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„Landwirtschaft für kleine Hände“ Kinder besuchen Hof Kröger in Wesuwe-Siedlung

Von Matthias Engelken | 17.05.2017, 13:45 Uhr

„Landwirtschaft für kleine Hände“ lautet das Motto einer landesweiten Aktionswoche. Landfrauen bringen dabei Kinder mit Bauern zusammen. Im Harener Ortsteil Wesuwe-Siedlung öffnete nun der Hof Kröger seine Tore.

„Das Leben auf landwirtschaftlichen Betrieben hat sich in den vergangenen Jahren enorm gewandelt“, sagt Helmut Kröger. Er ist Seniorchef auf dem Betrieb Kröger. Zusammen mit seinem Sohn André betreibt er einen landwirtschaftlichen Betrieb in Wesuwe-Siedlung.

Schon frühzeitig spezialisierte sich der Seniorchef auf den Betriebszweig Schweine, vornehmlich im Bereich Ferkelaufzucht. Heute stehen gut 250 Sauen in den Ställen, Platz ist zudem für gut 900 Schweine, die bis zur Schlachtreife gehalten werden. Kein einfaches Thema für Kinder. Und doch freuen sich die Familienmitglieder, zu denen auch Helmuts Frau Bärbel, Andrés Frau Nicole und die Kinder Lea und Tom gehören, riesig über den Besuch. Nicht nur, weil Sohn Tom selber Teil der Vorschulgruppe aus dem St.-Clemens-Kindergarten Wesuwe ist, sondern vielmehr, weil die Krögers nichts zu verbergen haben und ihre Arbeit gern präsentieren.

Schutzkorb bietet Sicherheit

Das wird auch den Kindern schnell deutlich. Genauestens werden Abläufe erläutert, die Stalleinrichtung erklärt. Erstaunen ist zu sehen bei den Jüngsten. Etwa dann, wenn André Kröger erläutert, dass die Ferkel neben der Wärmelampe von oben auch warme Luft von unten bekommen, während die Sau im gleichen Stall mit kühlerer Luft versorgt wird und zudem alles computerüberwacht ist.

Schnell leuchtet den Kindern ein, warum etwa ein Ferkelschutzkorb große Sicherheit für die jungen Schweine bedeutet. Das Anziehen der Hygieneanzüge erklären sich die jungen Gäste allein und erkennen schnell den Schutz vor gefährlichen Bakterien von außen.

Abferkeln im Kreißsaal

Einleuchtend für die Kinder auch, weil unter anderem Nicole Kröger kindgerecht die Begriffe erläutert, und bekannte Begriffe zum Vergleich nutzt. So wird der Aufzuchtstall schnell zum Kindergarten, der Abferkelstall zum Kreißsaal. Deutlich wird Schwiegervater Helmut unterdessen, wenn es darum geht zu erläutern, wozu die Schweine gehalten werden. „Wer mag eine Wurst?“, fragt er dann und erläutert anhand eines Schaubildes die einzelnen Fleischpartien eines Schweins.

(Weiterlesen: Grundschüler aus Geeste lernen im Stall)

Das führt nicht unbedingt zu großem Jubel bei den Sprösslingen, vor allem nicht, wenn sie noch kurz zuvor ein Ferkel auf den Arm nehmen durften und überall langgezogene „Süß“-Rufe zu hören waren. „Wir müssen aber ehrlich damit umgehen, um Kinder aufzuklären“, findet der Landwirt.

Kindgerecht erläutert

Unterstützung findet er bei den Landfrauen in Wesuwe-Siedlung. „Die Kinder erfahren Landwirtschaft auf kindgerechte Art positiv, objektiv und offen. Damit wird der Grundstein gelegt für die spätere Auseinandersetzung mit landwirtschaftlichen Themen“, sagt etwa Beate Keuter, Vorsitzende der Landfrauen Wesuwe-Siedlung. Sie möchte auf diese Weise den jüngsten Verbrauchern das Leben und Arbeiten auf einem Bauernhof vermitteln.

In Gruppen werden dazu die Fünf- bis Sechsjährigen über den Hof geführt, nachdem es ein gemeinsames üppiges Frühstück gibt. Überall sind kleine Erlebnisstationen aufgebaut, an denen Aufgaben zu erfüllen sind. Fühlkisten, Malaktionen, Ausstellungen und kleine Betriebsführungen zu Fuß oder mit dem Trecker. Informationen und praktisches Erleben gehen dabei Hand in Hand. Mitglieder des Landfrauenvereins stehen bereit und zeigen landwirtschaftliche Produkte wie etwa Mais, Getreide und Kartoffeln, und wofür die Produkte genutzt werden.

Negatives Bild revidieren

So mancher erstaunte Blick ist bei den Jüngsten zu sehen. „Genau das ist unser Ziel“, sagt Nicole Kröger. Sie möchte aufklären und das derzeit herrschende negative Bild zur Landwirtschaft revidieren. Deshalb fördert sie die Aktion.

„Die Jungen und Mädchen erleben hier die Landwirtschaft mit allen Sinnen. Sie hören, riechen, fühlen, schmecken und sehen, wie es auf landwirtschaftlichen Betrieben zugeht“, meint sie. „Sie sollen dabei erste Eindrücke gewinnen, welche Tiere es gibt und wie sie in einer modernen Landwirtschaft gehalten werden, lernen Getreide- und Obstsorten kennen und werden spielerisch an verschiedene Techniken herangeführt“, ist sie überzeugt vom Erfolg der Aktion und hofft auf weitere Berufskollegen, die auch ihre Tore für die Jüngsten öffnen.