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„Zur blauen Donau“ in Haren Personalnot macht Wirt erfinderisch: Gäste kellnern mit

Von Ann-Christin Fischer | 21.12.2015, 11:15 Uhr

Unzuverlässiges Personal kann für viel Ärger sorgen. Bei einer Gaststätte in Haren zeigten sich Wirt und die Gäste selbst in einer Notlage erfinderisch.

Es ist Samstag, der 12. Dezember, kurz vor 18 Uhr. Lorenzo Foddis steht in der Küche seines Restaurants „Zur blauen Donau“ in Haren-Raken . Ein Gast nach dem anderen kommt in das kleine Lokal hinein, die Tische füllen sich. Doch da ist niemand, der die Getränkewünsche aufnimmt und auch niemand, der das Essen serviert. Der Besitzer ist ganz allein und humpelt mit seinem frisch operierten Bein umher, um den Gästen irgendwie gerecht zu werden. Es ist nicht so, dass er kein Geld für Bedienstete hat – nein, seine Kellnerin und der Pizzamacher sind einfach nicht zur Arbeit gekommen und haben ihn hängen lassen. Zumachen kann Foddis an diesem Abend nicht, erst seit August hat er die Blaue Donau gemietet und möchte seine Gäste nicht direkt verscheuchen.

Inhaber mit italienischen Wurzeln

„Ich wusste wirklich nicht, was ich machen soll. Ich habe meine Kellner so oft angerufen, aber irgendwann haben sie einfach ihr Handy ausgemacht und da wusste ich, es kommt niemand mehr“, erzählt der Italiener, der seit 45 Jahren in Deutschland lebt.

Irgendwann merken die Gäste, dass sie sich wohl selbst versorgen müssen. Verschiedene Damen und Herren belegen ihre Pizza, zapfen sich das Bier und bringen auch den anderen Hungrigen ihre Mahlzeiten. Währenddessen steht Lorenzo Foddis in der Küche und bekocht die rund 40 Leute.

Kleine Beschwerde bei Facebook

Auf der Facebook-Seite „Spotted: Haren und Umgebung“ geht um 22.36 der erste Post mit einer kleinen Beschwerde online: „Wer war auch heute gegen 18-21 Uhr in Haren/Raken zur Blauen Donau essen und hat dieses Personal Chaos mitbekommen? Gäste servieren selbst, total crazy.“ Am 13. Dezember klärt der Facebook-User Markus Stolzenberg die Internetgemeinde auf und bedankt sich bei den Harenern für den tollen Zusammenhalt: „Chaotisch war es schon, irgendwie aber dennoch erstaunlich, welch Zusammenhalt Haren doch hat.“ Er sei auch vor Ort gesehen und habe mitbekommen, dass Lorenzo, wie ihn quasi alle Harener nur kennen, von seinen zwei Angestellten spontan versetzt wurde. Gäste sprangen ein, um zu helfen. Ungewöhnlich, aber beeindruckend und lustig.

Neue Kellnerinnen eingestellt

Der Besitzer ist stolz auf die, die geholfen haben. Vor allem möchte er Daniela danken. „Sie hat sogar Pizza belegt, ohne die Helfer wäre es wirklich ein Chaos gewesen. Ich möchte Haren wirklich herzlich danken.“ Der 69-Jährige hat nun neue Kellnerinnen und hofft, dass sie ihn nicht im Stich lassen.