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Unterbringung stößt an Grenzen Haren baut Unterkünfte für Flüchtlinge

Von Tobias Böckermann | 12.11.2015, 09:21 Uhr

Die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber ist auch in Haren in den vergangenen Wochen stark angestiegen. Die Stadt baut nun zwei neue Gemeinschaftsunterkünfte.

„Deutschland funkt SOS“: Erster Stadtrat Dieter Sturm wählte bei der Darstellung der aktuellen Lage im Ausschuss für Bildung und Soziales eindringliche Worte. Seitdem 800 bis 1200 Flüchtlinge täglich in Niedersachsen ankämen, seien die Aufgaben, vor die sich die Kommunen gestellt sähen zu Herausforderungen ungekannter Dimension herangewachsen. Nach anfänglichen großen Schwierigkeiten habe sich inzwischen eine Art Routine eingestellt.

Mit Stand 9. November lebten 220 Flüchtlinge in Haren, davon 62 aus der aktuellen Aufnahmequote. Die anderen lebten schon vorher hier. Bis Ende Januar werden noch weitere 181 Personen aufzunehmen sein. Die meisten Menschen stammen aus dem Westbalkan (35) und Syrien (33).

Menschen dezentral unterbringen

„Bislang haben wir es geschafft, die Menschen dezentral in mehr als 40 Wohnungen, Häusern und Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen“, sagte Sturm. Angesichts der Zerstörung gleich zweier Unterkünfte durch Feuer bei gleichzeitig immer schneller steigenden Zahlen habe dies für die Stadt einen wahren Kraftakt bedeutet, der zum einen durch den Fachbereich Soziales geleistet wurde, in den ein zusätzlicher Sachbearbeiter versetzt wurde. Vor allem aber funktioniere die Willkommenskultur in Haren noch immer unvermindert: „Deshalb danken wir allen Freiwilligen, die sich hier engagieren“, sagte Sturm. Auch der Stadtrat habe sich immer wieder konstruktiv mit dem Thema beschäftigt.

Nun seien die Wohnkapazitäten aber weitgehend erschöpft, so dass der schnelle Neubau zweier Gemeinschaftsunterkünfte dringend notwendig sei. Geplant sei deshalb in der Eichenallee in Haren-Erika sowie in der Sandstraße in Wesuwe jeweils 32 neue Wohnplätze errichtet werden sollen.

Bauzeit liegt bei acht bis zehn Wochen

„Die Ausschreibung ist erfolgt, so dass – soweit das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises seine Zustimmung erteilt – wir den Auftrag an ein regionales Bauunternehmen vergeben können“, sagte Sturm. Mit dem Bau der jeweils 650000 Euro teuren Gebäude solle umgehend begonnen werden, er rechne mit einer Bauzeit von acht bis zehn Wochen.

Vorgesehen ist, den einmal geplanten und genehmigten Gebäudetyp in Modulbauweise bei Bedarf andernorts noch einmal zu bauen. „Das spart Planungskosten und Zeit“. Neben der vielfältigen Betreuung durch SKM, DRK, Diakonie, Caritas, den Jugendmigrationsdienst Emsland der AWO und die Leitstelle für Integration beim Landkreis Emsland stünden ehrenamtliche Integrationslotsen und Kulturdolmetscherinnen zur Verfügung.

Harener bemühen sich

Ratsfrau Ingrid Auth (CDU) lobte die vielfältigen Bemühungen der Harener ausdrücklich. Nicht nur die Einstellung einer zusätzlichen Flüchtlingsbetreuerin könne bei der Integration helfen. Haren sei dank seiner Finanzkraft derzeit noch in der Lage, für Unterbringung zu sorgen und Personal bereitzustellen, sowie Impulse für die Integration zu setzen. Sie war sich sicher, dass in wenigen Jahren aus den Flüchtlingen Einwohner werden, die Deutschland wirtschaftlich weiterhelfen werden.

Dieter Sturm hatte allerdings zuvor betont, die Stadt Haren sei jetzt an ihrem Limit angelangt. Wenn nun die Zuweisungen noch weiter anstiegen, müsse wohl auch Haren SOS funken.