Serie „Mein Job und ich“ Harener Kindergartenleiterin über Tanten, laute Kinder und Helikopter-Eltern

Von Ann-Christin Fischer

Leiterin Uta Aehlen freut sich immer, wenn sie viel Zeit mit den Kindern verbringen kann. Foto: Ann-Christin FischerLeiterin Uta Aehlen freut sich immer, wenn sie viel Zeit mit den Kindern verbringen kann. Foto: Ann-Christin Fischer

Haren. Kindergartenleiterinnen heißen Tante, prickeln den ganzen Tag und spielen mit Kindern. Und eigentlich ist ihr Job ja auch nicht anstrengend - stimmt das? In der Serie „Mein Job und ich“ gehen wir Vorurteilen gegenüber Berufen auf den Grund. Diese Mal haben wir mit Kindergartenleiterin Uta Aehlen aus dem Marienkindergarten Altenberge-Erika gesprochen.

Liebe Frau Aehlen, wie sieht der ganz normale Wahnsinn im Kindergarten aus?

Um halb acht geht mein Tag los. Zuerst checke ich meine E-Mails. Ich habe vorher nicht gewusst, mit wie vielen Menschen man täglich sprechen muss (lacht). Im Gruppenbereich ist das ja etwas anderes, vor meiner Position als Leiterin habe ich hier 15 Jahre als Erzieherin gearbeitet. Und dann begrüße ich die Kleinen und meine Kolleginnen, um den Tag zu besprechen.

Worin liegt der größte Unterschied zwischen einer Erzieherin und der Leitung?

Als Leiterin bin ich in erster Linie Ansprechpartnerin für die Eltern und Kolleginnen. Und ich kümmere mich um Bestellungen, habe viel mehr mit Behörden zu tun und mit außenstehenden Institutionen wie zum Beispiel der Grundschule oder anderen Kindergärten.

Wer unterstützt Sie im Alltag?

Natürlich vor allem mein Team, aber auch die Stadt Haren, als Trägerin der Einrichtung. Wir sprechen viel miteinander ab und die Verwaltung hilft uns bei Dingen wie der Urlaubsplanung, Listen, Rechnungen. Die Arbeit würde uns noch mehr Zeit am Kind kosten, darum nehmen sie uns einen Teil ab.

Wie haben sich die Kinder in den letzten Jahren verändert?

In erster Linie haben sich die Einflüsse von außen und die Bildungsarbeit verändert. Früher waren wir eine Aufbewahrungsstätte für Kinder, es wurde sogar so genannt. Heute sind wir ein Dienstleistungsunternehmen, das sich um die Bildung und Erziehung der uns anvertrauten Kinder kümmert.

Früher nannte man seine Erzieherin „Tante“. Wie ist das heute?

Oh Gott, bitte nennt uns nicht mehr so (lacht). Einige denken immer noch, wir basteln den ganzen Tag und passen ein bisschen auf’s Kind auf. Mit dem Vorurteil muss man eben umgehen können.

Wie?

Wir leisten viel Aufklärungsarbeit, erklären Außenstehenden unseren Beruf. Einfach reden.

Woher kommen denn diese Vorurteile?

Ich denke aus den früheren Generationen, in denen ein Kindergarten noch die Kinderverwahrstelle war. Junge Paare wissen meist eher, was hier mittlerweile geleistet werden muss. Und wer uns nicht glaubt, darf gerne einen Vormittag vorbeikommen und sich angucken, was wir machen.

Wie gehen Sie mit den so genannten Helikopter Eltern um?

Wir führen die Kinder ganz langsam an den Alltag heran. Und achten dabei auch auf die Eltern, damit sie sich nicht übergangen fühlen. Auch sie sollen mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Klar gibt es auch die Eltern, die uns nicht glauben, dass ihr Kind gut aufgehoben ist. Dann machen wir zum Beispiel Fotos von den Kindern und zeigen den Eltern, dass es ihren Schützlingen gut geht.

Und was ist mit den Eltern, die ihre Kinder drei- oder viersprachig erziehen möchten?

Bei uns darf das Kind noch Kind sein. Ich kann nur für unser Haus sprechen und wir machen das nicht. Unsere Kinder werden in unseren Alltag integriert und geschult. Kinder müssen auch spielen dürfen, im Dreck wühlen und sich entscheiden, welche Angebote sie während des Tages machen möchte.

Wie hält man Geräuschpegel aus, sind sie genervt?

Nein, manchmal braucht man eine Pause, aber dann geht man halt kurz raus, atmet tief durch und dann ist es wieder gut. Kinder sind nicht leise, Kinder spielen und die spielen laut. Es gibt Phasen am Vormittag, da kann es so laut sein wie in einer Maschinenhalle, aber das gehört eben zum Beruf dazu.


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