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Gesellschaft für Reproduktionsmedizin Hilfe für kinderlose Paare

Von Willi Rave | 28.09.2011, 22:00 Uhr

Das Emsland hat in der Vergangenheit auf allen Gebieten und in allen Berufszweigen viele über die Region hinaus bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht. In jüngster Zeit hat sich der aus Haren stammende Arzt Jan-Steffen Krüssel als Wissenschaftler auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin bundesweit einen Namen gemacht.

Der 1965 in der Schifferstadt geborene Jan-Steffen Krüssel wäre kein echter „Harsker“, wenn er nicht so oft wie möglich mit seiner vierköpfigen Familie seine Heimatstadt an der Ems aufsuchte. Hier hat er die Grundschule besucht und am Windthorst-Gymnasium in Meppen das Abitur gemacht. Dem Grundwehrdienst folgte das Studium der Humanmedizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Promotion wurde mit der Note „gut“ bewertet. Im Juni 2008 erfuhr er die Verleihung der „Rechtsstellung und Bezeichnung eines außerplanmäßigen Professors“ der Medizinischen Fakultät seiner Uni.

Vorausgegangen waren unter anderem die praktische Tätigkeit als Arzt und Mitarbeit in der Arbeitsgruppe für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Universitätsfrauenklinik der Heinrich-Heine-Uni, die Anerkennung als Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie die Habilitation und Erteilung der „Venia legendi“ (Lehrberechtigung) für diese Fächer. Als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft hielt er sich zwei Jahre lang an der Stanford University Medical School, Department of Gynecology and Obstetrics in Kalifornien auf. Seit September 2005 ist Professor Jan-Steffen Krüssel Koordinator des größten deutschen universitären interdisziplinären Kinderwunschzentrums Düsseldorf (UniKiD).

Vorträge vor Experten, aber auch vor Organisationen wie beispielsweise der katholischen Frauengemeinschaft (kfd) führen ihn durch ganz Deutschland. „Jährlich sind es zwischen 50 und 100 Veranstaltungen, zu denen ich als Redner eingeladen werde“, erzählte Krüssel, der jetzt mal wieder seine Eltern in Haren und seine Schwiegermutter in Lathen besuchte.

An Auszeichnungen für seine herausragende wissenschaftliche Arbeit fehlt es nicht: Unter anderem wurde Krüssel der „AKZO-Organon Forschungspreis“ für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Gynäkologie einschließlich der interdisziplinären Erforschung der menschlichen Fortpflanzung verliehen.

Große Erleichterung

Zurzeit bekleidet er das Amt des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin. Im vergangenen Juli hat der Bundestag über drei Gesetzentwürfe zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik (PID) abgestimmt und den Entwurf, der nun die PID bei einem „hohen Risiko einer schwerwiegenden Erbkrankheit“ zulässt, mit Mehrheit angenommen. „Damit kann diese Untersuchung nun bei Paaren, die im Vorfeld großes Leid zum Beispiel durch Tot- oder Fehlgeburten erlitten haben, zur Schwangerschaft und Geburt eines nicht betroffenen Kindes führen“, erklärte Krüssel gegenüber unserer Zeitung. „Diese Entscheidung habe zu großer Erleichterung sowohl bei den betroffenen Paaren als auch bei uns Reproduktionsmedizinern geführt, da nun auch an bestimmten Zentren eine entsprechende Untersuchung in Deutschland möglich sein wird.“