Ausstrahlung Mittwoch 21 Uhr NDR-Dokumentation: Als die Stadt Haren noch Maczków hieß

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Haren. Als alle dachten, der Krieg sei vorbei, da wurde aus Haren Maczków und aus einer emsländischen Stadt eine polnische: 70 Jahre ist das jetzt her, aber die Aufarbeitung dieses drei Jahre währenden Kapitels Harener Geschichte beginnt eigentlich erst heute so richtig. Der aus Haren stammende NDR-Reporter Joop Wösten hat einen Film über das Thema gedreht.

Wenn am Mittwoch um 21 Uhr die Ausstrahlung der 45-Minüters in der Reihe „Unsere Geschichte“ beginnt, wird Uli Schepers mit einigen Mitstreitern vor dem Fernseher sitzen. Viele Monate Arbeit liegen dann nicht nur hinter dem Vorsitzenden des Heimatvereins Haren, sondern auch hinter Bürgermeister Markus Honnigfort und weiteren Beteiligten.

Sie hatten schon länger vorgehabt, die Maczków-Zeit aufzuarbeiten. Gleiches gilt für Joop Wösten, der seit vielen Jahren als Reporter und Autor für den NDR arbeitet: „Ich hatte immer mal von Maczków gehört“, sagt er. Aber gewusst habe er eigentlich fast nichts und deshalb schon vor eineinhalb Jahren mit der Recherche begonnen. Dann kamen der Fernsehmann, der Heimatverein und die Stadt zufällig mit dieser Idee zusammen. „Wir haben beschlossen, einen Film daraus zu machen“, sagt Wösten.

Gemeinsam haben sie dann seit August 2014 Zeitzeugen gesucht und gefunden. Besuche in Breda oder Amsterdam in den Niederlanden folgten, außerdem Reisen in Archive unter anderem in London. Wösten, Schepers und Honnigfort suchen in alten Unterlagen nach neuen Erkenntnissen.

Nach Erkenntnissen über eine Zeit, über die in Haren lange Zeit nicht gern gesprochen wurde. Denn Seite an Seite mit alliierten Truppen waren zum Kriegsende auch Soldaten der polnischen Exilregierung nach Norddeutschland einmarschiert. In den Kriegsgefangenenlagern des Emslandes saßen zudem viele Polinnen und Polen ein. Für sie alle, insgesamt rund 50000 Menschen, suchte man damals eine Unterkunft – und das wenig zerstörte Haren schien geeignet.

Quasi über Nacht beschloss die britische Militärregierung, 514 Häuser räumen zu lassen und knapp 1000 Familien auszusiedeln – aus Haren wurde Maczków . Im „Emslanddom“ feierte fortan ein polnischer Priester die heilige Messe, während die Harener sich in einer Scheune außerhalb der Stadt zum Gottesdienst versammeln mussten. Straßen wurden umbenannt, eine polnische Verwaltung aufgebaut.

Ganze drei Jahre blieben die Polen, denen durch Deutsche zuvor schlimmstes Unrecht widerfahren war. Für kurze Zeit existierten sogar Pläne, das gesamte Emsland langfristig zu einer „polnischen Enklave“ für 400000 Polen zu machen. Aber daraus wurde nichts.

Neue Sichtweise

In der Dokumentation aus der Reihe „Unsere Geschichte“ lässt Reporter Joop Wösten die letzten noch lebenden Zeitzeugen zu Wort kommen. Historische, teilweise bislang unveröffentlichte Filmaufnahmen sind zu sehen; sie stammen von einem polnischen Soldaten, der auch als Kameramann im Einsatz war. „Erstmals ist ein Film aus Sicht der Harener entstanden“, sagt Wösten und betont, dass dabei die polnische Perspektive dennoch berücksichtigt werde.

Uli Schepers und Bürgermeister Markus Honnigfort haben die Dreharbeiten unterstützt und waren bei einigen Zeitzeugengesprächen dabei. „Zunächst waren wir skeptisch, ob sich auf den Aufruf jemand melden würde“, sagt Uli Schepers. „Aber die Zeit scheint nun endlich reif zu sein. Der Film war für eine endgültige Aufarbeitung nur der Anfang.“

In Amsterdam traf Schepers einen Zeitzeugen von damals – „mit einem mulmigen Gefühl“, wie er sagt. Aber er wurde aufs Erfreulichste überrascht. Denn er lernte mit Norbert Gawronski nicht nur einen sehr dankbaren Mann kennen, sondern auch einen der bekanntesten Architekten der Niederlande. Der 92-Jährige bereitete den Deutschen einen freundschaftlichen Empfang. Nach dem Krieg war der gebürtige Pole wie so viele Bewohner von Maczków staatenlos geworden. In Haren machte Gawronski sein Abitur – bis heute ist er dankbar für diese Chance.

„Emotionaler Moment“

„Das war schon ein emotionaler Moment“, berichtet Uli Schepers, ebenso wie der Besuch im General-Mackow-Museum in Breda. Der polnische General Stanisław Maczek hatte mit seiner Panzerbrigade die umliegenden Gefangenenlager im Emsland befreit und wurde so zum Namensgeber der polnischen Stadt.

Im Film kommen nicht nur Zeitzeugen zu Wort und sind alte Filmaufnahmen zu sehen. Wösten hat auch sechs wichtige Momente der damaligen Zeit mit Schauspielern der Freilichtbühne Meppen oder dem Stuntteam Cordes aus Haren nachgestellt – etwa jenen Tag, an dem Schwester Kunigunde die weiße Fahne im Harener Dom hisste und alle dachtem, der Krieg sei nun zu Ende. Die Filmmusik hat mit Julian Zwoch ein Meppener komponiert.

Für Uli Schepers steht fest, dass die Zeit für eine Aufarbeitung der dreijährigen Episode Harener Geschichte nun reif ist. „Wir müssen uns der Zeit und ihrer Vorgeschichte stellen“, sagt er. Dabei sei eine Zusammenarbeit mit der Stadt oder dem Gymnasium Haren wünschenswert. Am liebsten wäre ihm eine Dauerausstellung, die an die drei Jahre Mackow erinnern soll.


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