Ein Artikel der Redaktion

Die Dorfgemeinschaft stärken Emmelner wollen im neuen Verein Traditionen bewahren

Von Matthias Engelken | 15.02.2019, 10:10 Uhr

Die vielen Aktivitäten in Emmeln sollen gebündelt werden, um die Dorfgemeinschaft entscheidend zu stärken. Helfen soll dabei die Gründung eines Vereins.

Begeistert von ihrer Ortschaft Emmeln sind Josef Kramer und Georg Berenzen. Seit Jahren wohnen die beiden dort, waren einst zugezogen und setzen sich seit langem für das Dorf ein. Kramer ist Ortsvorsteher, Mitglied im Harener Stadtrat und Vorsitzender des SV Eintracht Emmeln, Berenzen ist stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes und ebenso langjähriges Mitglied im Stadtrat der Schifferstadt. Beiden liegt die Zukunft ihrer Heimat am Herzen. Doch nicht nur ihnen, sondern vielen weiteren Bewohnern des Ortes. „Viele haben uns in den vergangenen Jahren immer mal wieder angesprochen auf die Gründung eines Vereins, der alle Aktivitäten im Ort bündelt, vielleicht auch neue Ideen entwickelt oder kleinere Gruppierungen unterstützt“, erzählt Berenzen. Er ist sich sicher, ein übergeordnetes Netzwerk würde sich weiter positiv auf die Dorfgemeinschaft auswirken. Gleiches denkt auch Ortsvorsteher Kramer. Der 60-Jährige möchte dabei intensiv unterstützen, ein Netzwerk zu schaffen, in dem sich viele Menschen, ihre Hobbys und Interessen wiederfinden. Anregungen suchten sich beide in den vergangenen Wochen und Monaten unter anderem in Nachbarorten. Sie schauten sich die Arbeit etwa in den Heimatvereinen dort an und sind überzeugt: „Etwas Ähnliches sollten wir auch für uns hinbekommen."

„Wir wollen Bräuche und Traditionen unseres Heimatortes bewahren, alte Bräuche aufleben lassen und neue Ideen gemeinsam entwickeln.“
Josef Kramer

Dabei geht es Kramer weniger um die Gründung eines solchen Heimatvereins. „Wir wollen vielmehr mit einer Art Brauchtumsverein Bräuche und Traditionen unseres Heimatortes bewahren, vielleicht alte Bräuche aufleben lassen und vor allem neue Ideen gemeinsam entwickeln“, meint er. Als Beispiel nennt er das Kulturschiff „Blaue Donau“ im Emmelner Ortsteil Raken. Der Verein Klangkultur Emsland hatte das Boot im vergangenen Jahr übernommen. Viel beachtete Lesungen und Konzerte finden seitdem dort statt.

„Eine tolle Sache, von jungen Menschen initiiert“, lobt Kramer das Engagement und hofft auch diese Akteure für sich zu gewinnen. „Man könnte voneinander profitieren“, ist Kramer überzeugt. Er weiß um das Engagement vieler Emmelner in diversen Gruppierungen. „Erst im vergangenen Jahr wurde der Förderverein des St. Josef-Kindergartens gegründet.“ Ebenso hatten sich weitere Interessensgemeinschaften in den vergangenen Jahren zusammengeschlossen.

Zudem denkt Kramer an die geschichtliche Aufarbeitung des Ortes. „Viele Menschen haben in ihren Kellern noch alte Fotos, wir haben Zeitzeugen vergangener Tage unter uns, während wir ebenso um junge Menschen wissen, die gern Historisches aus ihrem Ort kennen lernen möchten“, fordert er auf, mitzumachen. Dazu passe auch etwa die Erforschung des an Emmeln grenzenden Flütenbergs, auf dem im Mittelalter die Gerichtsbarkeit tagte.

Deshalb möchten CDU-Mann Kramer und SPD-Mitglied Berenzen beispielsweise eine Arbeitsgruppe zur Heimaterforschung entwickeln, die später auch eine Chronik fortschreibt. Ebenso sehen beide großen Bedarf bei der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes. „Eine Vielzahl an dorfbildprägender Gebäude wie etwa den Glockenturm zieren das Emmelner Ortsbild, hier gilt es im Sinne der Ortsgestaltung diese weiter aufzuwerten“, nennt Kramer nur eine der vielen Möglichkeiten, die ein Brauchtumsverein initiieren könnte. Dabei sollte jedoch klar sein, dass sich ein neuer Verein in der ersten Zeit lediglich aus Mitgliedsbeiträgen finanziert. „Erst, wenn es läuft, können wir aus dem Gemeinschaft heraus über Förderungsmöglichkeiten sprechen“, dämpft Kramer Hoffnungen etwa in Richtung eines eigenen Heimathauses oder anderer Wünsche.

Trotzdem sehen beide Vorteile für einen Start jetzt. Denn dies würde sich mittelfristig positiv auswirken, sind beide überzeugt auch im Hinblick auf eine Neugestaltung des Ortsbildes etwa nach Fertigstellung der sogenannten Südumgehung. Seit Jahren wird über eine mögliche Umgehungsstraße diskutiert, die den Ort entlastet. Im März 2016 hatte der Bund grünes Licht für einen Bau gegeben und deshalb die Strecke im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Bis es soweit ist, vergehen zwar noch Jahre, doch „während Bund, Länder und Kommune planen, sollte auch die Dorfgemeinschaft ihr späteres Dorfbild mit entwerfen und vorbereitet sein“, sagt der 53-jährige Berenzen. Ähnlich sieht es Kramer. Vor allem die Bauernschaft am Ortseingang mit ihren prägenden Gebäuden sowie der Bereich um den Bahnhof sollten seiner Meinung nach dabei in den Blickpunkt rücken.

Doch auch aktuelle Aktivitäten sollen sich im Verein wiederfinden. „Ob Grillevent, Cocktailabende, Wanderungen durchs Tinner Loh, Radtouren und vieles mehr, alles, was derzeit eher im kleinen Rahmen und oftmals für eine bestimmte Gruppe privat geschieht, könnte in großer Gemeinschaft passieren“, sagt Berenzen. Ihm ist wichtig, dass ein Verein sämtliche Altersstrukturen beinhaltet und das Angebot dementsprechend ausfällt.

„Wir suchen umtriebige Kräfte, die den Verein nach vorn bringen und gestalten.“
Georg Berenzen

Doch dafür werden treibende Kräfte benötigt. Das wissen auch die beiden Ratsherren und verhehlen nicht den hohen Arbeitsumfang für die Ehrenamtlichen. Überrumpeln und zwingen wollen sie unterdessen niemanden. „Wenn es irgendwann zu einer Gründung kommt, so sollte ein Vorstand gefunden werden, der sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit der Aufgabe befasst und den Verein langsam entwickelt“, sagt Kramer. Berenzen fügt hinzu: „Die Vorsitzenden der bisherigen Vereine haben bereits viel zu tun, wir setzen deshalb eher auf neues Personal, um auch neue Ideen zu entwickeln“, hofft er auf Personen, die möglicherweise bisher eher im Hintergrund in Erscheinung traten. Hilfe bekommen diese dann nicht nur bei den beiden Ratsherren. „Wir haben bereits eine breite Unterstützung erfahren“, sagt Berenzen, verhehlt aber nicht, dass es auch Skeptiker einer Vereinsgründung gibt. Dabei wollen sie keinem bestehenden Verein oder Verband etwas wegnehmen. „Wir wollen lediglich bündeln und möglicherweise die ein oder andere Gruppierung oder Initiative so besser unterstützen“, lädt Kramer ein, mitzumachen und hofft, dass sich viele angesprochen fühlen und in nächster Zeit bei ihm oder seinem Ratskollegen Berenzen melden.

Doch bevor überhaupt etwas beschlossen wird, wollen die beiden Emmelner die Bevölkerung informieren. So soll auf einer Informationsveranstaltung am 22. März um 19 Uhr in der Gaststätte Niemeyer in Emmeln nähere Details erläutert werden.

Eingeladen dazu sind auch Hartmut Bruns und Marco Strodt-Dieckmann vom Heimatverein Wesuwe. In diesem haben sich seit Jahren diverse Arbeitskreise zusammengefunden. „Heimat-, Familiengeschichten und Ahnenforschung“ sowie „Agrartechnik“ gehören heute genauso dazu wie etwa die Arbeitskreise Line Dance, Wandern, Heimathof oder aber viele weitere Veranstaltungen wie beispielsweise das regelmäßige „Volksläiersingen“, der Kartoffelmarkt oder das Hoffest.

TEASER-FOTO: