Strafprozess gegen 64-Jährigen Messer-Attacke in Haren: Frau des Opfers sagt vor Gericht aus

Im Prozess gegen einen Harener wegen Totschlags und schwerer Körperverletzung vor dem Landgericht Osnabrück sagte nun die Frau des Opfers aus. Symbolfoto: Friso Gentsch/dpaIm Prozess gegen einen Harener wegen Totschlags und schwerer Körperverletzung vor dem Landgericht Osnabrück sagte nun die Frau des Opfers aus. Symbolfoto: Friso Gentsch/dpa

Haren/Osnabrück Der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen einen 64-jährigen Harener wegen Totschlags, schwerer Körperverletzung und Vergehens nach dem Tierschutzgesetz vor dem Landgericht Osnabrück stand im Zeichen der Aussage der Lebensgefährtin des tödlich verletzten Opfers.

Die als Nebenklägerin auftretende 76-Jährige hat laut psychotherapeutischem Gutachten das Tatgeschehen nicht verarbeitet und leidet neben einem Herzfehler an schweren posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie verkrafte es nicht, dem Angeklagten im Gerichtssaal gegenüber zu sitzen, sagte ihre Vertreterin, und beantragte daher eine Video-Vernehmung in einem separaten Raum des Landgerichts. Dem gab das Gericht statt, die Aussage wurde über Bildschirme in den Schwurgerichtssaal projiziert.

Hunde bellten und jaulten

Die frühere Kindergärtnerin wirkte mitgenommen und erregt, war aber trotzdem in der Lage, ihre Erinnerungen verständlich und nachvollziehbar zu formulieren. An jenem 8. September 2016 war ihr 81-jähriger Lebensgefährte wie immer um 18 Uhr zur Runde mit den beiden Hunden hinausgegangen, während sie im Haus blieb und das Abendbrot bereitete. Kaum fünf Minuten später hörte sie ein herzzerreißendes Jaulen der Deutschen Dogge und ein heftiges Bellen des Labradors. Sie eilte aus dem Haus und sah ihren Lebensgefährten in der Einfahrt liegen. Sie dachte zunächst an einen Herzinfarkt, trat näher heran und sah dann, dass sein Hemd im Bauchbereich blutgetränkt war. Sie rannte zurück ins Haus und wählte den Notruf.

Blutend den Notruf gewählt

Mit einem Sofakissen ging sie wieder nach draußen. Sie wollte das Kissen ihrem Mann unter den Kopf schieben. Dazu kam es aber nicht, denn ihr Nachbar, der 64-jährige Angeklagte, ging mit dem Messer in der Hand auf sie los. Sie wehrte den erwarteten Stich ab und erlitt dabei eine Schnittverletzung an der rechten Hand. Zurück im Haus, wählte sie erneut 112 und gab Einzelheiten zu der tätlichen Bedrohung durch. In Sorge um den Mann überwand sie ihre Angst und ging ein drittes Mal zum Tatort, um ihren bewusstlosen Partner vor weiteren möglichen Attacken zu bewahren. Diesmal hatte der Nachbar ein Beil in der erhobenen Hand, stürzte auf sie zu, packte sie am Pullover und drohte: „Ich schlag dich tot!“ Er habe einen ganz irren Blick gehabt, so die Zeugin, sodass sie überzeugt war, im nächsten Moment mache er die Drohung wahr. Sie flehte ihn an, nicht zuzuschlagen, denn ihre Enkelkinder bräuchten sie noch. Das habe seltsamerweise gewirkt, der Angeklagte ließ sie los und so habe sie sich ins Haus flüchten können. Kurz darauf trafen Rettungswagen und Polizei ein.

Nachbarn Messer in den Bauch gerammt

Laut Ermittlungen des Staatsanwalts war der Angeklagte zunächst auf die Dogge losgegangen und hat ihr zwei Messerstiche im Nackenbereich zugefügt. Als sich der 81-jährige Nachbar schützend in den Weg stellte, attackierte der Angeklagte ihn ebenfalls mit dem Messer und versetzte ihm einen tiefen Stich in den Oberbauch, der die Milz traf. Im weiteren Tatverlauf soll der Angeklagte in grenzenloser Wut ein Wegekreuz vom Grundstückszaun abgeschlagen und damit auf den bewusstlos am Boden Liegenden eingedroschen haben. Der schwerstverletzte Nachbar kam ins Krankenhaus Meppen, wo er 15 Tage später den Verletzungsfolgen erlag.

Im Vorverfahren wurde bereits festgestellt, dass der Angeklagte unter einer schizophrenen Psychose leidet und die Taten im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat. Zu den Befunden werden die Gutachter am nächsten Verhandlungstag, am 7. April, Stellung nehmen.


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