Gerd Hahn beim Talk am Dienstag Eisenbahngeschichte in Hasbergen und Lotte bebildert

Von Jannik Zeiser


Hasbergen/Lotte. 150 Jahre Eisenbahngeschichte in Hasbergen und Umgebung – Gerd Hahn hat über Jahrzehnte hinweg historische Unterlagen gesichtet, Geschichte aufgearbeitet und viel fotografiert. Beim „Talk am Dienstag“ im evangelischen Gemeindehaus in Lotte gab er einem interessierten Publikum einen Einblick in sein Archiv.

Der Referent aus Hasbergen konnte für seine Präsentation aus einem beachtlichen Fundus schöpfen: Etwa 20.000 Fotos umfasst die Sammlung des pensionierten Polizeibeamten. Seine Leidenschaft für die Eisenbahn begann in früher Kindheit, ist er doch an der Bahnstrecke zwischen Hasbergen und Georgsmarienhütte groß geworden. Im Alter von fünf Jahren erhielt er seine erste Modellbahn, mit dem Dampfzug war er in seiner Schulzeit zum Internat nach Hildesheim gefahren. Das Hobby als Historiker der lokalen Eisenbahngeschichte betreibt er mit Ernsthaftigkeit: In den Achtzigern hat er das Buch „Bahnstation Hasbergen“ zum Thema geschrieben.

Bergbau treibt Eisenbahnentwicklung voran

Das Hasberger Ortsbild werde seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von der Eisenbahn geprägt, erzählte Hahn. Treibender Faktor der Entwicklung war der Bergbau. Um 1866 wurde die Hüggelbahn in Betrieb genommen, ein Teilstück der Verbindung Hasbergen-Georgsmarienhütte und die erste private Eisenbahn Deutschlands. Betreiber war der Georgsmarien-Bergwerks- und Hüttenverein. Bevor es die Bahnverbindung gab, verkehrten täglich hunderte Pferdegespänne zwischen den Orten, um das Erz aus dem Tagebau zu transportieren. Um dieses Transportvolumen zu bewältigen, wurden sogar Fuhrunternehmer aus dem Harz beauftragt. Mit der Hüggelbahn gestaltete sich der Transport effizienter, die Pferdegespanne wurden verzichtbar.

Personentransport spielte in der Anfangszeit der Verbindung kaum eine Rolle, musste aber gewährleistet sein, so eine Auflage für die Genehmigung der Strecke. Daher zog die Hüggelbahn in ihren Anfangszeiten immer auch einen Personenwagen.

Die Perm-Bahn führte durch Osterberg

Auch durch den Lotter Ortsteil Osterberg führte eine Bahnstrecke, konnte Hahn seinem westfälischen Publikum berichten. Die sogenannte Perm-Bahn startete am Permer Stollen bei Ibbenbüren und führte über Velpe und Osterberg zur Verbindung Hasbergen-Georgsmarienhütte. Von der Perm-Bahn ebenso wie von der Hüggelbahn, zeugen heute nur noch die Trassen, die teilweise als Wanderwege verwendet werden. Während der Betrieb der Perm-Bahn bereits im Jahr 1926 eingestellt wurde, war die Hüggelbahn noch bis in die Siebzigerjahre in Nutzung.

Von den ehemals vier Bahnstrecken, die Hasbergen durchzogen, existieren noch zwei: Die Verbindung nach Georgsmarienhütte sowie die Verbindung nach Münster und Osnabrück. Von den einst fünf Bahnhöfen in Hasbergen sind der Staatsbahnhof, der Hüttenbahnhof sowie Wulfskotten noch baulich erhalten und werden von Mietern etwa als Büroräume genutzt.

Papstzug in Lotte

Hahn gab neben der Bahngeschichte auch einige Anekdoten zum Besten. So diente der inzwischen stillgelegte Bahnhof bei Alt-Lotte als Parkplatz für den Papst-Ersatzzug: Papst Johannes Paul II reiste 1980 bei seinem Besuch in Osnabrück zwar per Hubschrauber an. Als alternative Reisemöglichkeit wurde jedoch ein Zug vorgehalten, der in Lotte auf dem Ausweichgleis wartete.

All dies veranschaulichte der Referent anhand unzähliger Bilder. Auf besonderes Interesse stießen Abbildungen historischer Dampfloks, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Höchstform aufliefen, bevor sie von Dieselloks ersetzt wurden. Bis zu 200 Kilometer in der Stunde schafften die schnellsten Modelle in Deutschland.

„Wie hältst du’s mit der Nordbahn?“

Bevor die Zuhörerrunde den Referenten aus ihrer Mitte entließ, musste er sich schließlich der Gretchenfrage für lokale Eisenbahnexperten stellen: „Was halten Sie von der geplanten Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn?“ Gerd Hahn dazu: „Wollen Sie das wirklich wissen? Es ist mir egal.“