vieh folgt

Tierisch rund auf dem Areal geht es dann ab Ende April/Anfang Mai: „Dann ziehen hier vier Schwäbisch-Hällische-Landschweine und zwei Schottische Hochlandrinder ein“, kündigt Jan-Philp Kunath mit Vorfreude an. Dieses Schweinebeweidungsprojekt direkt am Regenrückhaltebecken sei deutschlandweit einmalig. Auch Bürgermeister Elixmann ist schon aufgeregt: „Was wäre das toll, wenn die Schweine dann auch Nachwuchs bekommen und wir ein Kleines unserer Nachbargemeinde Hagen zum Ferkelmarkt zur Verfügung stellen könnten“.

Gesunde Trennung

Aus Sicherheitsgründen und vor allem um die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest auszuschließen, ist das Gelände mit einem elektrischen Doppelzaun umgeben, sodass die Landschweine nicht in Kontakt zu Wildschweinen kommen werden, die den Virus möglicherweise übertragen könnten. Außerdem werden die Schweine quasi auf einer Insel innerhalb der Fläche leben, sind durch einen Innenzaun von den Rindern getrennt.

Tierfreunde unter den Spaziergängern und Anwohner werden ihre Freude an den lustig aussehenden Schwäbisch-Hällischen haben, die mit ihrem schwarzen Kopf, hellen Bauch und schwarzem Hinterteil zu den sogenannten Sattelschweinen gehören und eine, alte, vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse sind. Genau wie die Schafe und Rinder fressen sie Gras, Kräuter, junge Triebe und tragen so mit zur Landschaftpflege bei. Allerdings haben Schweine noch eine andere Eigenschaft: Sie wühlen im Boden nach Würmern und Wurzeln, lockern auf diese Weise die Bodendecke und sorgen für zusätzliche Strukturen im Naturbild und Anreicherung der Pflanzenarten.

Fläche auch für Imker

Holger Elixmann möchte Imkern die Fläche auch für ihre Bienen zur Verfügung stellen, die bei dem entstehenden Artenreichtum, viele Pollen finden und Blüten bestäuben. Schafbock Hansi und Konsorten wird das nicht stören, er hat ein dickes Fell und bekommt sicher keinen Bienenstich.