Inselmühle gekauft Haren plant Maczków-Dokumentationszentrum

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Haren. Die Stadt Haren plant ein „Dokumentationszentrum Haren/Macków“ und hat dafür Ende 2016 die denkmalgeschützte Inselmühle gekauft.

Das Gebäude befindet sich in einem der ältesten Stadtquartiere Harens in der Nähe des alten Hafens und stand seit einigen Jahrzehnten leer. Nach dem Tod des Besitzerehepaares Funke hatten die Kinder nun nach Auskunft von Harens Bürgermeister Markus Honnigfort „großes Interesse daran, dass das historische Erbe ihrer Eltern erhalten“ bleibe.

Überlegungen, das alte Gebäude zu erwerben, habe es schon früher gegeben, berichtete Bürgermeister Honnigfort jetzt bei einer Ortsbesichtigung gemeinsam mit Michaela Hoffmann, die in Haren für die Rats- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und auch am Konzept für das Dokumentationszentrum arbeitet. „Allerdings gab es bisher keine passende Verwendung für das Gebäude“, sagte Honnigfort. Diese habe sich nun durch die Idee zur historischen Aufarbeitung eines der wichtigsten Themen aus der Harener Vergangenheit ergeben.

Kauf 2016

Deshalb habe man 2016 den Kauf des Gebäudes über die Bühne gebracht und auch umliegende Grundstücke erworben oder sei noch darum bemüht. Ein Nachbargebäude werde von der Erbengemeinschaft abgerissen und der entstehende Raum für Einfamilienhäuser genutzt. So entstehe Platz rund um das Mühlengebäude, der dessen einzigartigen Charakter betonen werde.

Nun also hat die Stadt Haren nach einem entsprechenden Votum der Politik die Mühle gekauft und entrümpelt – ein Konzept für die Nutzung hatte sie im Vorfeld bereits entwickeln lassen. Denn Haren hat eine europaweit einmalige Episode der Geschichte erlebt, als 1945 bis 1948 aus der emsländischen Stadt das polnische Maczków wurde.

Im Mai 1945 überließen die Briten, die Nordwestdeutschland besetzt hatten, den regulären polnischen Streitkräften sowie ehemaligen Kriegsgefangenen aus den Emslandlagern eine eigene polnische Besatzungszone – nämlich einen großen Teil Harens.

Für die betroffenen Harener war das eine Katastrophe – nur ungern erinnerte man sich lange an diese Zeit der Verbannung und die Zerstörungen, die einige Polen in den Häusern hinterlassen hatten, unter anderem, weil sie jedes Stück Holz zum Heizen benötigten.

Kulturelles Zentrum

Was nur eigentlich kurz andauern sollte, währte letztlich drei Jahre und Maczków entwickelte sich zu einer Art kulturellem Zentrum. Hunderte Ehen wurden geschlossen, es gab Zeitungen, Schulen und Theater. Weltberühmte Künstler wie Benjamin Britten und Yehudi Menuhin gaben Konzerte.

„Über diese Geschichte gibt es unendlich viel zu berichten“, sagt Markus Honnigfort. Genauso gebe es aber unendlich viel Forschungsbedarf. Unter der Prämisse: „Erinnerung kann befreien“ solle in der Inselmühle diese Maczków-Zeit aufgearbeitet werden.

Das Dokumentationszentrum werde einen öffentlich zugänglichen Ausstellungsbereich und einen auf Anmeldung nutzbaren Forschungs- und Dokumentationsbereich erhalten, der für alle Harener Heimatforscher zur Verfügung stehen solle.

Erstes Konzept erstellt

Bei den konkreten Planungen stehe man aber noch am Anfang, sagte Honnigfort. „Wir erarbeiten ein Gesamtkonzept auf dessen Grundlage wir auch auf öffentliche Fördergelder hoffen, zum Beispiel für einen Historiker oder eine Historikerin, die dann auch Archive in London der Warschau bearbeiten kann.“ Geplant sei auch eine Anbindung an die Gedenkstätte Esterwegen.

Unterstützung wurde der Stadt Haren dabei vielerorts signalisiert – in Polen , bei der Bundesregierung, bei der EU. Zahlreiche Gespräche hat Markus Honnigfort bereits geführt, zum Teil gemeinsam mit Uli Schepers, der mit dem Heimatverein Haren an der Maczków-Aufarbeitung arbeitet.

2017 soll vermutlich zunächst das Dach saniert werden – insgesamt sei die Bausubstanz gut, sagt Honnigfort. „Das Projekt wird Geld kosten, aber wir sind bereit, das zu investieren.“ Im weiteren Verlauf sei vorgesehen, das gesamte Quartier Inselmühle historisierend umzugestalten. Es war zur Maczków-Zeit ebenfalls geräumt worden.


Bei der Inselmühle, nach den Besitzern auch Funkenmühle genannt, handelt es sich um eines der wenigen älteren Gebäude Harens, die erhalten blieben. Durch seine Bauart hebt es sich komplett von der üblichen Bebauung ab, erscheint aber älter, als es tatsächlich ist. Denn die Mühle wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus Bentheimer Sandstein und Feldsteinen errichtet, vermutlich aus Material, das damals zur Verfügung stand. Der Keller ist direkt auf den Emssand gebaut und hat keinen Fußboden, die beiden Stockwerke sind je etwa 90 Quadratmeter groß. Ein paar Jahre diente die Mühle dem Mahlen von Getreide, danach wurde sie stillgelegt.

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