„Märchenstunde mit Grimms Märchen“ Hohn und Spott für CDU-Vorschlag zum Waldkindergarten für Hasbergen

Von Jean-Charles Fays

Die CDU erntet für ihren Vorschlag zu einem Waldkindergarten in Hasbergen Hohn und Spott. CDU-Fraktionschefin Susanne Breiwe hatte vorgeschlagen, Kinder bei schlechtem Wetter in einem transportablen Holzwagen unterzubringen, der bislang bei den Weihnachtsmärkten eingesetzt wurde.Archivfoto: Jörn MartensDie CDU erntet für ihren Vorschlag zu einem Waldkindergarten in Hasbergen Hohn und Spott. CDU-Fraktionschefin Susanne Breiwe hatte vorgeschlagen, Kinder bei schlechtem Wetter in einem transportablen Holzwagen unterzubringen, der bislang bei den Weihnachtsmärkten eingesetzt wurde.Archivfoto: Jörn Martens

Hasbergen. Die CDU erntet für ihren Vorschlag zu einem Waldkindergarten in Hasbergen Hohn und Spott. Die CDW spricht von einer „Märchenstunde mit Grimms Märchen“ und verweist darauf, dass auch die Ohrbecker Karnevalisten sich bereits über die CDU-Idee von einer „umgebauten Weihnachtsmarktbude“ für den Waldkindergarten lustig machten.

CDW-Fraktionschef Sönke Siegmann war am Samstag einer von 160 Zuschauern bei der Karnevalssitzung der KG Ohrbeck in der Freizeitlandhalle in Hasbergen und erinnert sich, wie einer der Ohrbecker Karnevalisten den Vorschlag der Hasberger CDU-Fraktionschefin Susanne Breiwe durch den Kakao zog: „Eine umgebaute Weihnachtsmarktbude? Hatte die CDU-Fraktion am Freitag nach dem Bericht über die Herausforderungen der Kinderbetreuung in Hasbergen eine Märchenstunde mit Grimms Märchen?“, zitiert Siegmann einen Ohrbecker Karnevalisten.

Gefundenes Fressen für die Narren

Für die Narren war ihre Idee zur Gestaltung eines Waldkindergartens ein gefundenes Fressen. So hatte Breiwe an einen transportablen Holzwagen erinnert, der bei den Weihnachtsmärkten in den vergangenen Jahren im Einsatz gewesen sei. „Diesen könnten wir gerne zum Aufenthalt für die Kinder bei schlechtem Wetter zur Verfügung stellen“, hatte Breiwe vorgeschlagen — allerdings nicht ohne darauf hinzuweisen, dass geprüft werden müsse, ob „eine Holzhütte die strengen Regeln der Kinderbetreuung erfüllt“. Darüber hinaus hatte sie ausgeführt, dass natürlich auch Umbaumaßnahmen an der Hütte vorgenommen werden könnten, und sie erinnerte daran, dass vor Jahren von Hasberger Kindern und Jugendlichen ein Bauwagen umgebaut worden sei, der sich vielleicht zum Aufenthalt der Kinder eignen könne. Breiwe hatte auf einen Waldkindergarten in Osnabrück-Sutthausen als Vorbild verwiesen.

( Breiwe an einen transportablen Holzwagen erinnert)

Der für den Hüggel zuständige Bezirksförster Frank Berstermann warnt vor großen und kostspieligen jährlichen Anforderungen an die Verkehrssicherungspflicht und weist darauf hin, dass die im Hüggel für einen Waldkindergarten geeigneten Flächen FFH-Gebiet mit strengen Naturschutzregeln sind. Insofern stelle sich allein schon rechtlich die Frage, ob ein solches Projekt umsetzbar ist. Zudem müsse von dem oder den privaten Waldbesitzern mit oft kleinen Flächen ohnehin zunächst eine entsprechende Nutzungsgenehmigung eingeholt werden. Der Landkreis erläutert, dass im Einzelfall geprüft werden müsse, ob eine Umweltverträglichkeit gegeben ist.

„Entweder fahrlässig oder populistisch“

Der ehemalige CDU-Fraktionschef und aktuelle CDW-Fraktionschef Siegmann betont, dass der Hüggel eine „intensive Bergbauvergangenheit“ habe: „Also selbst wenn die Verkehrssicherungspflicht geregelt werden kann, so ist keine der Folgen absehbar, die mit den unterirdischen Orten verbunden ist.“ Selbst ausgewiesene Fachleute warnten auch vor gesundheitlichen Risiken, die besonders mit der starken Zeckenentwicklung und Ausdehnung in der wärmeren Jahreszeit verbunden sei. „Vor diesem Hintergrund schließt sich eine Krippe im Wald für die CDW aus“, resümiert Siegmann und spricht von „wenig durchdachten, romantischen Vorstellungen“. Von Breiwe sei es „entweder fahrlässig oder populistisch“, damit den Herausforderungen der Kinderbetreuung in Hasbergen zu begegnen. „Beides kann nicht im Sinne der Kinder und wahrscheinlich auch nicht im Sinne der Eltern sein“, kritisiert Siegmann.

„CDW spielt nicht mit den Sorgen der Eltern“

Angesichts des Versorgungsengpasses, der sich durch die vom Land geplanten beitragsfreien Kindergärten ab August noch zuspitzen könnte, sieht Siegmann den Bedarf für weitere Kitaplätze in Hasbergen. „Dennoch wird die CDW nicht mit den Sorgen von Eltern spielen und einfach mal munter ein paar wenig durchdachte, fast zweifelhafte Ideen öffentlich diskutieren, sondern kurzfristig die Entwicklung der Großtagespflege im ehemaligen Mütterzentrum begleiten und die Entscheidungen der neuen Landesregierung zu diesem Thema abwarten“, sagt Siegmann. Er halte die Vorstellung von Bürgermeister Holger Elixmann, mittelfristig eine weitere Kindertagesstätte — etwa auf dem Tomblaineplatz — zu planen, für genau die richtige Maßnahme. Dies sei sogar schon im Winter 2015 einmal Teil des Ortsentwicklungsvorschlags der CDU-Fraktion gewesen, als Siegmann selbst noch CDU-Fraktionschef war.

FDP: Umbau einer Weihnachtsmarktbude wird Handlungsbedarf nicht gerecht

Auch Felix Bensmann (FDP) bezweifelt, dass „der Umbau einer Weihnachtsmarktbude dem Handlungsbedarf gerecht wird“. Konzepte müssten auch realisierbar sein. Im ehemaligen Mütterzentrum eine Großtagespflege einzurichten, könne ein erster Schritt sein. Grundsätzlich sieht Bensmann aber das Land Niedersachsen und den Bund in der Pflicht, den Verpflichtungen stärker nachzukommen, damit eine langfristige Versorgungssicherheit gewährleistet werden könne.

Kein Kommentar von SPD und Linke

Die Gruppe SPD-Die Linke will Breiwes Vorschlag aktuell nicht kommentieren und sich „in der nächsten oder übernächsten Sitzung ausgiebig mit der Kindergartensituation in Hasbergen auseinandersetzen“, wie der Sprecher der SPD/Linke-Gruppe Hardy Fischer sagt. „Danach werden wir in den politischen Gremien darüber beraten.“

Landkreis: Mobile Raumlösungen bei Engpässen

Der Sprecher des Landkreises Osnabrück, Henning Müller-Detert, erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, dass es trotz der prognostizierten Versorgungsschwierigkeiten bei den Kitas in der Region ab August keine Veränderungen bei den Gruppengrößen zu erwarten sind, um steigenden Betreuungsbedarfen gerecht zu werden. „Steigende Betreuungsbedarfe können daher nur durch zusätzliche Gruppen oder sogar zusätzliche Kindertageseinrichtungen gelöst werden“, erläutert Müller-Detert. Der Vertrag zwischen dem Landkreis und den kreisangehörigen Kommunen regele eindeutig, dass jede Kommune ein bedarfsgerechtes Angebot gewährleisten müsse. „Die zu Grunde liegende Kindertagesstättenplanung wird in enger Abstimmung zwischen dem Landkreis Osnabrück und den kreisangehörigen Kommunen vollzogen“, führt er weiter aus. Seit Jahren würden in allen Altersgruppen zusätzliche Plätze geschaffen, sodass die Beitragsfreiheit nur ein weiterer herausfordernder Faktor sei. Sollten Engpässe auftreten, suche man derzeit vor Ort mit Hochdruck nach flexiblen Lösungen. Für den Übergang bis zur Fertigstellung eines erforderlichen Anbaus könnten dies zum Beispiel „mobile Raumlösungen“ sein. Weitere Maßnahmen durch den Landkreis Osnabrück sind derzeit nicht erforderlich.