Eltern klagen auf Schmerzensgeld Prozessbeginn: Sechsjähriger im Ferienzentrum Dankern schwer verletzt

Der Sechsjähriege war im Sprint gegen eine Absperrkette der Wasserbobbahn gelaufen und verletzte sich durch den Sturz schwer am Kopf.  Archivfoto: MammesDer Sechsjähriege war im Sprint gegen eine Absperrkette der Wasserbobbahn gelaufen und verletzte sich durch den Sturz schwer am Kopf. Archivfoto: Mammes

Osnabrück/Haren. In einem Zivilverfahren vor dem Landgericht Osnabrück werden die Folgen eines Unfalls im Ferienzentrum Schloss Dankern im Jahr 2016 geklärt. Ein damals sechsjähriger Junge soll sich bei einem Besuch wegen einer unzureichend kenntlich gemachten Absperrung schwerste Kopfverletzungen zugezogen haben.

Am ersten Verfahrenstag haben beide Parteien eine gütliche Einigung ausgeschlagen. Der Junge hatte sich dort mit seinen Eltern zu einem Urlaub aufgehalten. Am späten Nachmittag des Muttertags 2016 war er mehrmals unter ihrer Aufsicht die Wasserbobbahn heruntergerutscht. Unten angekommen war er dann erneut losgelaufen, um sich noch einmal auf die „Piste“ zu wagen, doch war, seit der letzten Fahrt, der Zugang vom Personal mit einer Kette gesperrt worden.

Schwere Kopfverletzungen

Der Junge war im Sprint in die Kette hineingelaufen, zurückgeschleudert worden und mit dem Kopf auf den Boden aufgeschlagen. Durch die Wucht des Aufpralls hatte er ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Schädelbruch und ein Hämatom im Hirn erlitten.

Am offenen Schädel operiert

Die Verletzungen waren im Ludmillenstift in Meppen versorgt worden, wobei die Ärzte am offenen Schädel operieren mussten. Ihm wurden dabei zwei Titan-Implantate eingesetzt. Wie seine Eltern darstellen, leidet er heute physisch und psychisch an den Folgen.

Folgeschäden

In ihrer Zivilklage wollen die Eltern nicht allein eine Erhöhung des Schmerzensgeldes , bisher hat die Versicherung bereits Zahlungen geleistet, aber, was ihnen wichtiger erscheint, die Zusage der Übernahme etwaiger Folgeschäden durch die Versicherung des Ferienzentrums. Diesen Zusatz schloss der Anwalt der Partei der Beklagten zu Beginn des Verfahrens jedoch grundsätzlich aus.

Unzureichende Kenntlichmachung der Absperrkette

Daraufhin eröffnete der Vorsitzende der 2. Zivilkammer die Beweisaufnahme. Was sich nach der Befragung von drei Zeugen herauskristallisierte, war die unzureichende Kenntlichmachung der Absperrkette Ursache des Unfalls. Ein von einem der Zeugen direkt danach angefertigtes Foto zeigt eine schmale, gräuliche Kette, „die Gliedlänge etwa 30 Millimeter“, so der Mann, die vor dem Hintergrund der Büsche und Sträucher kaum sichtbar gewesen sein könnte. Zudem hatte der Sechsjährige genau diese Stelle nur wenige Minuten zuvor passiert, ohne das abgesperrt gewesen war.

Fehlendes Flatterband

Der ebenfalls als Zeuge geladene Betriebsleiter räumte nach Begutachtung des Fotos ein, dass die Absperrung, anders als sonst, nicht zusätzlich mit sogenanntem „Flatterband“ sichtbar gemacht gewesen war.

Das Verfahren wird am 10. Mai fortgesetzt. Dann will die Kammer mit den Parteien die Hinzuziehung eines Sachverständigen prüfen.


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