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Auftrag vergeben Harener rüsten erstes Schiff auf Flüssiggas um

Von Tobias Böckermann | 10.02.2017, 17:05 Uhr

Der Umbau des weltweit ersten Containerschiffes auf einen Flüssiggasantrieb geht in die entscheidende Phase. Die Harener Reederei Wessels hat den Umbauauftrag für ihr Schiff „Wes Amelie“ vergeben.

Er soll einer Mitteilung der Reederei zufolge im Mai 2017 bei German Dry Docks (GDD) in Bremerhaven erfolgen. Die Umrüstung des Container-Feederschiffes ermöglicht zum ersten Mal weltweit einen sogenannten Dual Fuel Betrieb. Das Schiff kann dann mit Liquified Natural Gas (LNG) oder alternativ mit herkömmlichem Schiffsdiesel betrieben werden.

In einem Ausschreibungsverfahren konnte sich GDD demnach gegen drei andere Werften durchsetzen. „Wir haben uns auch aufgrund der anerkannten Expertise im Bereich Schiffsumbau und Motorenarbeiten sowie kurzer Wege vor Ort zu Motorenlager, Werkstätten und Pier, für GDD entschieden“, begründet die Harener Reederei ihre Entscheidung für GDD. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, haben die Wessels Reederei und GDD schon frühzeitig die Zusammenarbeit mit den Zulieferern und Konstrukteuren begonnen.

Das Pilotprojekt ist als sogenannter „Green Shipping Retrofit“ der erste Umbau dieser Art auf einem Containerschiff. Dafür sind in verschiedenen Bereichen weitere Projektpartner gewonnen worden, unter anderem die Motorenwerke Bremerhaven oder MAN Diesel & Turbo. Zum anderen übernimmt GDD die klassischen Schiffbaubereiche wie den Rohrleitungsbau und den Einbau des knapp 500 Kubikmeter fassenden LNG–Tanks. Speziell im gasförmigen Zustand gelten besondere Sicherheitsanforderungen, sodass eine enge Abstimmung der Beteiligten während des Umbaus unverzichtbar ist, heißt es bei der Reederei Wessels.

Durch die extremen Temperaturen von -162 Grad Celsius bei flüssigem LNG müssen spezielle Edelstahllegierungen für die Rohrleitungen und den Tank verwendet und verarbeitet werden.

Veränderte Rahmenbedingungen

Mit dem Umbau will sich die Werft veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Seit Januar 2015 gilt in den sogenannten ECA-Zonen, unter anderem in der Nord- und Ostsee, eine drastisch reduzierte Emissionsgrenze für Schwefel bei Schiffskraftstoffen. Konsequenz: das günstige, aber schwefelhaltige Schweröl muss durch teureres Dieselöl oder schwefelreduziertes Schweröl ersetzt werden. Lediglich der teure Einbau eines Abgaswäschers ließe die weitere Verwendung des günstigen Schweröls zu. Alternativ kann die Antriebsanlage des Schiffes aber auch auf LNG-Betrieb umgerüstet werden.

Die Umrüstung der „Wes Amelie“ ist ein Pilotprojekt , das vom Bundesministerium für Verkehr und digitaler Infrastruktur unterstützt wird. Das Bundesministerium fördert dieses Projekt im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie und zielt damit auf den erforderlichen Ausbau der LNG-Infrastruktur für den maritimen Sektor ab. Die Reederei möchte mit diesem Pilotprojekt in erster Linie Folgeprojekte realisierbar machen.

40 Seeschiffe

Mit einer Flotte von derzeit insgesamt 40 Seeschiffen ist die Wessels Reederei eine der größten deutschen Manager von Küstenmotorschiffen. 29 Küstenmotorschiffe, vier Container- und sieben Mehrzweckfrachter umfasst das Flottenportfolio. Das Unternehmen beschäftigt 45 Mitarbeiter am Standort Haren/Ems. Die Optimierung des Treibstoffverbrauchs und der Schadstoffemission war stets fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Die Initiativen reichen von der Einrichtung propulsionsverbessernder Maßnahmen, einer Softwareeinführung zur Steigerung der Energieeffizienz und der Entwicklung alternativer Antriebssysteme.

Mit der Nominierung der GDD Group als Umbauwerft stehen der Wessels Reederei nun MAN Turbo & Diesel für die Motorenumrüstung, TGE Marine Gas Engineering als Gassystemlieferant sowie das Designbüro SMB Naval Architects & Consultants als Partner für das vom Bundeswirtschaftsministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderte Umbauvorhaben zur Seite.