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Papierpanne und große Nachfrage Gotteslobe werden im Emsland knapp

Von Tobias Böckermann | 07.03.2014, 14:30 Uhr

Es ist der Beststeller, den keiner kennt: Das neue Gotteslob ist deutschlandweit in kurzer Zeit millionenfach verkauft worden – und das in einer vermeintlich der Kirche eher abgewandten Zeit. Die unerwartet große Nachfrage und Schwierigkeiten mit dem Papier haben dazu geführt, dass die Produktion nicht ganz nachkommt.

Monika Kremer von der Harener Giraffenbuchhandlung könnte jedenfalls deutlich mehr Gotteslobe an ihre Kunden verkaufen, als ihr zur Verfügung stehen. 300 bis 400 fehlen ihr nach eigenen Angaben. Gerade erst ist eine Teilnachlieferung von 150 Exemplaren in der Emsstadt angekommen, die meisten Bücher der roten Standardausgabe sind aber schon wieder weg.

„Wir haben mit der enormen Nachfrage so nicht gerechnet“, sagt Kremer. Als im vergangenen Herbst das erste neue Gotteslob nach fast 40 Jahren veröffentlicht wurde, hatte sie einen Moment daran gedacht, gleich 500 Bücher vorzubestellen. „Aber das wäre auf Harry-Potter-Niveau gewesen“, sagt sie, und das erschien dann doch viel zu viel. Deshalb bestellte sie weniger – und hat nun zu wenig, weil nicht prompt nachgeordert werden kann. Kremer ärgert sich über die kleckerweise Lieferung, deren Kriterien nach ihrer Einschätzung schwer nachzuvollziehen sind. Wer wann was bekomme, sei ihr nicht klar.

Matthias Zumbrägel vom Norddeutschen Metropolie Verlag in Osnabrück bestätigt zeitweise Lieferschwierigkeiten . Der Verlag war eigens gegründet worden, um die gemeinsame Nordausgabe des neuen Gotteslobes in den Bistümern Hildesheim und Osnabrück sowie dem Erzbistum Hamburg zu vermarkten. Zumbrägel ist Geschäftsführer des Verlages und muss in diesen Tagen häufiger melden, dass die rote Standardausgabe schon wieder vergriffen ist.

„Wir haben immer mal wieder Engpässe“, sagt Zumbrägel, und das habe mehrere Ursachen. Zum einen sei das Buch auf ganz besonderem Dünndruckpapier erschienen. Die Sorte Thinopaque scheine kaum durch, biete einen guten Kontrast, lasse sich leicht umblättern, verknicke nicht schnell, sei trotzdem dünn und entspreche auch noch dem lithurgischen Wert des Buches. „Von diesem Papier gibt es aber keine beliebig großen Mengen“, sagt der Geschäftsführer. „Leider wurde außerdem ein Teil der ersten Auflage auf falschem Papier gedruckt und konnte nicht in den Handel gehen. Diese Bücher fehlen uns jetzt.“

Und dabei geht es nicht um einige Tausend Exemplare. Mit 4,5 Millionen Gottesloben in den deutschsprachigen Bistümern Deutschlands, Österreichs, Italiens und Belgiens hatten die Verantwortlichen geplant, inzwischen dürfte dieser Wert aber überholt sein. Im Bistum Osnabrück jedenfalls „haben wir anfänglich 80000 Exemplare veranschlagt, die für zwei Jahre reichen sollten“, sagte Zumbrägel. „Sie waren innerhalb von vier Wochen ausverkauft. Inzwischen haben wir 110000 Exemplare ausgeliefert, und das reicht immer noch nicht.“

Und zudem gebe es bis heute große deutsche Bistümer wie etwa Köln, die das neue Gotteslob noch gar nicht wie Osnabrück am 1. Advent 2013 einführen konnten. „Diese Bistümer werden nun vorrangig beliefert“, sagt Zumbrägel.

Für ihn sind die Schwierigkeiten mit dem Papier zwar ärgerlich – vor allem aber freut er sich über eine riesige Erfolgsgeschichte. „Der religiöse Grundspiegel in der Gesellschaft ist wohl doch noch viel größer, als wir alle erwartet hatten“, sagt er.

Für die in einigen Wochen bevorstehende Erstkommunion, bei der traditionell sehr viele Gotteslobe verschenkt werden, hofft Zumbrägel, dass ausreichend Exemplare zur Verfügung stehen werden. Teilmengen gingen immer wieder an den Einzelhandel. „Der Großhandel, an den wir ja auch ausliefern, hat derzeit noch Gotteslobe der Standardausgabe. Und die Goldschnittschmuckausgabe ist in zwei Wochen lieferbar.“

In den Bestsellerlisten von Spiegel oder Focus taucht das Gotteslob übrigens nicht auf, vielleicht, weil es so recht in keines der üblichen Genres passen will. Die verkaufte Stückzahl würde dafür aber allemal ausreichen.

Das Gotteslob ist mehr als nur ein Gesangbuch. Es enthält zwar 1000 Lieder aus 1000 Jahren. „Es soll aber auch persönliches Gebetbuch, ein Buch zum Feiern in der Familie und auch eine Art religiöses Hausbuch sein“, sagt der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Das Gotteslob habe ein bisschen den Charakter eines Katechismus, wo man etwas nachschlagen könne.

Deshalb sollten es möglichst viele Gläubige auch selbst besitzen und nicht nur die ausgelegten Bände im Gottesdienst benutzen, hoffte der Bischof vor einigen Wochen.

Das alte Gotteslob war vor vier Jahrzehnten als erstes gemeinsames Gesang- und Gebetbuch der deutschsprachigen Bistümer eingeführt worden und hatte mehr als einer Generation Gläubiger als Begleiter im Gottesdienst oder auch bei Betstunden für Verstorbene und anderen Anlässen gedient.

Zwölf Jahre dauerte die Überarbeitung, für die rund 5000 Lieder gesichtet wurden. An Konzept und Inhalt haben Bischöfe, Berater und rund 100 Experten, darunter Kirchenmusiker und Bibelwissenschaftler, gearbeitet. Auch die Gläubigen vieler Gemeinden waren über Fragebögen beteiligt.

Auf den 1300 Seiten (200 mehr als bisher) sind nun viele verstaubte Lieder aussortiert worden. Dafür findet sich Musik, die für Gläubige zum Alltag in den Gemeinden und zu Hause gehört, aber bisher nicht im „Gotteslob“ stand. Jetzt finden sich zum Beispiel auch das Weihnachtslied „Oh du fröhliche“ oder Matthias Claudius’ Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“.

Das Gotteslob besteht aus dem umfangreichen Stammteil, der in allen Ausgaben und Diözesen gleich ist. Dahinter folgt ein Regionalteil, der stets die regionalen Gegebenheiten beachtet und in der Nordausgabe der drei beteiligten Bistümer Osnabrück, Hildesheim und Hamburg gleich ist.