Langer Weg zum Hörgenuss Tinner Jäger Musikanten arbeiten an neuer CD

Von Matthias Engelken

Das Renkenberger Gemeindehaus wurde kurzerhand zum Aufnahmestudio umfunktioniert. Foto: EngelkenDas Renkenberger Gemeindehaus wurde kurzerhand zum Aufnahmestudio umfunktioniert. Foto: Engelken

Haren. Mitten in den Arbeiten für eine neue CD stecken derzeit die Tinner Jäger Musikanten. Damit aber am Ende ein Hörgenuss im Egerländer-Stil entsteht, müssen die Mitglieder der Kapelle so manch anstrengendes Proben- und Aufnahmewochenende überstehen.

Insgesamt 14 neue Lieder soll die Scheibe am Ende enthalten: Zwei Märsche, vier Walzer, acht Polkas und zudem noch ein Medley bestehend aus sechs Liedern. Klingt für den Laien einfach, doch dahinter steckt ein langer Prozess mit vielen Übungsstunden. „Wir proben seit Herbst 2016 intensiv“, erzählt Dirigent Florian Gerdes.

Fünf Tonträger hatte die Kapelle in der Vergangenheit bereits erstellt, den letzten 1999. Zeit also für ein neues Werk, fanden die Musiker. Schon frühzeitig hatte dazu das gesamte Orchester die Auswahl der Titel vorgenommen und via Abstimmung ausgewählt, um eine gute Mischung aus anspruchsvollen Stücken, die bekannt und beliebt sind, zu gewährleisten.

Neben den wöchentlichen Gesamtproben standen immer wieder einzelne Instrumenten-Register-Übungen an, also Zusammenspiele von Tuba, Posaune und Schlagzeug oder Klarinetten und Flöte und viele weitere Kombinationen. 27 Musiker sind am Werk beteiligt. Allesamt haben sie ein Ziel: Eine möglichst perfekte Platte.

Ziel ist Perfektion

Ein ganzes Wochenende verbrachten die Musiker deshalb beispielsweise in ihrem Übungsraum in Tinnen und probten jedes Lied intensiv. „Es ging insbesondere darum, dass jedes Register, von der Melodie, also Flügelhörner und Baritone, bis zur Rhythmus-Gruppe, also Schlagzeug, Posaunen und Tuba, alles perfekt vorbereitet hat und alle exakt das Gleiche spielen“, erklärt Gerdes. Außerdem wurde viel an der „Intonation“ gearbeitet, das Abstimmen der Töne aller Instrumente. „Jede Fehlstimmung ist ansonsten auf der CD hörbar“, meint der Dirigent. Doch auch die Stille am Schluss eines Liedes ist wichtig. Deshalb durfte sich mindestens drei Sekunden nach Spielen eines Liedes niemand bewegen oder Geräusche machen. „Auch das muss geübt werden“, sagt Trompeter Mario Wilming.

Aufnahme im Gemeindehaus

Für die Aufnahme selbst ging es ins Gemeindehaus nach Renkenberge. Dessen Saal hat eine gute Akustik, das Gemeindehaus bietet erstklassige Bedingungen und eine langjährige Freundschaft zwischen den Tinnern und den Renkenbergern machte die Kooperation möglich. Und freut auch Tonmeister Philipp Heck von den Bauer Studios Ludwigsburg. Ein Experte, der auch schon mit Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten, die Vorbilder der Tinner, zusammen arbeitete, und nun in Renkenberge die Aufnahme leitete.

Doch bevor es an eine solche Aufnahme geht, muss der Raum aufnahmefähig gemacht werden, die Akustik muss stimmen. Ein Zuviel an Hall kann später schlecht nachbearbeitet werden. Die richtige Mischung wurde in Renkenberge durch das Hinzufügen oder Entfernen von Decken und Vorhängen erreicht, einzelne Register durch Trennwände getrennt. Dies ist erforderlich, damit etwa eine laute Tuba nicht im Mikrophon der leisen Klarinetten zu hören ist. Aber auch das Drumherum muss passen: „Bei einem Übungsabend zwei Wochen vor der Aufnahme stellten wir fest, dass die Leuchtstofflampen bei bestimmten Tönen Geräusche machen, sie fingen regelrecht an zu „surren“, erzählt Wilming, warum im Vorfeld 25 Lampen abgeklebt wurden.

Aufnehmen im Akkord

Eine wahre Herausforderung war dann das Aufnehmen quasi im Akkord. Am Aufnahmesamstag etwa musste von 9 bis 19 Uhr gespielt werden, unterbrochen lediglich von einigen kurzen Pausen zwischen den Songs. Dabei darf die Konzentration nicht leiden: „Nur so ist das bestmögliche Ergebnis zu erzielen“, sagt Schlagzeuger Jürgen Heymann. Doch er ist sich sicher, dass alles funktioniert hat.

Genaueres wissen er und seine Mitstreiter in den kommenden Tagen. Dann kommt die Rohfassung ins Haus. „Mit dieser proben unsere Sänger die neun Gesangsstücke“, erzählt Wilming, Ende März geht es dann für ein sechsköpfiges Team ins Tonstudio nach Ludwigsburg. Anschließend wird im Mai „gemastert“, also der letzte Feinschliff vor der Produktion durchgeführt. „Erscheinungstermin für die CD ist Herbst 2017“.

Mit sich selbst sind die Musiker derweil sehr zufrieden. „Wir wollten eine neue Platte machen, um uns musikalisch weiterzuentwickeln und ebenso, um unseren Zusammenhalt im Verein zu stärken“, sagt Gerdes. „Insgesamt haben wir eine tolle Stimmung und viel Spaß an der Vorbereitung gehabt“. Das werde auch auf der neuen Platte zu hören sein.


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