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Stadtverwaltung zieht Bilanz Helfernetzwerk kümmert sich um Geflüchtete in Haren

Von Tobias Böckermann | 24.02.2017, 17:45 Uhr

Die Bewohner der Stadt Haren und ihrer Gemeinden engagieren sich nach wie vor außerordentlich bei der Betreuung und Integration von Flüchtlingen. Das haben Erster Stadtrat Dieter Sturm und die Flüchtlingsbeauftragte Ljiljana Topalovic deutlich gemacht.

Sie berichteten dem Ausschuss für Bildung und Soziales über die Situation der Geflüchteten in der Stadt. Demnach sind Haren seit Anfang 2015 genau 433 Flüchtlinge, unter ihnen 159 Kinder und 119 alleinreisende Männer, zugewiesen worden. Zuletzt seien Mitte Januar 2017 eine siebenköpfige sowie eine fünfköpfige Familie aus Syrien angekommen.

Die Unterbringung erfolge weiterhin in den bereits angemieteten Häusern und Wohnungen sowie den Gemeinschaftsunterkünften in Emmeln, Erika, Wesuwe, Tinnen und Fehndorf. Durch Umverteilungen oder Wegzug konnte inzwischen die Gemeinschaftsunterkunft in Rütenbrock geräumt werden, sie dient als Puffer für mögliche Neuzuweisungen von vorrangig alleinreisenden Männern. Derzeit stammen die meisten Harener Asylbewerber aus Syrien (146), Afghanistan (69) und dem Irak (56).

Ziel der Verwaltung ist es, 2017 schrittweise aus einigen Mietverträgen wieder aussteigen zu können, indem weitere Umverteilungen möglich oder Flüchtlinge selbstständig Wohnungen anmieten. Von den 433 Geflüchteten verbleiben derzeit noch 248 in der Zuständigkeit des Asylbewerberleistungsgesetzes (Stand: 01.01.2017). Für sie ist also die Stadt weiterhin zuständig, soweit es um die Gewährung von Wohnraum und der Bewilligung von Grundleistungen zum Lebensunterhalt inklusive der Krankenhilfe geht. Die übrigen erhalten Arbeitslosengeld II von der Arbeitsagentur.

Viel Unterstützung

Allen Flüchtlingen steht weiterhin die städtische Flüchtlingsbetreuerin Ljiljana Topalovic zur Seite, die lebenspraktische Unterstützung von der Kindertagesstätte und dem Schulbesuch über die Mülltrennung und die Krankenversicherung bis zum Deutsch- und Integrationskurs sowie bei diversen Behördengängen bietet. Getragen wird sie dabei von einem Netzwerk von rund 100 ehrenamtlichen Helfern, die gemeinsam vielfältige Initiativen auf den Weg gebracht haben und ihrerseits durch Topalovic unterstützt werden.

Ljiljana Topalovic berichtete dem Ausschuss über ihre Arbeit und über die des inzwischen aufgebauten Netzwerkes. So gebe es in allen Ortsteilen Initiativen, die sich um die Menschen kümmerten – etwa das „caférika“, das Nähcafé, Partnerschaften mit der VHS, Kinderfeste, Radfahrkurse oder Sprachgruppen.

Ljiljana Topalovic dankte allen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz, erhielt das Lob dann aber postwendend von Dieter Sturm zurück: „Unser wahrer Glücksfall neben den unverzichtbaren Helfern in den Orten ist Frau Topalovic“, sagte er. Außerdem hätten bereits 174 Flüchtlinge in Sprach- und Integrationskursen teilgenommen – ein Spitzenwert, wie Sturm betonte.

Trotz der insgesamt guten Situation gebe es auch Grund zur Sorge . So ermögliche die sogenannte Freizügigkeit, dass Flüchtlinge zwar in Haren gemeldet seien und dort auch eine Wohnung vorgehalten werden müsse. Sie könnten sich aber bundesweit überall aufhalten und seien teilweise gar nicht oder nur selten vor Ort. Für 2017 seien 95 weitere Neuaufnahmen in Haren vorgesehen. Um die Integrationsarbeit verbessern zu können, hielt Sturm es für notwendig, diejenigen, die von vornherein keine Bleibeperspektive hätten, gar nicht erst in die Kommunen zu schicken und ihnen so falsche Hoffnungen zu machen.