Elektro-Festival an der Mersmühle Neon Fields in Haren feiert gelungene Premiere


Haren. Wenn Ort und Atmosphäre stimmen und die Musik Spaß macht, kann einem auch der einzige kleine Störenfried nicht die Laune verderben. Party gelungen! Die Party ist in diesem Fall die Premiere von Neon Fields, der Ort die Harener Mersmühle – und der Störenfried der heftige Regen, der ein paar Stunden lang den zweiten Festivaltag heimsuchte.

Von Lorena Dreusicke und Tim Gallandi

Sie wollten vieles anders machen, die Aktiven des Vereins Klangkultur Emsland, die im vergangenen Frühjahr mit der Idee eines neuen Festivals an die Öffentlichkeit gingen. Kleiner und persönlicher sollte es sein, kein Massenspektakel, bei dem die Musik zum Hintergrundrauschen wird und die Besucher hauptsächlich sich selbst feiern. Eine Musikauswahl, die bewegt – „und das nicht nur im übertragenen Sinn“, versprach das Team.

Die Rechnung ist aufgegangen. Wer an den beiden Tagen während der Auftritte von insgesamt 14 Bands und Interpreten das Publikum beobachtete, sah Leute überwiegend zwischen 20 und 30, die – wenn sie nicht gerade tanzten – aufmerksam zuhörten und dem Geschehen auf der Bühne folgten. Und das mit eigenen Augen, nicht durch das Display von Smartphone oder gar Tablet. Selfie-Stangen? Fehlanzeige!

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Zu einem wesentlichen Teil mag das dem Line-up geschuldet sein. Die meisten Acts stehen erst am Beginn ihrer Karriere; ihr Werk will entdeckt werden. Was sich auch lohnte. Sei es bei der Kölner Indietronic-Band Bergfilm, deren sphärischer, organisch-warmer Sound mit ein paar dezenten Loops Verweise auf Future Islands oder The Notwist lieferte.

Sei es bei Town Of Saints, einer niederländischen Formation mit starker Folkrock-Schlagseite. Mit dem Schaffen von Gruppe wie The Lumineers oder Arcade Fire sind die Groninger zweifellos vertraut; gleichwohl kreieren sie mit vereinzelten Abstechern in afrikanische oder orientalische Klanggefilde eine eigene Mixtur. Heraus kommt flotter, tanzbarer Indierock.

Oder sei es das Duo Leyya: Sophie Lindinger und Marco Kleebauer präsentierten eine charmante österreichische Variante von TripHop à la Portishead. Deren Musik war ja in den 90ern im verregneten Bristol entstanden – und auch während des Leyya-Gigs goss es in Strömen. Das Publikum blieb unbeirrt; es flüchtete sich unter Schirme, Capes, Plastikfolien und was die Kunststoffindustrie sonst so an Wasserabweisendem hergestellt hat.

Marktlücke geschlossen

Mit der klugen Idee, den Fokus auf Elektrosound zu legen, sind die Macher von Neon Fields in eine regionale Marktlücke gestoßen. Livemusik dieser Art war im Emsland bisher kaum zu erleben; zu übermächtig dröhnten die E-Gitarren von Alternative Rock oder Heavy Metal.

An Letztgenannten erinnerten allein die Haarmatte und das Metallica-Shirt von Esben Anderssen alias Rangleklods. Der Däne hat bereits 2012 in Roskilde gespielt und zählte zu den namhaftesten Künstlern bei Neon Fields. Am späten Samstagabend bot er ähnlich düster-geheimnisvolle Clubsounds wie 24 Stunden zuvor Occupanther, der Jazzer Martin Brugger.

Zum Flair der Festivalpremiere trug gewiss die Location bei: Das Gebäude-Ensemble um die Mersmühle verlieh dem Ganzen einen zeitübergreifenden Charakter. Das Alte – die Arbeitskultur von einst – traf auf das Neue: elektronische Musik von heute.

Mitmach-Aktionen und Skurriles

Was bei Neon Fields ebenfalls stimmte, war das Drumherum an Mitmach-Aktionen und Skurrilem. Auf der Kirmes der Kuriositäten luden die Mitglieder des Kulturvereins Lampenfieber in schrillen Verkleidungen zu „umgedrehten“ Jahrmarktspielen, so Vorsitzender Martin Gliebe. „Ich wollte schon immer so eine kuriose Kirmes machen. Bei uns kann man Dosen auf Bälle werfen, Ballons auf Nägel und Flaschen in Ringe.“ Zudem gab es grüne Zuckerwatte mit Gewürzpulver und eine „Unwahrsagerin“ bot einen Blick in ihre Kugel an.

Daneben standen am Samstag mehrere Workshops an, die von 50 Teilnehmern getestet wurden. Graffiti, Batik, Makramee, oder Siebdruck – es gab viele Möglichkeiten, sich kreativ zu betätigen. Zum Yoga und einer Thaimassage ging es mit der Harener „Emma“-Bimmelbahn ins Schwimmbad.

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„Wir haben viel Lob bekommen. Auch die Künstler waren mehr als zufrieden“, lautete das zufriedene Fazit von Björn Wösten, Vorstandsmitglied von Klangkultur Emsland. Er freute sich zudem darüber, dass es weder Beschwerden jedweder Art noch Auseinandersetzungen oder Pöbeleien auf dem Platz zu beklagen gab. „Diese friedliche Grundstimmung wollten wir auch erreichen“, betonte Wösten.

Die Publikumsresonanz in Zahlen war für eine Premiere eines Festivals dieser Art gleichfalls ordentlich. 400 Tickets waren im Vorverkauf abgesetzt worden; am Freitag zählten die Veranstalter unterm Strich 550 Besucher. Und am Samstag dürften es annähernd ebensoviele gewesen sein. Wösten und Vorstandskollege Heiner Schnelte kündigten an, dass man eine Neuauflage im kommenden Jahr anpeilen werde.

Die familiäre Atmosphäre des Festivals illustrierte eine Begebenheit am Rande: „Fährt zufällig jemand morgen nach Berlin?“ Diese Frage warf kurz vor dem Ende des Gigs von Xul Zolar deren Gitarrist Marin Geier ins Publikum. Als Gegenleistung bot er „Platten und Spritgeld“ an. Ob er eine Mitfahrgelegenheit gefunden hat, ist uns allerdings nicht bekannt.


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