Harener Unternehmen ändert Abläufe Digitalisierung im Mittelstand: Berky stellt um

Testen den Barcodescanner für das neue System: David Zumstrull (TSO) und Felix Knoll. Foto: Tobias BöckermannTesten den Barcodescanner für das neue System: David Zumstrull (TSO) und Felix Knoll. Foto: Tobias Böckermann

Haren. Eigentlich geht es bei Berky in Haren-Emmeln um Maschinen, Stahl und Mähgeräte. Aber seit dieser Woche geht es auch um die Frage: Wie funktioniert Digitalisierung im Mittelstand, oder: Wie lassen sich Schrauben, Joysticks oder Schiffsmotoren so in die Betriebsabläufe einbinden, dass Informationen über sie jederzeit und überall zur Verfügung stehen?

Mit diesen Fragen hat sich Felix Knoll gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Frank Suelmann intensiv beschäftigt, seit sie im vergangenen Jahr die Leitung des Spezial-Maschinenbauers übernommen haben. Berky baut Mähmaschinen, die an Land und im Wasser eingesetzt werden können.

„Bisher existierten viele Informationssysteme nebeneinander“, berichtet Knoll, der Betriebswirtschaft studiert hat. „Warenwirtschaft, Rechnungswesen, Lagerbuchhaltung oder Zeiterfassung liefen parallel, waren aber nicht miteinander vernetzt.“ Wenn also jemand Informationen über ein bestimmtes Bauteil benötigte, musste er sie sich aus einem der Systeme beschaffen. „Das kostete Arbeitszeit und verursachte so Kosten“, berichtet Knoll.

Deshalb habe man seit 2016 darüber nachgedacht, wie man alle Abläufe in ein System integrieren könne. „Wenn wir zum Beispiel in eines unserer Mähfahrzeuge einen Joystick zur Steuerung eingebaut haben, dann musste er für das nächste Gerät nachbestellt werden. Bisher lief das analog. In Zukunft erfolgt die Nachbestellung in dem Augenblick, in dem der Joystick eingebaut wurde.“

Möglich wird das durch die Einführung des Softwaresystems Microsoft Dynamics NAV durch den Osnabrücker Dienstleister TSO Data. Seit einigen Wochen bereits unterstützen David Zumstrull und Eva-Maria Schwarzmeier von TSO die Berky Gruppe und passen die Anwendung an deren Bedürfnisse an. Außerdem hat Berky mit Michael Apelt einen Wirtschafts-Informatiker fest eingestellt, der zukünftig für die Wartung des Systems zuständig ist.

250000 Euro Investition

Es vergibt für jedes Bauteil einen Barcode, der per Scanner eingelesen werden kann. Wird also der Joystick eingebaut, erfasst der Mitarbeiter per Scanner diesen Schritt und das System weiß nun, dass das Gerät, mit dem die Maschine gesteuert wird, neu bestellt und wo er dann gelagert werden muss.

Nach einigen Tagen im Übungsmodus ist das neue System inzwischen scharf geschaltet und führt sämtliche Informationen über aktuelle Aufträge auf einer digitalen Oberfläche zusammen. Der klassische Aktenordner ist überflüssig.

„Wir sind damit sicher nicht die Ersten“, sagt Felix Knoll. „Aber für unser Unternehmen bedeutet diese Umstellung eine Investition von rund 250.000 Euro und für unsere Mitarbeiter teilweise auch eine Umstellung ihrer Arbeitsweisen.“ Dass die Belegschaft mitzieht, steht für Knoll außer Frage und es ist auch Bedingung für ein reibungsloses Funktionieren.

Dass sich die Digitalisierung für sein mittelständisches Unternehmen lohnen wird, davon ist Knoll überzeugt. „Wir sparen pro Mitarbeiter ein bis zwei Stunden am Tag für die Beschaffung von Informationen und auch manchen Arbeitsgang, weil er nun automatisch ausgelöst wird. Das senkt die Kosten und verschafft Raum für andere Arbeit.“

Und die ist derzeit reichlich vorhanden. Die Nachfrage nach Spezialmaschinen aus Emmeln steigt weltweit und so muss sich bei Berky niemand Sorgen machen, dass durch die Digitalisierung Arbeitsplätze wegfielen.

Und sie hat weitere Vorteile. Der Stand eines jeden Auftrags lässt sich ab sofort in Echtzeit abrufen, das Bauteilemanagement wird schneller, die Wertschöpfung verbessert. Und auch beim Service für verkaufte Maschinen in den Folgejahren nützt das System, weil in der digitalen Akte zum Beispiel auch die Baupläne sofort zur Verfügung stehen.


Die Digitalisierung ist in vielen Unternehmen längst bestimmendes Thema. In der von der Deutschen Telekom 2016 erarbeiteten repräsentativen Studie Digitalisierungsindex Mittelstand schätzen fast drei Viertel der befragten mittelständischen Unternehmen die Digitalisierung als wichtig oder sehr wichtig für das eigene Unternehmen ein. Die von techconsult im Auftrag der Telekom durchgeführte Studie untersucht, wie sich mittelständische Unternehmen der Digitalisierung stellen und wie weit sie bereits gekommen sind. Dazu wurden über 1000 Unternehmen aller Branchen befragt, wie sie selbst ihre Digitalisierungsbemühungen in den Bereichen Kundenbeziehung, Produktivität und Geschäftsmodell bewerten.

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