Großtagespflege übernimmt – vorerst Abschied vom Mütterzentrum Hasbergen

Von Michael Pohl und Volker Poerschke

Beim Herbstlaubfest Ende September 2017 herrschte noch quirliges Leben im Hasberger Mütterzentrum. Den Entschluss, die Einrichtung zum Jahresende zu schließen, haben sich die Verantwortlichen nicht leicht gemacht. Nun soll übergangsweise eine Großtagespflege in die Räume einziehen. Archivfoto: Petra RopersBeim Herbstlaubfest Ende September 2017 herrschte noch quirliges Leben im Hasberger Mütterzentrum. Den Entschluss, die Einrichtung zum Jahresende zu schließen, haben sich die Verantwortlichen nicht leicht gemacht. Nun soll übergangsweise eine Großtagespflege in die Räume einziehen. Archivfoto: Petra Ropers

Hasbergen. Am 12. Dezember vergangenen Jahres standen die Türen des Mütterzentrums am Roten Berg das letzte Mal offen. Seit dem neuen Jahr ist endgültig Schluss. Eine Nachnutzung der Räume hat die Gemeinde bereits ins Auge gefasst.

Herbstlaubfeste, regelmäßiges Familienfrühstück und Krabbelgruppe mit Kaffeestube sowie Kurse wie „Kreatives Nähen“, alles ehrenamtlich organisiert – das gehört seit diesem Jahr der Vergangenheit an. Nach fast 30 Jahren. „Es ist echt schade. Meiner Tochter und mir hat es immer gut gefallen. Es war wie ,nach Hause‘ kommen. Danke für die tolle Zeit und die tollen Teamfrauen. Macht es gut. Und alles Gute“, lautet einer der letzten Einträge einer ehemaligen Besucherin auf der Facebook-Seite des Mütterzentrums.

Gegründet wurde die Einrichtung am 15. Juni 1989 als Angebot insbesondere für junge Familien. Hier konnten sich Gleichgesinnte treffen, Kontakte geknüpft, Informationen und Erfahrungen ausgetauscht werden. Vielen Besuchern konnte mit Rat und Tat weitergeholfen werden.

Probleme und Hoffnungen

Die Entscheidung zur Schließung zeichnete sich jedoch seit Längerem ab. Den endgültigen Entschluss, ihre langjährige Einrichtung am Roten Berg aufzugeben, haben die Verantwortlichen trotzdem nicht leichtfertig getroffen, erklärt Diana Miller für den einstigen Vorstand des Mütterzentrums. Bereits 2014 stand die Einrichtung vor dem Aus. Ein stetiger Begleiter für die Engagierten im Mütterzentrum waren die finanziellen Sorgen. Spielzeug und Geräte fürs Spielzimmer, Material für Kurse, Frühstück und Kaffeerunden – das kostet Geld. Bei sinkenden Mitgliederzahlen im Trägerverein und immer weniger Resonanz auf die Angebote musste etwas geschehen. Die Organisatorinnen wagten im Februar 2014 mit der Neuwahl des Vorstandes einen personellen Neuanfang. Durch viele gute und frische Ansätze und dank einer großzügigen Einzelspende schien die Zukunft zunächst gesichert.

Mütter haben keine Zeit mehr

Dass nun im Dezember nach 28 Jahren die Türen des Zentrums geschlossen wurden, liege nach Darstellung Millers schlicht an fehlendem Personal. „Wir haben keine Frauen mehr, die Zeit haben, sich zu engagieren.“ Bürgermeister Holger Elixmann erläutert: „Die Lebenswelten der Mütter haben sich verändert.“ Aufgrund der im Vergleich zu früher besseren Versorgung junger Familien mit Betreuungsangeboten, seien viele Mütter eher wieder bereit und in der Lage, ins Berufsleben zurückzukehren, meint Hasbergens Verwaltungschef. Miller stimmt mit Elixmann darin überein, dass die Mütter aufgrund ihres eingeschränkten Zeitkontingents nicht mehr in der Lage seien, das Mütterzentrum zu unterstützen.

Stilltreff zieht nach Hagen

Ein Teil des Angebots des Zentrums bleibt jedoch erhalten. Nach Auskunft der Stillberaterinnen Katja Plietz und Sascia Harms ist der offene Stilltreff nach Hagen umgezogen. Im dortigen Ortsteil Gellenbeck können Schwangere, Mütter mit ihren Babys und interessierte Frauen an jedem zweiten und vierten Montag im Monat – das nächste Mal also am 22. Januar – von 9.30 bis 11 Uhr, im Gustav-Görsmann-Haus zusammenkommen.

Erst Großtagespflege dann Sport

Für die Nachnutzung der nun frei gewordenen Räume des Mütterzentrums am Roten Berg brachte die Fachbereichsleiterin der Gemeinde, Mareike Mons, die Idee einer Großtagespflege für Kinder ins Spiel. Klar sei jedoch, so Elixman, dass diese Nutzung nur etwa drei Jahre dauern werde. Bis dahin wolle die Gemeinde einen neuen, dauerhaften Standort für die Großtagespflege finden. Die Räume der alten Turnhalle am Roten Berg sollen dann wieder sportlich genutzt werden. Geplant sei laut Elixmann, eine Absichtserklärung mit dem Vorsitzenden der Spielvereinigung Gaste-Hasbergen zu unterzeichnen, möglicherweise in Zusammenarbeit mit weiteren Vereinen, ab Januar 2021 entsprechende Angebote zu etablieren.


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