Gast beim Schlagertreff Judith und Mel haben Freunde und Bekannte in Haren

Von Reinhard Fanslau

Judith und Mel beim Auftritt in der Divarena, Neues Deichhorst, Delmenhorst. Am 18. September 2016  kommen sie nach Haren. Archivfoto: Andreas NistlerJudith und Mel beim Auftritt in der Divarena, Neues Deichhorst, Delmenhorst. Am 18. September 2016 kommen sie nach Haren. Archivfoto: Andreas Nistler

Haren. Das Volksmusik-Duo Judith und Mel ist Gast beim Schlagertreff in Haren am 18. September 2016. Das Emsland kennen beide gut, wie sie im Interview sagen.

Mel Jersey, vor der Zeit als Duo Judith und Mel haben Sie in den 1970er Jahren als Mel Jersey eine beachtliche Solo-Karriere hingelegt ...

Ach, das liegt so lange zurück. Darüber möchte ich heute nicht mehr sprechen. Es soll nur um Judith und Mel gehen.

Sie treten am 18. September beim Schlagertreff in Haren im Emsland auf. Kennen Sie den Landstrich?

Natürlich. Wir wohnen in Oldenburg, das Emsland ist nicht weit, wir waren schon zig Mal dort, wir sind ja quasi Nachbarn. In Haren hatten wir zwar noch keinen Auftritt, aber wir haben dort Freunde und Bekannte und kennen die Stad t.

5-fach-CD

Sie feiern jetzt als Duo Judith und Mel 30-jähriges Bühnenjubiläum.

Das stimmt. Wir haben aus diesem Anlass eine 5-fach-CD herausgebracht. Meine Solokarriere dazugerechnet feiere ich jetzt sogar schon 50-jähriges Jubiläum.

Krone der Volksmusik, ZDF-Superhitparade, Goldene Stimmgabel und viele andere mehr. Gibt es noch irgendeinen Preis, den Judith und Mel noch nicht gewonnen haben, aber gerne hätten?

Nein, wir haben alle Preise bekommen, die in unserem Bereich zu kriegen sind. In den Wettbewerben, wo Pop-Künstler und Schlagersänger dazu kommen, habe ich als Volksmusik- und Schlagersänger keine Chance, wenn ich nicht gerade Helene Fischer heiße.

Bodenständig

Trotz ihrer vielen Preise und Erfolge gelten Sie beide als bodenständig und natürlich. Was tun Sie, damit Ihnen der Ruhm nicht zu Kopf steigt?

Wir haben nie vergessen, woher wir kamen. Ich war Werkzeugmacher von Beruf, Judith hat Sekretärin gelernt. Das Singen war unser Hobby. Dann haben wir unser Hobby zum Beruf gemacht. Und wer hat schon die Chance, mit seinem Hobby seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? Darüber sind wir sehr, sehr glücklich. Wir wohnen immer noch da, wo wir früher gewohnt haben. Und wir haben immer noch dieselben Freunde wie früher. Für uns hat sich in all den Jahren nichts verändert. Eine große Rolle dabei spielt auch der Zusammenhalt der Familie. Weil die Familie intakt ist und immer einer für den anderen da ist, holen wir uns daraus die Kraft für unsere Arbeit. Die Ruhe und Erholung, die wir brauchen in dem ganzen Stress, holen wir uns Zuhause. Nur so können wir uns unseren Fans gut präsentieren. Anders geht das auch gar nicht.

Titel wie „Land im Norden“ oder „Mein Hawaii ist Norderney“ sagen es. Sie sind beide durch den Norden geprägt. Was ist für Sie anders, wenn Sie in Fulda oder Berlin auftreten, statt in Wilhelmshaven oder Haren?

Klar, vor 30 Jahren haben wir mit „Land im Norden“ angefangen. Wir haben uns aber seitdem weiterentwickelt. Und wir treten inzwischen nicht nur in ganz Deutschland auf, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum. Und in Holland, Belgien, Luxemburg, Dänemark… Weihnachten werden wir sogar ein Konzert in Polen geben. Überall im Ausland, wo Deutsch gesprochen wird, sind wir dabei. Im Elsass demnächst zum Beispiel auch. Bei Auftritten merken wir keine Unterschiede. Das Publikum ist überall gleich nett und freundlich zu uns.

Auf neuer CD von Andy Borg

Sie schreiben viel für andere Interpreten ...

Ja, das habe ich schon immer gerne gemacht. Ich bin gerade erst mit einem Lied auf der neuen CD von Andy Borg vertreten.

Wenn ein Lied von Ihnen für andere ein Erfolg wird, bedauern Sie es dann nicht, dass sie es nicht selber gesungen haben?

Nein, um Himmels willen. Im Gegenteil, ich freue mich tierisch. Ich überlege mir vorher genau, für wen ich schreibe und ob derjenige das auch umsetzen kann. Wenn ich zum Beispiel für Andy Borg ein Lied komponiere, ist es auf einen Einzelinterpreten zugeschnitten. Das könnten Judith und Mel als Duo gar nicht singen. Das würde zu uns nicht passen.

Inwiefern haben Sie sich musikalisch weiterentwickelt?

Was wir heute machen, ist Schlager. Die reine Volksmusik kommt heute in Funk und Fernsehen nicht mehr vor. Die ist abgeschafft, leider Gottes.

„Das passt nicht in unser Sendekonzept“

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Die Herrschaften, die jetzt das Sagen haben, die Redakteure und die Senderchefs, kommen meistens aus der 1960er Generation. Die mochten Volksmusik und Schlager nie, die haben in ihrer Jugend schon immer englischsprachige Titel gehört. Jetzt in ihren gehobenen Positionen können sie sich selber verwirklichen und spielen nur die Musik, die sie wollen und mögen. Eine Handvoll Redakteure zwingt 80 Millionen Deutschen ihren Geschmack auf. Das finde ich völlig daneben. Das, was das Publikum hören will, bekommt es nicht mehr geliefert. Dabei bezahlt es dafür. Gehen Sie mal raus auf die Straße und fragen die Leute, was sie hören wollen. Sie werden überrascht und sogar erschrocken sein. 80 bis 90 Prozent der Deutschen wollen deutsche Musik hören. Die Senderchefs wollen die jungen Leute haben. Doch keiner der Jungen guckt ARD oder ZDF, auch unsere eigenen Kinder nicht. Es werden sogar Volksmusik-Sendungen im Fernsehen abgesetzt, die gute Quoten haben. Nur weil diese Herrschaften diese Musik nicht hören wollen. Sie sagen: „Das passt nicht in unser Sendekonzept. Das muss weg.“ Irgendwann kommt es noch mal so weit, dass die deutsche Sprache verboten wird. Unsere Kinder gehen heute nicht mehr zu einem Konzert, sondern zu einem Event. Man sagt zu den Kindern auch nicht mehr Kinder, sondern Kids. Das ist schlimm, aber daran werden wir beide nichts mehr ändern.

Sie haben vor kurzem von der Stadt Oldenburg einen Preis für die Verdienste um die Stadt bekommen. Wie kam es dazu?

Ja, uns haben sie die große Oldenburger Stadtmedaille verliehen. Wir sind jetzt Ehrenbürger von Oldenburg. Durch unsere unzähligen Auftritte im Radio und im Fernsehen und durch die vielen Berichte in der Presse, die über uns zu lesen waren, haben wir viel Werbung für Oldenburg gemacht. Das hat der Bürgermeister alles registriert und sich jetzt wohl gedacht: „Jetzt wird es aber Zeit, dass die beiden die große Stadtmedaille bekommen.“ Wir identifizieren uns zu 100 Prozent mit der Stadt und nutzen jede Gelegenheit, uns für sie verdient zu machen. Judith ist hier geboren. Ich komme eigentlich aus Hannover, aber möchte nie wieder von Oldenburg weg.