Ein Artikel der Redaktion

Baumstümpfe aus grauer Vorzeit Harener Fund bietet Blick in die Zeit der Waldelefanten

18.01.2013, 14:30 Uhr

Einen Blick in die Zeit der Neandertaler und Waldelefanten haben Wissenschaftler anhand einer Bodenuntersuchung in Haren werfen können.

Beim Bau der Enercon -Produktionshalle war im August 2011 eine sogenannte morphologische Senke entdeckt worden, in der Torf und Baumstämme aus grauer Vorzeit erhalten geblieben waren. Untersuchungen am Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung ( NIhK ) in Wilhelmshaven ergaben jetzt, dass sie vor mindestens 115000 bis 120000 Jahren entstanden sind. Die promovierte Biologin Annette Kramer vom NIhK hat nun einige der in einer Notgrabung gesicherten Bodenproben untersucht.

Im Sommer 2011 waren die Bagger angerollt und hatten den sandigen Baugrund in der Nähe des Eurohafens ausgekoffert. Dabei waren unter einer drei bis vier Meter hohen Sandschicht ungewöhnliche Einschlüsse aufgefallen. Rund 15000 Quadratmeter umfasste die interessante Fläche, die ein einst acht bis zehn Meter tiefes Loch in sich barg.

Pollen analysiert

Die Stadt Haren rief damals den Wissenschaftler Erhard Preßler aus Gersten hinzu. Er hatte drei Jahre zuvor mit seinem Büro für Planung und Bauforschung jahrtausendealte Baumstämme untersucht, die beim Bau des Eurohafens aufgetaucht waren.

Erhard Preßler erkannte die Bedeutung der alten Kuhle, in der sich offensichtlich uraltes pflanzliches Material erhalten hatte.Er informierte das Institut für historische Küstenforschung, dessen Mitarbeiterinnen Annette Kramer und Martina Karle etwa vier Tiefenmeter beproben konnten. Mehrere Untersuchungen schlossen sich an, unter anderem eine Pollenanalyse. „Dabei stellten wir fest, dass sich das organische Material aus Haren im Zeitalter des Eems angesammelt haben muss“, sagt Kramer, „also in der Warmzeit, die der letzten Eiszeit vorausgegangen war.“ Aus dieser Zeit, die von 126000 bis etwa 115000 vor heute datiert wird, liegen im Nordwesten bisher nur wenige vergleichbare Funde vor.

Über die Gründe, die dazu führten, dass sich organisches Material in der Senke ablagerte, können Anette Kramer und Erhard Preßler nur spekulieren. Preßler hat etwa 20 Baumstümpfe von Kiefern und Birken geborgen, die zur Untersuchung noch bei ihm in Gersten lagern. „Sie sehen aus, als wären sie gestern geschlagen worden“, sagt er und erklärt das mit einem plötzlichen Sauerstoffabschluss. „Vielleicht hat ein Hochwasser der Ems viel Sediment aufgeschüttet und die Bäume unter sich begraben. Ohne Sauerstoff blieben sie bis heute erhalten.“ Wie alt die Baumstümpfe tatsächlich sind, kann Preßler nicht feststellen, er orientiert sich an den Ergebnissen der Pollenuntersuchungen und geht von 115000 Jahren plus x aus.

Für die Wissenschaft bestätigen die Funde vor allem bisher Bekanntes. Erhard Preßler will an den Baumstämmen noch eine sogenannte Relativdatierung vornehmen. „So kann ich immerhin feststellen, ob alle aus derselben Zeit stammen.“ Aus der Zeit also, in der möglicherweise Neandertaler durchs Emsland streiften.