Kameradrohne schützt Rehkitze Technik soll Wild vor Mähtod bewahren

Von Ann-Christin Fischer


Haren. Drohnen haben einen schlechten Ruf, sie gelten im schlimmsten Fall als Tötungsmaschinen. Aber es geht auch anders: Dennis Röttger aus Haren und Pascal Janßen aus Lingen wollen mit ihrer selbst entwickelten Drohne, an der eine Wärme- und Videobildkamera angebracht ist, Rehkitze vor dem Mähtod bewahren.

Das Aufbauen dauert nur wenige Minuten. Pascal Janßen, Student der Elektrotechnik, kümmert sich um die Steuerung und Dennis Röttger baut den Leitstand auf. Dann schaltet der Lingener die Drohne ein, acht Propeller drehen sich und erzeugen ein lautes Surren. Der sogenannte Oktokopter verharrt kurz wenige Meter über dem Boden, dann saust er in die Höhe. Die Idee ist simpel: Janßen lässt die Drohne fliegen, suchen und finden. Die Wärmebildkamera ortet möglicherweise ein Kitz, das versteckt im Feld liegt. Röttger hat währenddessen immer den Leitstand inklusive Bildschirm im Blick, alles läuft über Funk und falls auf dem orangenen Bildschirm ein roter Punkt erscheint, setzt er die Spezialbrille auf und läuft ins Feld. „Die Spezialbrille ist mit der Technik am Leitstand verbunden und ich strecke meinen Arm aus, um dann in die Richtung des roten Punktes, also des Tieres, zu laufen“, erklärt Röttger, Industriemeister für Elektrotechnik.

Erst im März und April werden die Rehkitze geboren, aber schon jetzt möchten die beiden jungen Männer die Landwirte im Emsland auf ihre Drohne aufmerksam machen. Ab und an lassen sie ihr unbemanntes Luftfahrzeug steigen, auch, um Interessierten zu erklären, wie ihr Vorhaben funktioniert. Seit Jahren basteln sie an dem Oktokopter herum, wurden jetzt sogar für den Preis „Stark für die Zukunft“ der Zeitschrift Land&Forst nominiert. Noch bis zum 7. Februar kann jeder auf der Website galaabend.agrarheute.com/landstern-ehrenpreis/ für die beiden Emsländer voten.

Ihre Begeisterung ziehen sie aus einem gemeinsamen Hobby, der Technik. „Wir haben uns schon immer für Technik interessiert und irgendwann kam uns die Idee, dass man mit einer Drohne doch auch Leben retten kann “, erzählt Dennis Röttger. Finanziert werde das Ganze von Sponsoren. Die Drohne koste circa 5000 Euro, dazu kommen eine 15000 Euro teure Wärmebildkamera und viele Kleinigkeiten, die die beiden Jungs schon gar nicht mehr aufzählen können. Wert der Drohne heute: Knapp 30000 Euro. Aber sie wollen mit der Luftrettung nicht reich werden, nur die Kosten decken. „Wir haben über zehn Rehkitze vor dem Mähtod gerettet, das ist doch etwas tolles und darum machen wir weiter“, sagt Janßen stolz. Bauen, Kontakte knüpfen, Genehmigungen einholen: Alles haben die Emsländer hinter sich, und mussten viel lernen: „Mit einer Drohne kann man auch Unfug treiben und darum müssen wir einige Regeln kennenlernen, wie zum Beispiel das Gewicht von fünf Kilogramm und Sicherheitsabstände einzuhalten, Höhenmeter abzuschätzen“, weiß Janßen heute. Im Duo bieten sie ihre Dienstleistung an, ungefähr 100 Euro kostet das Abfliegen eines zehn Hektar großen Feldes. Landwirte, Lohnunternehmen und Jäger können die beiden beauftragen. In wenigen Monaten müssen sie wieder aufs Feld. Und bis dahin haben die beiden einen Wunsch: „Votet für uns, damit wir den Preis bekommen.“