Mit Biogas Wärme produzieren Hof Engelken in Haren will Flüchtlinge einstellen

Von Heiner Harnack

Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern begrüßte  Jens Engelken auf dem 1837 gegründeten Hof in Wesuwe. Foto: Heiner HarnackFlüchtlinge aus verschiedenen Ländern begrüßte Jens Engelken auf dem 1837 gegründeten Hof in Wesuwe. Foto: Heiner Harnack

Haren. Viele Flüchtlinge würden gerne in Deutschland arbeiten. Dem vorgeschaltet ist ein Integrationskurs, in dem sie die deutsche Sprache erlernen müssen. Jens Engelken aus Wesuwe hatte jetzt die Idee, diese Menschen für einen Nachmittag auf seinen Hof einzuladen, um ihnen ein landwirtschaftliches Unternehmen aus der Nähe zu zeigen.

Bei der Ankunft in der Wierescher Straße herrscht ein Sprachengewirr aus Arabisch, Französisch, Englisch und auch ein paar Brocken Deutsch. 45 Menschen aus unterschiedlichen Ländern sind zu Fuß, per Pkw oder mit dem Rad mit einigen Betreuern auf den Hof Engelken gekommen, um zu erfahren, was ein moderner Betrieb in der Landwirtschaft heute alles zu leisten im Stande ist. Zunächst zeigte der Agraringenieur den Gästen ein Maisfeld, auf dem zwischen Mai und Oktober die goldgelben Kolben wachsen. Zum Erstaunen vieler wird ein Hektar inzwischen in nur wenigen Minuten mit modernster Technik abgeerntet.

34.000 Hühner

Weiter ging es zum Geflügelstall, in dem Hühner sich frei auf mehreren Etagen bewegen und entgegen dem immer auf der Landwirtschaft haftenden Negativklischee sich völlig frei auch auf einer 14 Hektar großen Wiese mit Sträuchern und Gräsern aufhalten dürfen. So verwunderte es nicht, dass die eine oder andere Henne mal eben kurz aus dem hohen Gras hervorlugte, um die Gäste aus aller Herren Länder zu begrüßen. Übrigens legen die rund 34.000 Hühner pro Tag etwa 30.000 Eier. „Natürlich sucht sich das eine oder andere Huhn schon einmal ganz besondere Legeplätze dafür aus, so dass wir schon mal suchen müssen“, erklärte der Betreiber den Gästen.

Strom aus Biogas

Dass ein moderner Hof heute mehr zu bieten hat, als nur Tierhaltung zeigte sich an der Biogasanlage auf dem Hof. „Neben der Stromerzeugung versorgen wir Häuser in der Umgebung und einige Wirtschaftsbetriebe am Industriegebiet A31 mit der entstehenden Wärme“, zeigte der Landwirt die Möglichkeiten eine Biogasanlage auf.

Kaum zu glauben, dass nur wenige Mitarbeiter benötigt werden, um die Anlage rund um die Uhr am Laufen zu halten. Flüchtling Jean-Baptiste fragte sofort nach, ob Jens Engelken nicht Arbeit für ihn hätte, da er, genau wie seine anderen Begleiter, nicht den ganzen Tag einfach nur herumsitzen wollten.

Hilfskräfte intensiv schulen

Engelken, der beim Rundgang auch den Maschinenpark vorführte, unter anderem arbeiten die großen Traktoren mit GPS-gestützten Steuerungssystemen, sah dies durchaus kritisch. „Meine Mitarbeiter sind für ihre Arbeiten speziell und umfassend ausgebildet worden“, erzählte er. Auch Hilfskräfte müssten intensiv angelernt werden und sollten deshalb auch sicher über längere Zeit bleiben. Dennoch plant der 36-Jährige, ab Herbst zwei Praktikanten zu beschäftigen. Auch um, wie er sagt, ein Zeichen zu setzen: „Ich möchte bei der Integration helfen.“ Dabei dankte er auch den vielen Helfern für ihr unermüdliches Engagement, weiterhin Arbeitsstellen für die Flüchtlinge zu suchen und Kontakte herzustellen. Problematisch sieht Engelken jedoch die derzeitige Abschiebepraxis. „Leider bleiben den Flüchtlingen wenig Chancen, teure Rechtsmittel einzulegen und sich gegen die Abschiebung zu wehren.“ Dies mache es für ihn als Arbeitgeber wiederum schwer, Flüchtlinge einzustellen.

Mächtig beeindruckt

Das Angebot, zwei Praktikanten aus ihren Reihen anzustellen, fand natürlich großen Zuspruch bei den Flüchtlingen. Voraussetzung sei jedoch, dass die deutsche Sprache noch ein wenig mehr beherrscht werde.

Am Ende gab es auf dem Hof Kaffee, Limonade und Kuchen für die Besucher, die aus ihren Heimatländern andere landwirtschaftliche Arbeitsweisen gewohnt sind, aber mächtig beeindruckt waren von der modernen Landwirtschaft im Emsland.


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