1960 bekam Margret Held das Patent Harens erste Kapitänin der Binnenschifffahrt

Von Ann-Christin Fischer

Meine Nachrichten

Um das Thema Haren Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Haren. Sie war Harens erste Kapitänin der Binnenschifffahrt: Margret Held (81) fuhr in den 1960er Jahren in alle Himmelsrichtungen, um ihre Familie zu ernähren.

Die Kapitänskajüte ist noch heute eine Männerdomäne. Nur ein Zehntel aller Kapitäne in Deutschland sind weiblich. Das ist bereits ein großer Erfolg, denn in den 50er Jahren war das undenkbar. 1955 hält die Hamburgerin Annaliese Teetz als erste Frau Deutschlands das Patent „Kapitän auf großer Fahrt“ in den Händen. Dafür hat sie lange gekämpft.

1960 sitzt Margret Held, damals hieß sie noch „Fräulein Lammers“ in Münster vor einigen Männern und beantwortet Fragen über die Besonderheiten der Binnenschifffahrt. Mit 25 Jahren bekam sie als erste Harenerin das Schifferpatent für die Binnenschifffahrt. Kämpfen musste sie auch. Aber nicht, weil es ihr Traumberuf war - sondern um ihre Familie zu ernähren.

Es war eine Selbstverständlichkeit

Margret Held ist heute 81 Jahre alt und wenn sie von früher erzählt, benutzt sie immer wieder die Worte: „Das war selbstverständlich, hinterfragt habe ich nichts. Irgendwo musste das Geld ja herkommen. Heute kann sich das fast keiner mehr vorstellen.“ Was genau sie damit meint, wird im weiteren Gesprächsverlauf klar. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, 1948, ist sie zum ersten Mal auf einem Schiff. „Ich war noch ein Kind, 14 Jahre alt.“ Doch zusammen mit ihren Brüdern und ihrem Vater muss sie an Bord arbeiten. „Nach dem Krieg war unser Schiff kaputt. Zuschüsse kannte man damals nicht. Wir haben alles mit der Hand gemacht, die ganzen schweren Arbeiten“, erinnert sie sich und springt ein paar Jahre vor. „Erst 1956 haben wir ein motorisiertes Schiff bekommen, das war eine kleine Erleichterung.“

Schwere Arbeiten erledigt

Ihr Vater Hermann litt an Asthma. Doch selbst, wenn er kaum Luft bekam, arbeitete er weiter. Zog den Anker hoch, schaffte die Kohle zur Seite, teerte das Schiff. Elektrische Hilfsmittel? Asthmaspray? Das alles gab es damals natürlich nicht. „Wir hatten immer Angst, dass er erstickt.“ Darum halfen seine Kinder mit. Einer von Margret Helds Brüdern sollte 1960 den Kapitänsposten übernehmen. Doch im Juli desselben Jahres verunglückte er bei einem Roller-Unfall. Und plötzlich starb auch ihr Vater. „Es war klar, dass wir irgendwie weiterleben müssen, daher habe ich das Patent gemacht.“

Patent für die Familie gemacht

Margret Held fuhr zwei Jahre durch sämtliche Gewässer der Binnenschifffahrt . Sie steuerte, teerte, schrubbte, kochte nebenbei das Essen, kümmerte sich um alle Arbeiten, die anfallen. Mal ist sie vier Wochen unterwegs, ein anderes Mal nur zwei Wochen. „Vor allem im Ruhrgebiet haben wir oft auf Ladung gewartet.“ 1962 ist ihr jüngerer Bruder so weit und übernimmt die Verantwortung für die Familie. Margret Held heiratete, Ende 1962 wurde der erste von vier Söhnen geboren. Danach mied sie das Wasser nicht, aber sie hegte auch keine Leidenschaft zur Binnenschifffahrt. „Ein Mal bin ich noch gefahren, danach nie wieder. Es war keine gute Zeit damals.“ Wenn im Fernsehen Dokumentationen laufen, schaue sie gerne zu. „Interessant ist das ja alles. Aber es hat sich so viel verändert. Wir haben damals auf Strohsäcken mit Flöhen geschlafen und heute beschweren sich die Leute, wenn auf ihrer Yacht keine Klimaanlage ist. Das kann ich nicht verstehen.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN