„Austritt wäre ein Schock“ Brite in Meppen hofft auf Verbleib in der EU

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Verlassen die Briten die EU? Symbolfoto: Gregor Fischer/dpaVerlassen die Briten die EU? Symbolfoto: Gregor Fischer/dpa

Meppen. Die Spannung steigt: Erklären die Briten am Donnerstag den Austritt aus der EU? Henry Jung, in Meppen lebender Brite, hofft auf einen Verbleib in der Europäischen Gemeinschaft. Ein Austritt wäre nach Ansicht des 68-Jährigen „ein Schock für die EU“.

Seine Landsleute hätten die Mitgliedschaft in der EU immer pragmatisch betrachtet nach dem Motto „Was zahlen wir ein, und was kommt dabei heraus?“. Ein Großteil der Briten sei „nicht gerade beseelt von europäischen Visionen auf politischer Ebene und trat der EU bei, als Europa noch ausdrücklich eine Wirtschaftsgemeinschaft war“.

Souveränitätsverlust?

Inzwischen, wie in anderen europäischen Ländern, sei ein Gefühl des Souveränitätsverlustes erwachsen. Die Briten nutzten ihr Wahlrecht, um die politische Gewichtung in Westminster zu bestimmen und nicht von Brüssel durch die Hintertür bestimmt zu werden. Die Äußerungen von manchen Brüsseler Politikern, Brüssel müsse noch mehr Befugnisse haben, treibe noch mehr Wähler in das Brexit-Lager.

Wirtschaftliche Nachteile

Brexit-Befürworter führten die „als unkontrolliert empfundene Einwanderung“ als Bedrohung an und versprächen eine deutliche Verringerung der Zuwanderung. Das Thema ist für den seit den 1960er-Jahren in Deutschland lebenden pensionierten Lehrer „emotional und überlagert für viele Wähler Argumente für den Verbleib in der EU “. Dies sei, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion, eine bedauerliche Entwicklung, „denn die wirtschaftlichen Nachteile eines Austritts sind meiner Ansicht nach noch viel schwerwiegender und unmittelbarer“.

In vielen internationalen Institutionen

Der gebürtige Newporter Jung verweist auf diverse internationale Institutionen, in denen die Briten vertreten sind: Sicherheitsrat der UN, NATO, G7 und OECD. „Dort arbeiten sie aktiv mit und vertreten die Interessen der westlichen Welt.“ Deshalb sei es schade, „dass sie nicht ihre nüchterne und pragmatische Haltung in Brüssel zur Geltung bringen, denn dies würde Europa guttun“.

Auf Messers Schneide

Einen möglichen Austritt der Briten wäre nach Ansicht des Wahlmeppeners ein Schock für die Gemeinschaft. „Stellt sie nicht die Idee eines vereinigten Europas auf den Kopf?“, fragt der 68-Jährige. Der Verlust der zweitgrößten Volkswirtschaft in der EU und zudem eines Netto-Einzahlers würde auch die EU empfindlich treffen. „Die Wiedereinführung von Zöllen und anderen Handelshemmnissen wird die Volkswirtschaften Großbritanniens und anderer europäischer Staaten schädigen. Das Land ist nicht mehr Weltmacht, sondern eine europäische Mittelmacht, die Verbündete und freie Handel benötigt, um zu überleben.“

Die Entscheidung der Briten, der EU den Rücken zu kehren oder nicht, steht auf Messersschneide. Das sieht Jung ganz realistisch. Er hofft auf einen Verbleib in der EU. Allerdings: „Wenn mein Wunsch wahr wird, bleibt der Unmut gegenüber Brüssel bestehen.“


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