Licht in der Dunkelheit Renate Hansen zeigt Ausstellung im Augustaschacht

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Gen Himmel streben die von Schwarzlicht illuminierten „Lichtschwimmer“ von Renate Hansen. Foto: Gert WestdörpGen Himmel streben die von Schwarzlicht illuminierten „Lichtschwimmer“ von Renate Hansen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Beeindruckende Schauplätze schuf die Osnabrücker Künstlerin Renate Hansen in der Gedenkstätte Augustaschacht. Ihre Bilder und Installationen fragen den Besucher, ob er für die Auseinandersetzung mit den Mächten der Welt gewappnet ist.

Ein Hand hält einen Kreidestift. In unablässiger Bewegung führt die Hand den Stift, der immer nur zwei Buchstaben auf ein Blatt Papier schreibt: T-O-T-O-T-O-T-O…. Da diese geradezu hypnotische Beschäftigung per Videobeam auf die Mauern einer Zelle im Augustaschacht projiziert wird, darf man davon ausgehen, dass die Buchstaben nicht den Namen der amerikanischen Popband Toto bilden. Stattdessen liegen aufgrund der Vergangenheit des Gebäudes Assoziationen zum Adjektiv „tot“ näher. Immerhin war der Augustaschacht zu Zeiten des Nationalsozialismus Teil des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck und damit Schauplatz grausamer Verbrechen der Nazis. Daher legt die Künstlerin, die das Video schuf, auch noch eine andere Assoziation nahe: „Täter-Opfer-Täter-Opfer-Täter-Opfer-Täter-Opfer“.

Das Video, das unter dem Titel „Es ist Zeit - 2“ an die unverputzte Wand der Zelle im Erdgeschoss des Schachtgebäudes gebeamt wird, stammt von Renate Hansen und ist Teil einer Ausstellung, die bis Ende Mai zu sehen sein wird. Rauminstallationen, Lichtprojektionen, Filme und Zeichnungen hat die Osnabrücker Künstlerin zusammengestellt, um unter dem Titel „Lieder zur Nacht – was bleibt, wenn es dunkel wird“ Bilder im Kopf entstehen zu lassen.

Am eindrucksvollsten wirken die „Lichtschwimmer“, mit denen sich Hansen schon seit Jahrzehnten beschäftigt. Es sind gen Himmel strebende Gestalten, die sich, von Freiheitssehnsucht getrieben, entmaterialisiert den irdischen Zwängen und Qualen entziehen. In einer Rauminstallation flüchten sie - von Schwarzlicht mystisch illuminiert. Aber auch als Zeichnung auf schwarzem Karton oder als Video stehen die Lichtschwimmer symbolisch für all die Gefolterten und Gerichteten, die sich jemals an diesem „Ort der Kälte und der Dunkelheit“ aufgehalten haben. So jedenfalls bezeichnete den Augustaschacht Christine Grewe vom städtischen Büro für Friedenskultur während ihrer Einführung in die Ausstellung. Sie bezeichnete die Kunstschau als verbindendes Element zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Nach der Begrüßung durch Michael Gander, Geschäftsführer des Gedenkstätten-Vereins und Gastgeber, und nach Grußworten von Burkhard Fromme vom Kulturbüro des Landkreises Osnabrück hatte Grewe auf die Intention der Künstlerin verwiesen, an diesem Ort Licht in die Dunkelheit zu bringen. Martina Binnig sorgte mit der Shakuhachi, einer japanischen Bambusflöte, für, dem Schauplatz angemessene, Klänge.


Gedenkstätte Augustaschacht (Zur Hüggelschlucht 4, Hasbergen-Ohrbeck): „Lieder zur Nacht – was bleibt, wenn es dunkel wird“. Rauminstallation, Lichtprojektion, Film und Zeichnung von Renate Hansen. Bis 27. Mai, Mo.-Fr. 14-17 Uhr, So. 13-16 Uhr, ab Februar So. 11-17 Uhr.

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