Röchling-Produkte für Flüssiggasantrieb Mit Harener Hilfe sauber auf hoher See

Von Tobias Böckermann


Haren. Das Unternehmen Röchling aus Haren ist mit vielen Produkten innovativ und erfolgreich. Ein 101 Jahre alter Werkstoff kommt dank strengerer Umweltauflagen jetzt zu einer neuen tragenden Rolle: Stützlager aus Haren helfen dabei, Schiffe sauberer zu machen und sind Teil einer Weltpremiere ebenfalls aus Haren.

„Kunstharzpressholz“ – daraus besteht das Produkt „Lignostone cryogenic“. Tatsächlich ist Lignostone bereits vor 101 Jahren entwickelt worden (wir berichteten) und hat damit den Grundstock für die Röchling Unternehmensgruppe gebildet, die heute mit 78 Standorten in 22 Ländern rund um den Globus aktiv ist.

Lignostone wird bis heute in Haren hergestellt und findet von dort seinen Weg in die gesamte Welt. Zum einen als Bauteil von Trafos, seit mehr als 30 Jahren aber auch als sogenanntes Stützlager für Tankschiffe, die große Mengen Flüssiggas über die Weltmeere transportieren.

Diese Schiffe besitzen Turnhallengroße Gastanks, die besondere Belastungen aushalten müssen. Zum einen, weil sie auf minus 164 Grad Celsius gekühlt werden müssen, um das transportierte Gas zu verflüssigen. Außerdem ist ein Schiff immer in Bewegung und ein eingebauter Tank damit großen Kräften ausgesetzt.

Um sie abzufangen, dabei den eingebauten Tank sicher zu fixieren und ihm gleichzeitig eine ausreichende Elastizität zu ermöglichen, werden Lignostone-Stützlager aus Haren verwendet. Sie besitzen zudem die notwendige Eigenschaft, die Kälte aus dem Gastank nicht abzuleiten. So bleibt der Energiebedarf zur Kühlung niedrig und der stählerne Schiffsrumpf wird nicht gleich mit tiefgefroren.

Weltweit erfolgreich

Mit diesen Stützlagern ist Röchling weltweit erfolgreich und Marktführer. „Genau diese Erfahrung kommt uns jetzt wieder zu Gute“, sagen Uwe Kassens, verantwortlich für den Bereich der duroplastischen Kunststoffe in der Unternehmensgruppe, und Hans-Jürgen Geers, verantwortlich für neue Produkte und Anwendungen.

Denn neue Umweltauflagen für Schiffe erforderten einen neuen Antrieb für die Ozeanriesen. In vielen Küstenbereichen und Häfen weltweit, zum Beispiel an Nord- und Ostsee, dürfen Schiffe, die mit Schweröl betrieben werden, schon bald nicht mehr fahren. In diesen „Emission controlled areas“ (ECA) gelten neue Abgasverordnungen, die nur mit modernem Antrieb zu erreichen sind.

Und hier kommt wieder das Flüssiggas LNG ins Spiel, diesmal nicht als Transportgut, sondern als Treibstoff. Wieder muss ein Tank eingebaut und gelagert werden und wieder ist Röchling dank seiner Erfahrung in der Lage, passende Bauteile zu entwickeln.

Deshalb sind wir sehr froh, dass wir derzeit auch bei einem anderen Harener Forschungsprojekt mit weltweiter Bedeutung dabei sind“, sagte Uwe Kassens bei einem Pressegespräch. Denn die Reederei Wessels lässt mit der „Wes Amelie“ das weltweit erste Containerschiff auf Flüssiggasantrieb umrüsten (wir berichteten). Und auch die nächsten Kreuzfahrtriesen der Meyer-Werft in Papenburg werden mit Flüssiggas betrieben – wieder werden die Tanks auf Stützlagern aus Harener Produktion gelagert.

Heimische Bäume

Lignostone hat eine lange Tradition. Zum Einsatz kommt vor allem das Holz westeuropäischer Rotbuchen. Westeuropäisch deshalb, die Bäume hier in der richtigen Geschwindigkeit und unter jenen Bedingungen wachsen, die zur Ausbildung der passenden, ausreichend stabilen Faserung führen.

Das Holz wird als dünnes Furnier geliefert und bei Röchling unter Druck und Wärme mit Kunstharzen verbunden. Aus diesen geschichteten Platten lassen sich Bauteile aller Art fertigen – unter anderem eben Stützlager.