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„Ausbaufähige Kommunikation“ Moorbrand: Landkreis kritisiert Bundeswehr wegen fehlender Information

Von Tobias Böckermann | 01.11.2018, 19:05 Uhr

Nach dem Moorbrand auf der Wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr (WTD 91) bei Meppen ist der Schaden für Umwelt und Klima vermutlich erheblich. Akute Gefahr für die Bevölkerung hat nach Einschätzung des Landkreises Emsland aber zu keiner Zeit bestanden. Das hat die Kreisverwaltung bei einer Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz mitgeteilt.

Der zuständige Dezernent Marc-André Burgdorf informierte am späten Donnerstagnachmittag die Mitglieder des Gremiums ausführlich über den aktuellen Sachstand. Die schriftliche Vorlage der Verwaltung umfasste 18 Seiten, sie war gespickt mit einigem, was bekannt war, und manchem, was noch immer nicht abschließend bewertet werden kann. (Weiterlesen: Analyse des Moorbrands – Eine Reihe von Fehlern und eine Frage)

Marc-André Burgdorf machte deutlich, dass die Kreisverwaltung nach Ausbruch des Brandes am 3. September lediglich darüber informiert worden sei, dass es brenne – was angesichts der Munitionserprobung tatsächlich nicht ungewöhnlich erscheint.

Erst am 14. September habe die Bundeswehr bei einem Gespräch vor Ort mitgeteilt, dass dieser Brand wohl doch eine andere Dimension angenommen habe als frühere Ereignisse dieser Art. Hilfe von freiwilligen Feuerwehren benötige man aber nicht. (Weiterlesen: Uranmunition war auf WTD-Gelände gelagert)

Schnell revidiert

Diese Einschätzung habe die Bundeswehr schon am Nachmittag des 14. September revidiert, sagte Burgdorf. Hilfe sei bei den Kommunen angefordert und auch gewährt worden. Dennoch habe sich die Lage verschärft und ihren vorläufigen Höhepunkt mit der weithin sichtbaren Rauchwolke am 18. September erfahren.

Eines der Hauptprobleme habe die „ausbaufähige Kommunikation“ vonseiten der Bundeswehr dargestellt, sagte Burgdorf. Aus den folgenden Darstellungen der Abläufe ergab sich allerdings sehr deutlich, dass diese Formulierung zu milde gewählt war. Kommunikation fand in wichtigen Angelegenheiten zumindest zunächst offensichtlich überhaupt nicht statt.

Landkreis musste selbst aktiv werden

Selbst die Werte der ersten Schadstoffmessungen am Abend des 18. September erhielt der Landkreis nicht direkt von der Bundeswehr, sondern musste sie sich über den ausführenden ABC-Zug Leer selbst besorgen. Erst am Folgetag um 12 Uhr wurden die Daten von der Bundeswehr übermittelt. Für den Landkreis waren die Messergebnisse maßgeblich notwendig, um die Gefahrenlage einzuschätzen. (Weiterlesen: Kreis Emsland: Entwarnung war „aus Versehen“ nicht mehr online)

Burgdorf wiederholte die bisherigen Aussagen der Kreisverwaltung. Demnach sei nach Verschärfung der Lage zunächst vor allem Kohlenstoffmonoxid (CO) gemessen worden, das als Leitparameter bei der Gefährdungsbeurteilung nach Bränden gilt. Bei 29 Messungen ergaben sich demnach sieben mit einem CO-Nachweis, der aber jeweils unter den vorhandenen Grenzwerten geblieben sei.

Eine „aktuelle, akute Gesundheitsgefährdung“ für die Bevölkerung habe sich aus den Messwerten nicht ergeben, sagte Burgdorf. Weil aber Feinstaub und Brandrauch selbst negativ auf Schleimhäute, Atemwege und Kreislauf wirkten, habe man die Bevölkerung aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Eine mögliche Evakuierung der Bevölkerung in Klein und Groß Stavern sei zwar in der Folge vorsorglich vorbereitet worden, aber nie notwendig gewesen. (Weiterlesen: Bundeswehr begleicht nach Moorbrand Schäden in Stavern)