Fahrzeug wird umbenannt Neuer Name für Harener Arbeitsboot „Sagemüller“

Wilhelm Sagemüller
              Foto: ArchivWilhelm Sagemüller Foto: Archiv

Haren. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wird eines seiner Arbeitsboote umbenennen. Es war vor vielen Jahrzehnten auf den Namen Sagemüller getauft worden. Wilhelm Sagemüller war aber, was 2014 bekannt wurde, im Emsland entscheidend in die Machenschaften der Nationalsozialisten verstrickt.

Sagemüller hatte als Wasserbauer während der Naziherrschaft und unmittelbar nach Kriegsende die Entwässerung der emsländischen Moore vorangetrieben. Lange Zeit wollte offenbar niemand wissen, wie genau er auf diesem Gebiet zu Erfolgen kam. Jedenfalls wurde er als CDU-Politiker nach dem Krieg ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Meppen. 1952 erhält er das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1955 die Ehrenbürgerschaft der Stadt, 1957 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse. 1962 stirbt der Wasserbau-Ingenieur. Selbst 1991 beschließt der Stadtrat noch, nach ihm eine Straße zu benennen.

Recherchen der Gedenkstätte Esterwegen über Wilhelm Sagemüller hatten den unkritischen Umgang mit seiner Biografie infrage gestellt und schließlich zur Beauftragung des Gutachtens durch die Stadt Meppen geführt, das die wahre Rolle Sagemüllers im Emsland ermitteln sollte. Angestoßen wurde dies auch vom ehemaligen Meppener Bürgermeister Heinz Jansen (CDU).

Das Urteil, zu dem die Osnabrücker Historiker Christoph Raß und Kathrin Hilgediek kamen, war 2014 vernichtend. Demnach war das Wasserwirtschaftsamt Meppen unter seinem Leiter Wilhelm Sagemüller tief in den Aufbau der Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager im Emsland verstrickt.

Die von Wilhelm Sagemüller zu verantwortenden Sachverhalte reichten von der Planung der Lagerbauten und der technischen Organisation des Arbeitseinsatzes der Gefangenen bis hin zur Verschärfung von deren Lebensbedingungen durch die Festlegung von Arbeitszeiten und -leistungen sowie körperlichen Misshandlungen. „Entlastende Dokumente konnten wir trotz aufwendiger Recherchen nicht ermitteln“, sagten die Historiker. Die Ehrenbürgerschaft wurde ihm deshalb aberkannt .

In Unkenntnis dieser Vorgeschichte hatte das Wasserwirtschaftsamt vor einigen Jahrzehnten ein Arbeitsboot auf den Namen Sagemüller getauft. Angeregt durch die Nachfrage des MT-Lesers Rudolf Menke (Haren), hat eine Sprecherin des NLWKN nun auf Anfrage der MT mitgeteilt: „Wilhelm Sagemüller war vor dem Zweiten Weltkrieg und einige Jahre danach Leiter des Wasserwirtschaftsamtes und parallel dazu auch Leiter der Linksemsischen Kanalgenossenschaft (LKG). Das Arbeitsboot der LKG wurde bei Indienststellung offensichtlich auf- grund seiner Verdienste als Leiter der LKG nach ihm benannt.“

Heute wird es für alle Arbeiten verwendet, die nur vom Wasser aus möglich sind, etwa beim Unterhalt der Schleusen, bei Befestigungsarbeiten oder beim Gehölzschnitt. „Angesichts der vorliegenden Informationen wird der NLWKN in Kürze eine Umbenennung vornehmen.“

Der neue Name des Bootes steht noch nicht fest. Es wird derzeit auf dem Haren-Rütenbrock-Kanal eingesetzt. Bei ihm handelt es sich um den letzten schiffbaren Teil eines ehemals 111 Kilometer langen linksemsischen Kanalnetzes, das zwischen 1871 und 1904 entstand. Die Wasserstraßen waren ursprünglich zur Erschließung des Emslandes errichtet worden und standen unter der Regie der am 31. Dezember 2002 aufgelösten „Linksemsischen Kanalgenossenschaft“. Seither wird dieses Gewässernetz von der Betriebsstelle Meppen des NLWKN betrieben und unterhalten.


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