600 Besucher erleben Festival Gelungener Elektro-Soundmix bei Neon Fields 2017 in Haren


Haren. In pittoreskem Ambiente hat das Festival Neon Fields am Wochenende seine dritte Auflage gefeiert. An zwei Tagen erlebten rund 600 Besucher an der Harener Mersmühle insgesamt 19 Bands, Solo-Interpreten und DJs, die elektronisch geprägte Popmusik in ihrer ganzen Bandbreite präsentierten.

Das besondere Flair, das sich aus der Zusammensetzung von Ort, Gestaltung und Musikauswahl bei Neon Fields ergibt, lässt sich exemplarisch mit einem Szenario vom Samstagabend beschreiben. Gegen 21.30 Uhr hatte sich eine Besuchermenge vor der Hauptbühne versammelt, um zur Musik der niederländischen Band Klangstof teils entspannt, teils ausgelassen zu tanzen, schillernde Seifenblasen in die Luft zu pusten oder einfach den Moment auf sich wirken zu lassen. Auffällig war dabei die fast völlige Abwesenheit der zum Filmen des Geschehens gereckten Smartphones.

Mit Familienanschluss

Und wie klangen Klangstof nun? Man stelle sich vor, Radiohead und Coldplay (in deren Frühphase um 2000) hätten sich zu einer Session verabredet. Irgendwann würden die Elektro-Frickler von Air hinzustoßen, und Kevin Shields von der Shoegaze-Institution My Bloody Valentine würde die Effektgeräte bedienen. Die süffig-melodische Mixtur mit gelegentlichen Noise-Anleihen und Koen van de Wardts Leadgesang zwischen Thom Yorke und Chris Martin zog das Publikum in den Bann – und passte vortrefflich zur Sommerabend-Atmosphäre auf dem Mühlengelände.

Ein zufriedenes Fazit zog Heiner Schnelte vom Organisationsteam des gastgebenden Vereins Klangkultur Emsland am Samstagabend. Die zahlenmäßige Resonanz erfüllte in etwa die Erwartungen, besonders aber freuten sich die Festivalmacher, dass das Ereignis zunehmend familiären Charakter bekommt. So nahmen nicht nur an den Workshops etlichen Familien mit Kindern teil; auch am Abend tollte allerhand Pop-Publikumsnachwuchs mit dicken bunten Ohrenschützern über das Areal.

Festival durch Zeltbühne bereichert

Eine gelungene Änderung im Festivalablauf stellte im Vergleich zu den beiden Vorjahren die Zeltbühne dar. Ohne große Pausen konnten sich so die Bands auf der Haupt- und Zeltbühne abwechseln. Das Zelt wurde dabei aufgrund der etwas intimeren Atmosphäre zu späterer Stunde noch zum echten Tanztempel. So auch am Samstagabend, als das Duo Tender Games House-beeinflussten Sound mit Soul-Einsprengseln aus den Boxen beförderte.

(Weiterlesen: Bunt und tanzbar – Neon Fields Festival 2016 in Haren)

Die deutsch-niederländische Band The Day eröffnete den Freitag auf der Hauptbühne mit verträumtem Indiepop. Leider spielte zu diesem Zeitpunkt das Wetter noch nicht ganz mit, sodass das Publikum ein wenig durch die Regenschauer zerstreut wurde. Später boten Der Ringer, ein Quintett aus Hamburg, deutschsprachigen, 80s-angehauchten Indierock, den sie selbst als Soft Punk bezeichnen.

Lässig-cooles Funk-Brett

Anschließend sorgte der Berliner Künstler Hush Moss mit seiner Band für echtes Tanzfeeling. Optisch eher im Freizeitlook angetreten, legten die insgesamt sechs Bandmitglieder musikalisch aber ein lässig-cooles 80s-Funk-Brett auf die Hauptbühne, an dem ein Künstler wie Prince wahrscheinlich seine wahre Freude gehabt hätte.

Mit Bergfilm standen danach alte Bekannte auf der Zeltbühne, denn die Kölner waren bereits beim ersten Neon Fields Festival 2015 zu Gast. Mit Gitarre, Schlagzeug, zwei Synthie-Abteilungen und markanter Stimme spielten sie euphorischen elektronisch angehauchten Indie-Pop und setzten so einen ersten Stimmungshöhepunkt bei den Gästen.

Mitreißender Auftritt von Gurr

Ein weiteres Freitags-Highlight schloss sich mit Gurr auf der Hauptbühne an. Trotz kurzzeitig wieder einsetzender Regenschauer boten die Berlinerinnen einen mitreißenden Auftritt, souverän verortet im Jahrzehnte-Dreieck zwischen Endsiebziger Ramonescore, 80er-Berlin-Wave im Stil von Ideal und 90er-Riotgirl-Rock à la Bikini Kill. Auch das Publikum wusste das zu honorieren und hielt den Regen gerne tanzend vor der Bühne aus. Im September werden Gurr übrigens nochmal auf dem Lingener Rock am Pferdemarkt zu sehen sein.

Die Kieler Band Leoniden war vielen Emsländern bereits ein Begriff, da sie vor zwei Wochen noch beim Lingener Abifestival aufgetreten war. Auch auf der Neon-Fields-Zeltbühne hatten sie die Besucher mit ihrem treibenden Indierock schnell im Griff. Die tanzbare Musik wurde untermauert durch eine wilde Liveshow, in der sich besonders der Gitarrist als echtes Enfant terrible erwies.

Genau wie die schon erwähnten Bergfilm sind Giant Rooks alte Bekannte in Haren. Im Sommer 2015 eröffneten sie noch das erste Neon Fields Festival und waren im April 2016 auch noch beim „Haren rockt!“ Indoor-Konzert zu Gast. In diesem Jahr räumten die Giant Rooks nun als Freitagsheadliner beim Neon Fields vor einem begeisterten Publikum ab.

Hundreds facettenreich

Gespannt waren die Erwartungen mancher Besucher auf den Gig von Lilly Among Clouds, einer jungen Singer-Songwriterin, deren einprägsamer Gesang an Lana Del Rey und Tori Amos erinnert. Bedauerlicherweise musste sie ihren Auftritt nach drei Songs wegen gesundheitlicher Probleme abbrechen.

Den abschließenden Höhepunkt boten dann Hundreds als Headliner des Samstags. Die Band aus Hamburg – mit Philipp Milner als Soundtüftler und seiner jüngeren Schwester Eva Milner als dynamischer Frontfrau und Sängerin, unterstützt von Florian Wienczny am Drumset – präsentierte Synthesizer-dominierten Pop. Manches, etwa das Titelstück des aktuellen Albums „Wilderness“, kam düster-dräuend daher, anderes, wie die Songs „Beehive“ und „Spotless“, fast schon ohrwurmhaft melodisch. Das facettenreiche Konzert – mit tackernd-technoiden Beats hier und der leisen Piano-Ballade „Ten-Headed Beast“ dort – rundete das besuchenswerte Festival ab.


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