18. Seeschifffahrtstag Haren: Krise in der Seeschifffahrt hält an

Von Hermann-Josef Mammes


Haren. 180 Teilnehmer aus dem norddeutschen Raum sind am Freitag zum 18. Harener Seeschifffahrtstag ins Rathaus gekommen. Dabei war es der Harener Hermann Schepers, der es auf den Punkt brachte: „Wir leben seit 2009 mit einer nie da gewesenen Krise in der Seeschifffahrt.“

Dabei hätte sich nicht nur sein Unternehmen, sondern der überwiegende Teil der Reeder in Haren und Leer sowie an der Elbregion der Situation längst gestellt und den Kampf angesagt. Gleichwohl hätten auch in Haren einige Familienreedereien aufgeben müssen. Als Folge sei die deutsche Handelsflotte von 3.800 Schiffen im Jahr 2011 auf mittlerweile 2.900 geschrumpft. Nicht nur seine Kritik richtete sich gegen die Europäische Union. Auf deren Druck hin seien immer weniger deutsche Schifffahrtsbanken bereit, den Reedern Gelder für neue Schiffe zu geben. So seien seit 2009 nur ganz wenige Neubauten bestellt worden. Als Folge würde die deutsche Flotte immer älter. Dabei seien die neuen Schiffe nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch umweltfreundlicher.

Pionierarbeit gefordert

Der 65-Jährige, stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Harener Reeder, forderte Politik- und Bankenvertreter auf: „Wir müssen Pionierarbeit leisten.“ Gemeinsam müsse Deutschland verhindern, dass andere Nationen „uns überrennen“. Die maritime Wirtschaft sei ein starker und strategisch wichtiger und systemrelevanter Wirtschaftszweig.

Dem pflichteten alle Redner bei. So stellte Bürgermeister Markus Honnigfort fest, dass allein in Niedersachsen rund 40.000 Menschen von der maritimen Wirtschaft leben. Auch er warf die Frage auf, ob es richtig ist, wenn eine Exportnation wie Deutschland zunehmend vom Willen ausländischer Flotten und Kapitalgeber abhängig ist.

Daniela Behrens (SPD), Staatssekretäin im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium versprach, dass das Land in den kommenden vier Jahren verstärkt in die niedersächsischen Häfen investieren werde. Sie seien „das Herz der maritimen Wirtschaft“.

Potenzial in der Binnenschifffahrt

Auch Markus Nölke, Geschäftsführer des ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Centers sieht gerade im 5.000 Kilometer Binnenwasserstraßennetz ein riesiges Potenzial für die deutsche Schifffahrt. Zudem sei der Kurzstreckenverkehr auf Nord- und Ostsee für die deutschen Seehäfen „existenziell“. Nölke rechnete vor, dass bislang über die Straße in Deutschland 3,7 Milliarden Tonnen im Jahr transportieret werden. Über Seeschiffe nur 300 Millionen t und über Binnenschiffe sogar nur 200 Millionen t. Dabei sei die Schifffahrt das umweltfreundlichste Verkehrsmittel.

Als Leiter des CIMA Instituts für Regionalwirtschaft in Hannover sieht Arno Brandt einen Hauptgrund für die weltweite Schifffahrtskrise in den Überkapazitäten. Selbst wenn Reeder weltweit in neue Schiffe investierten, würden die alten Frachter nur selten abgewrackt. Vielmehr würden sie aufgekauft und anschließend zur Konkurrenz. Gleichwohl sei es nicht nur aus Umweltaspekten viel sinnvoller, alte Schiffe aus dem Verkehr zu ziehen. Er regte eine „Abwrackprämie“ an. Als „Startkaital“ schlug er der Bundesregierung vor, einen 500 Millionen Euro-Fonds aufzulegen.

Dem erteilte Uwe Beckmeyer (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftministerium eine Absage: „Das würde auch die EU in Brüssel nicht zulassen.“ Zugleich erinnerte er an seinen letzten Besuch vor zwei Jahren beim 17. Seeschifffahrtstag in Haren. Danach habe die Bundesregierung gleich einen ganzen Maßnahmenkatalog umgesetzt, um die Situation deutscher Reeder zu erleichtern. Dies reiche von Steuererleichterungen bis zur besseren Schiffsbesetzungsordnung. Aber auch der Staatssekretär räumte ein: „Trotz unserer Unterstützung sind die Rahmenbedingungen nicht günstig.“ Als weitere Maßnahme käme 2017 die Lohnnebenkostenförderung ins Portfolio. „Das alles bringt Erleichterung, ist aber noch kein Befreiungsschlag“, sagte der Sozialdemokrat. In seiner „nüchternen Analyse“ befürchtete Uwe Beckmeyer, dass die „Weltwirtschaft sich weiter abschwächt“. Gerade viele Schwellenländer wie Venezuela, Nigeria und Brasilien bereiteten Sorgen.

Förderprogramme

Der Bund werde die maritime Wirtschaft weiter unterstützen. Beispielhaft nannte er das LNG-Förderprogramm. So unterstütze man die umweltfreundliche Innovationen von Werften wie der Meyer Werft in Papenburg. Meyer werde diese neue, auf Flüssigerdgas (LNG) basierte Antriebstechnik demnächst bei ihren Kreuzfahrtschiffen einsetzen. Der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft gab aber auch unumwunden zu: „Die Krise ist nicht vorbei.“ Deshalb sei es wichtig, dass alle Beteiligten, auch die Gewerkschaften, weiterhin in Deutschland den Dialog suchten.