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Partei sucht nach Ersatzort AfD-Veranstaltung nicht mehr in Haren

Beim schnell von der AfD abgebrochenen Gespräch mit dem Zentralrat der Muslime in der vergangenen Woche war auch Armin-Paul Hampel, AfD-Vorstandsmitglied (rechts hinter Frauke Petry), dabei. Nun sucht seine Partei im Emsland nach einem Saal, in dem er eine Rede halten kann. Foto: epdBeim schnell von der AfD abgebrochenen Gespräch mit dem Zentralrat der Muslime in der vergangenen Woche war auch Armin-Paul Hampel, AfD-Vorstandsmitglied (rechts hinter Frauke Petry), dabei. Nun sucht seine Partei im Emsland nach einem Saal, in dem er eine Rede halten kann. Foto: epd

Haren. Eine für den kommenden Mittwoch von der „Alternative für Deutschland“ (AfD) geplante Kundgebung im Saal Hagen in Haren findet zumindest dort nicht mehr statt. Die Partei sucht einen anderen Saal.

Das hat der Vorsitzende des Kreisverbandes Ems-Vechte, Danny Meiners, am Freitagmorgen auf Anfrage bestätigt. „Wir bemühen uns derzeit um einen anderen Saal“, sagte Meiners. Und Hotelinhaber Dieter Hagen aus Haren bestätigte: „Wir haben die Veranstaltung bei uns in beiderseitigem Einvernehmen abgesagt.“ Der stellvertretende Vorsitzende der AfD im Bezirk Ems Vechte (Emsland/Grafschaft Bentheim), Heiner Rehnen aus Heede, machte „massive Bedrohungen“ für die Absage in Haren verantwortlich.

Die AfD Niedersachsen wollte eigentlich am Mittwochabend in Haren erklären, wofür sie inhaltlich stehen möchte. Geworben wurde unter anderem mit einer Rede von Paul Hampel , der Landesvorsitzender der Partei in Niedersachsen und Mitglied im Bundesvorstand der umstrittenen Partei ist. Ursprünglich hatte die Veranstaltung im Saal Eppe in Teglingen stattfinden sollen – aber auch das war letztlich gescheitert und die AfD wich vorerst nach Haren aus.

„Haltung zeigen“

Nachdem der Termin bekannt geworden war, hatte sich im Internet aber sehr schnell eine Gegenbewegung gebildet. Während auf der Facebook-Seite der AfD und auch andernorts unterstützende Kommentare zu lesen waren, äußerten sich vor allem Harener und Emsländer eher besorgt und riefen dazu auf, Haltung zu zeigen.

Mitte der Woche hatte dann eine Emsländerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, eine Gegenveranstaltung ins Leben gerufen und beim Landkreis Emsland auch angemeldet. Unter dem Motto „Friedlich gegen Rassismus – Nationalismus ist keine Alternative“ soll jeder, der sich berufen fühle „Gesicht zu zeigen“, um 18 Uhr an der Wesuweer Straße/Ecke Adenauerstraße in Haren erscheinen. „Wir freuen uns auf viele friedliche Menschen und einen schönen Abend“, sagt die Organisatorin.

Gegendemo geplant

Heiner Rehnen von der AfD sieht den Vorgang ganz anders. Am Freitagnachmittag teilte er mit, schon der erste Wirt in Meppen-Teglingen sei von „Berufsdemonstranten“ angegangen worden. Daraufhin habe man bei Dieter Hagen in Haren angefragt und der habe unter dem Vorbehalt zugesagt, dass die Stadt Haren nichts dagegen habe. Nachdem alles geklärt gewesen sei, habe man einen Vertrag gemacht. „Herr Hagen steht nicht im Verdacht, mit der AfD zu sympathisieren. Er hat eine rein geschäftliche Entscheidung getroffen.“

Leider sei dann zunächst auf der Facbook-Seite des Hotels Hagen ein regelrechter Terror losgegangen und der Bewertungsstatus des Hotels massiv beschädigt worden. Auch habe es Drohbriefe gegeben, in denen vor einem Abbrennen des Hotels gewarnt worden sei. „Daraufhin hat der Wirt seine Existenz bedroht gesehen und wir haben ihn aus dem Vertrag entlassen.“ Hotelier Dieter Hagen wollte diese Äußerungen derzeit nicht kommentieren.

Heiner Rehnen verortete die „massiven Bedrohungen ganz klar im linken Spektrum“, das sei anhand der Einträge bei Facebook, die teilweise mit Klarnamen erfolgt seien, deutlich zu sehen. Soweit juristisch möglich, werde man dagegen vorgehen.Rehnen sieht derweil ein Problem für die Demokratie: „Wenn es der AfD als demokratischer Partei nicht möglich ist, öffentlich zu tagen und Wahlkampf zu machen, dann ist das eine Benachteiligung gegenüber anderen Parteien. Dann erwägen wir, die Kommunalwahlen im September anzufechten.“

Derweil ist die AfD momentan auf der Suche nach einem anderen Ort für den Vortrag, zu dem er mehrere Hundert Menschen erwartet. „Wir fordern die Kommunen auf, uns öffentliche Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, auf denen wir im Notfall ein Zelt aufbauen werden.“

Mit diesem massiven Gegenwind hatte die AfD derweil nicht gerechnet. „Das kennen wir bisher nur aus Großstädten, aber nicht aus dem Emsland“, sagte Rehnen.

Ob die für Mittwoch angekündigte Demonstration „Friedlich gegen Rassismus“ nun stattfinden wird, ist derweil noch offen und soll wohl am Wochenende entschieden werden. Eine der möglichen Teilnehmerinnen, Svenja Reich, sagte auf Anfrage, warum Sie am Mittwoch mit dabei sein will: „Mir selber und vielen anderen Einwohnern passt eine „Partei“ mit diesem Propaganda-Programm nicht. Ich selber bin gegen das Frauenbild „Heimchen am Herd“ und absolut gegen Rassismus. Gerade hier in Haren klappt die Integration nahezu vorbildlich. Ich selber unterstütze eine Familie aus Afghanistan. Da ich gebürtig aus der Nazi-Hochburg Dortmund Dorstfeld komme, weiß ich wie billigste Propaganda Nährboden findet.“

Sicher ist nun also nur: im Saal Hagen findet die AfD-Kundgebung nicht statt.


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