Zu Besuch bei zwei Harener Imkern Heidehonig von den Menschenbergen

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Haren. Fast ist die glutrote Pracht schon wieder vorbei: Die letzten Heideflächen des Emslandes blühen und erfreuen gerade mit pinkfarbener Pracht. In dieser Umgebung betreiben die Harener Josef Geers und Hermann Thyen noch ein altes Handwerk – sie sind Heideimker.

Heide bedeckte in der Mitte des 19. Jahrhunderts rund die Hälfte des Emslandes, entsprechend häufig waren Honigbienen anzutreffen, die dem Imker süßen Honig und Wachs in großer Menge lieferten. Aber die Heideimkerei ist bis heute ein mühseliges Geschäft geblieben – nur wenige Imker tun sich das an.

Josef Geers (67 Jahre) und Hermann Thyen (68) gehören zu dieser Gruppe. Beide könnten längst als Rentner die Füße hochlegen – aber Geers liebt seinen Beruf als Autohändler ebenso wie Thyen seine Arbeit als Hausarzt. Zwar sind die Nachfolgen geregelt, aber beide sind noch gerne berufstätig. Und dann noch die mühevolle Heideimkerei? „Ja klar. Wir lieben diese Landschaft“, sagen beide.

Ihre Bienen stehen auf dem Hümmling, im Naturschutzgebiet Mansenberge bei Berßen. Sieben ihrer insgesamt 20 Völker mit jeweils bis zu 50000 Bienen teilen sich die Sonnen- und auch manche Regentage mit rund 40 Bentheimer Landschafen, die hier die Heide kurzhalten. Vor 3500 Jahren haben Ur-Emsländer hier ihre Toten bestattet, der Name „Mansenberge“ könnte „Menschenberge“ bedeuten und erschiene dann durchaus passend.

„Die Schafe sind nicht nur gut für die Heide“, sagt Hermann Thyen. „Sie zerreißen auch beim Weiden die Netze der vielen Kreuzspinnen“. Und das bedeute, dass weniger fleißige Bienen ihr Leben als Spinnennahrung lassen müssen. Der Aderlass durch Thekla und Co. ist einer der Gründe für die ständig gesunkene Attraktivität der Heideimkerei. Kein Imker will am Ende der Saison Bienenvölker zusammenlegen, weil die Hälfte der Tiere fehlt.

Aber die beiden Harener haben dieses Problem kaum, vielleicht wegen der Schafe. Bleibt als Nachteil das späte Saisonende für die Bienen. „Die anderen Völker werden jetzt schon aufgefüttert“, sagt Josef Geers, sie können sich also schon in Ruhe auf den Winter vorbereiten. Das können die Heidebienen nicht, sie müssen noch ein paar Wochen länger ran.

Was wohl noch schwerer wiegt ist die mühsame Honiggewinnung. „ Heidehonig ist sehr fest“, sagen die Imker. „Das Ausschleudern der Waben dauert sehr lange, auch das Öffnen der mit Wachs verschlossenen Waben. Das scheuen viele Imker.“

Und letztlich ist der Ertrag aus der Heide weder besonders hoch, noch ist er sicher. Denn wie die Heide blüht und ob sie dann auch „honigt“, also Ertrag bringt, hängt von den Regenfällen des Frühjahrs ab.

Deshalb sind die beiden Hobbyimker stets gespannt darauf, wie sich ihre Schützlinge schlagen. Bei einem Kontrollbesuch auf den Mansenbergen heben die beiden einfach ihre Kästen an. „Man merkt schnell, ob sie durch den eingetragenen Honig schwerer werden.“

In diesem Jahr ist das der Fall, die beiden gebürtig aus Dohren und Berßen stammenden Imker hoffen auf eine passable Ernte. Mit 10 bis 15 Kilo Heidehonig pro Volk wären sie zufrieden, 20 Kilogramm wären schon sehr gut. Damit kommen heutige Bienenvölker bei weitem nicht mehr an frühere Trachten heran – aber von der Heide ist ja auch nur wenig übrig geblieben.

Probleme, den Honig loszuwerden, haben die Imker übrigens nicht und das obwohl er der teuerste seiner Art ist. „Wir könnten mehr verkaufen als wir haben“, sagen sie.


Heideimkerei war bis vor gut 100 Jahren ein wichtiger Wirtschaftszweig im Emsland.

Kein Wunder, bedeckte die Heide zu ihrer Blütezeit doch etwa die Hälfte der Kreisfläche – Schäferei und Imkerei wurden zu bedeutenden Einnahmequellen einer ansonsten eher armen Bevölkerung. Die großen Heiden waren auch Heimat für Tausende Bienenvölker. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es allein in den Kreisen Aschendorf-Hümmling und Meppen etwa 20000 Bienenstöcke. Einige Bauern besaßen 100 bis 200 Stöcke, und aus dem Lingener Land ist vom Beginn des 20. Jahrhunderts folgender Satz überliefert: „Ein schlechter Imker gewinnt immer noch mehr als der beste Weber.“

Um die lange Zeit vom Frühjahr bis zur Heideblüte zu überbrücken, fuhr man die Bienenvölker zum Beispiel auf die Rapsfelder Ostfrieslands. Zum Beginn der Buchweizenblüte in den eigenen Mooren kehrten die Bienen ins Emsland zurück. Der Honig und auch viel Bienenwachs wurden exportiert, größtenteils, wie die von den Schäfern unablässig hergestellten Stricksocken, nach Holland.

Bevor der Welthandel Zucker zur Massenware machte, verwendete man Honig zum Süßen, und er war entsprechend wertvoll. Im Herbst 1871 hielt man in Meppen einen Honigmarkt ab, bei dem annähernd 12000 Pfund gehandelt wurden. Es soll Bauern gegeben haben, die allein aus der Imkerei ein Jahreseinkommen von 360 Reichstalern erzielten und Honigernten von gut 100 Pfund je Stock. Zum Vergleich: Ein angestellter Schäfer verdiente damals 60 Taler im Jahr.

Wie der Harener Imkermeister Hermann Hüsers berichtet, war Heidehonig früher oftmals die einzige Tracht, die von den Imkern geerntet werden konnte. „Die damaligen Bienenrassen waren darauf ausgerichtet“, sagt er. Außerdem musste ein Großteil des Volkes zur Ernte abgetötet werden, da die in den früher verwendeten Strohkörben feste Waben einbauten, die ansonsten nicht geerntet werden konnten.

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