Wissen wichtiger als Maschinen Schlossgespräch in Haren zum Thema Flüchtlinge

Eingeladen zum Schlossgespräch hatten Freifrau Caroline von Landsberg-Velen (links) und Antonia Weiner den Sonderbeauftragten der Bundesregierung zur Umsetzung des EU-Flüchtlingspaketes, Albrecht Broemme. Foto: Hermann-Josef MammesEingeladen zum Schlossgespräch hatten Freifrau Caroline von Landsberg-Velen (links) und Antonia Weiner den Sonderbeauftragten der Bundesregierung zur Umsetzung des EU-Flüchtlingspaketes, Albrecht Broemme. Foto: Hermann-Josef Mammes

Haren. Das Gerede über eine Obergrenze für Flüchtlinge in Deutschland ist für Albrecht Broemme der falsche Ansatz. Im Rahmen der Reihe „Schlossgespräch“ auf Schloss Dankern in Haren forderte er, die Ursachen der Flüchtlingswelle zu bekämpfen.

Dabei hat der Sonderbeauftragte der Bundesregierung zur Umsetzung des EU-Flüchtlingspaketes Syrien im Blick und ebenso Schwarzafrika. „Die Folgen des Klimawandels lassen Millionen Menschen verhungern.“ Niemand verlasse freiwillig seine Heimat. Sie müssen flüchten. Weltweit seien 65,5 Menschen auf der Flucht. Er befürchtet, dass diese Zahl weiter anwachsen werde. So werde die Bevölkerung in Afrika von derzeit 1,1 Milliarden Euro auf zwei Milliarden bis 2050 ansteigen.

Nach seiner Einschätzung würden viele Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren, wenn sie dort eine Perspektive vorfänden. Deshalb müsse man alles unternehmen, um die Verhältnisse zu verbessern. „Wir müssen eine nachhaltige Landwirtschaft in Afrika schaffen.“ Hierfür müssten Lehrkräfte die Menschen entsprechend ausbilden. Wissen sei viel wichtiger als Maschinen.

Broemme ist Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk. Er war bereits in vielen Ländern im Einsatz, auch um Flüchtlingscamps aufzubauen. Am 18. März 2016 trat die „Erklärung der Europäischen Union mit der Türkei zur Migration“ in Kraft. Auf Wunsch der Bundesregierung ist der gelernte Elektroingenieur seit dem vor allen Dingen als „Feuerwehrmann von Bundeskanzlerin Angela Merkel“ in Griechenland tätig.

Der Sonderbeauftragte ist vom Erfolg seiner Kommission überzeugt. Zum einen sank die Zahl der Flüchtlinge, die von der Türkei aus nach Griechenland flohen enorm. Es ertränken nur noch ganz wenige von ihnen in der Ost-Ägäis. „Vorher starben in manchen Monaten über 100 Menschen.“

„Die Menschen werden ermordet“, schilderte Broemme die perfiden Methoden der Schleuser. Sie führen mit drei Schlauchbooten los. Dabei schlitzten sie dann eins auf offener See absichtlich auf und funkten SOS. Damit würden die Flüchtlinge der zwei anderen Boote von Schiffen aufgenommen, und der Tod der restlichen Flüchtlinge, viele von ihnen Nichtschwimmer, billigend in Kauf genommen.

Broemme übte scharfe Kritik an einigen Medienberichten über die Situation in den Flüchtlingslagern in Griechenland. Die Menschen würden gut versorgt. Berichte von Umzäunungen mit Stacheldraht oder Ähnlichem entbehrten jeder Grundlage.

Für den Sonderbeauftragten wurde die Balkan-Flüchtlingsroute erst durch die Republik Mazedonien gestoppt. Sie schloss im März 2016 die Grenze zu Griechenland. Danach kampierten im 300 Einwohnerort Idomeni an der Grenze bis zu 12000 Flüchtlinge. Nicht selten seien es Journalisten gewesen, die Gerüchte streuten, die Grenze würde bald wieder geöffnet. Eine Lügengeschichte habe sogar dazu geführt, dass Flüchtlinge in einem Fluss ertranken, während ein TV-Team die Tragödie filmte.

Broemme sieht keine Anzeichen für ein schnelles Kriegsende in Syrien. Hingegen seien Abschiebungen nach Afghanistan sehr wohl vertretbar. „Dort werden sie auch dringend gebraucht, um das Land wieder aufzubauen.“


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