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Zwei Tage Musik und Aktionen Bunt und tanzbar: Neon Fields Festival 2016 in Haren

Von Tobias Böckermann und Tim Gallandi


tb/trg Haren. Musik zum Träumen, Musik zum Entspannen, Musik zum Tanzen: Die zweite Auflage des Neon Fields Festivals in Haren hat alle Erwartungen erfüllt. 600 Besucher aus ganz Deutschland freuten sich an zwei Tagen über 15 Acts und ein umfangreiches Rahmenprogramm.

Schade nur, dass die Hitzewelle von neulich nicht noch länger angedauert hat. Denn so angenehm die Atmosphäre auf dem Gelände an der Mersmühle auch war: je später die beiden Abende, desto kühler wurde es. Warmtanzen war also angesagt, und das taten die meisten Besucher auch je nach musikalischem Gusto – denn die 15 Bands verband vor allem ihre Vorliebe für elektronische Klänge, die Ausrichtung wechselte von spärische-treibend wie bei Polynation bis zu düster-melancholisch bei Headlinerin Dillon.

Was die Rahmenbedingungen anging, gab es sonst aber nichts zu meckern. Das Drumherum mit einer Chillout-Zone samt Hängematten, mit Strandkörben und Bars wie im sonnigen Süden stimmte ohnehin. Nicht zuletzt blieb es, anders als am zweiten Festivaltag 2015, trocken, was einem nicht geringen Teil des Publikums an beiden Tagen ermöglichte, sich auf der Wiese niederzulassen und im Schneidersitz ebenso gespannt wie entspannt die Musikdarbietungen zu erleben. (Weiterlesen: So war Neon Fields 2015)

Indietronic regiert

Stilistisch ließen sich diese erneut ins voluminöse Sammelbecken Indietronic packen – auch wenn Björn Wösten, beim Verein Klangkultur fürs Booking verantwortlich, davon ausgeht, dass es eigentlich kaum noch klar abgrenzbare Genres gibt. Also Indie, abseits des Mainstreams, und Electronic, weitgehend weg von handgemachten Sounds. Dass hinter diesem Begriff ein weites Feld an Klangmixturen steckt, wurde schon bei den ersten Gigs deutlich. Auf die Opener von Sea Moya folgte mit Blaue Blume eine Band, die mit grummelnden Gitarrenakkorden in Postrock-Manier loslegte.

Den im Electro-Genre so häufigen Synthesizer gibt es bei dem Quartett aus Dänemark nicht, wohl aber Effektgeräte, die zum sphärischen Eindruck beitragen. Inspirationen von den späten Talk Talk bis zum Schaffen von Radiohead waren unverkennbar, die Stimme von Frontmann Jonas Smith, der häufig im Falsett sang, bedurfte allerdings der Gewöhnung. Zu ihren weiteren Einflüssen zählen Blaue Blume 70er Formationen wie Roxy Music sowie „viel von Kate Bush“.

Mit Synthesizer und E-Gitarre

Aufhorchen ließen danach Me and My Drummer. Das in Berlin ansässige Duo, bestehend aus Sängerin und Multiinstrumentalistin Charlotte Brandi und ihrem Drummer Matze Pröllochs verortet sich zwischen Indie und Dream Pop.

Parallelen zu Künstlerinnen wie besagter Kate Bush oder Julia Holter ließen sich heraushören, was aber nur eine Facette ihres Schaffens ist. Mal klangen Me and My Drummer mit peitschender Snare und üppigen Synthieflächen wie der Soundtrack eines 80er-Jahre-Films. Dann wieder gab es Balladen mit Americana-Schlagseite, samt düster dräuender E-Gitarre.

Meist tanzbare Klänge lieferten später Vimes, eine Band aus Köln um Sänger Azhar Syed und Instrumentalist Julian Stetter. Bei ihrem Mix aus House und Indie Pop standen die Songs ihres Frühjahr 2016 erschienenen Debütalbums „Nights In Limbo“ im Mittelpunkt.

Veranstalter zufrieden

Am Samstag sorgten zunächst Bakery aus Berlin mit einer Prise Psychedelik-Electronica für einen sehr tanzbaren Einstieg in den Festivaltag. Es folgten Gosto aus den Niederlanden, deren Sänger Roel Vermeer mit seiner markanten Stimme einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Ihr Song „Reason to dance“ könnte auch als Motto für das Festival herhalten: Denn wer nicht zumindest durchgängig mit Fußspitzen oder Kopf wippte, war vermutlich taub.

Dillon betrat am Samstagabend als Headlinerin die Bühne – die gebürtige Brasilianerin lebt schon viele Jahre in Berlin und gibt in diesem Jahr nur eine Handvoll Konzerte. In Haren waren offensichtlich eine ganze Reihe Fans im Publikum, die unter anderem ihren Song „Thirteen Thirtyfive“ als Chor im Wechselspiel mit Dillon performen konnten. Allerdings sorgten nicht nur kleinere Tonprobleme auf der Bühne (nicht davor, der Klang für das Publikum war exzellent) zunächst für einen verhaltenen Auftritt. Denn Dillons Musik ist melancholisch, manchmal bedrückend, eher nicht für die große Party geeignet, sondern zum Genießen bestimmt.

Coma aus Köln und Abby System aus Berlin sorgten dann zu nächtlicher Stunde aber dafür, dass fürs Partyvolk keine Wünsche offen blieben. Neon Fields 2016 machte Lust auf eine entspannte Wiederholung 2017. Aus Sicht der Festival-Veranstalter vom Verein Klangkultur Emsland war der Auftakt des zweiten Neon Fields gelungen. „Wir sind zufrieden“, resümierte Heiner Schnelte, auch mit Blick auf die Publikumsresonanz. Das Team rechne mit insgesamt etwa 600 Besuchern, also ungefähr so vielen wie im Vorjahr. Bemerkenswert: Etwa 70 Prozent der Tickets, die im Vorverkauf abgesetzt wurden, gingen an Musikfans außerhalb des Emslandes. „Wir sind eben ein Spartenfestival“, sagt Schnelte.


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